VF Corporation will kein Leder mehr aus Brasilien beziehen

Der US-amerikanische Bekleidungskonzern VF Corporation, zu dem Marken wie Timberland, Vans, The North Face, Jansport und Kipling gehören, will angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet kein Leder mehr aus Brasilien beziehen. Vom 1. Januar bis 20. August 2019 sind die Brände im brasilianischen Amazonasgebiet nach Angaben des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) um 84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

„Die VF Corporation und unsere Marken haben beschlossen, Leder und Häute für unsere internationalen Geschäfte nicht mehr direkt aus Brasilien zu beziehen, zumindest bis wir das Vertrauen und die Zusicherung haben, dass die in unseren Produkten verwendeten Materialien keine Umweltschäden in dem Land anrichten”, so VF in einer Stellungnahme laut ABC News.

Der Konzern informierte auch die Zentralstelle der brasilianischen Gerberindustrie (CICB) über die Aussetzung der Lederkäufe aus dem Land aufgrund der Brände. In einem Brief an den brasilianischen Landwirtschaftsminister brachte der CICB-Präsident seine Besorgnis über die Entscheidung der VF Corporation zum Ausdruck.

Die Ursache für die massiven Waldbrände des brasilianischen Amazonagebiets sind höchstwahrscheinlich Viehzüchter, die das Land für ihr Vieh räumen und nicht nur Rindfleisch, sondern auch Leder produzieren. „Brasilien ist der zweitgrößte Exporteur von Rindfleisch, der 20 Prozent des weltweiten Rindfleischs liefert (der zweitgrößte nach Amerika). Daraus folgt, dass die brasilianischen Viehzüchter der Welt den gleichen Anteil an Leder liefern”, so Fashion Revolution.

„Die Modebranche muss die Verantwortung für Handtaschen, Schuhe und Accessoires aus Leder übernehmen, die zur Abholzung der Regenwälder beitragen”, findet die Interessengruppe und fordert Marken auf, transparent dabei zu sein, wie sie Leder aus Brasilien beziehen und sicherzustellen, dass es nicht mit den Rinderfarmen des Landes verbunden ist.

Da dies schwierig sein kann, könnten mehr Marken und Einzelhändler dem Beispiel der VF Corporation folgen und die Beschaffung von Leder aus Brasilien ganz einstellen. Die Sportbekleidungsmarke Nike hat beispielsweise bereits Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass ihre Materialien die Abholzung im Amazonasgebiet nicht unterstützen, nachdem der Greenpeace-Bericht „Slaughtering the Amazon” von 2009 die verschlungenen Wege von Rindfleisch und Häuten von den Schlachthöfen im Amazonasgebiet bis in die Geschäfte weltweit beleuchtete.

Umweltschützer suchen die Schuld an der massiven Zunahme von Entwaldung und Bränden im Amazonasgebiet in diesem Jahr beim brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, da das ultrarechte Staatsoberhaupt, das den vom Menschen verursachten Klimawandel in Frage stellt, eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbunden ist und Umweltauflagen gelockert hat: Brasilianischen Bauern wurde kürzlich erlaubt, 20 statt fünf Hektar Land zu verbrennen. Darüber hinaus haben die Behörden, die die illegale Abholzung verhindern sollen, unter Bolsonaro an Macht verloren.

Auf internationalen Druck hin erließ Bolsonaro am Mittwoch ein Dekret, das das Abbrennen von Flächen, um Weide- und Ackerland zu schaffen, für 60 Tage untersagte. Experten kritisieren jedoch, dass das Verbot zu spät komme und nicht weitreichend genug sei. Außerdem wurde bereits am Freitag eine Änderung vorgenommen, laut der Brände außerhalb der neun Staaten der Amazonasregion, die für die Ernte notwendig sind, erlaubt sind.

Am vergangenen Montag gaben der CEO des Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, und Vorstandsmitglied Yann Arthus-Bertrand bekannt, dass LVMH sich dem französischen Präsidenten Macron und der G7-Initiative anschließen und 10 Millionen Euro zur Bekämpfung der Waldbrände beitragen werde, die den Amazonas verwüsten - ein Angebot, das die brasilianische Regierung seitdem abgelehnt hat.

Abbildung: Fashion Revolution

 

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