Vor geplantem Börsengang: Shein meldet Millionenverlust im ersten Quartal
Der in Singapur ansässige Fast-Fashion-Händler Shein hat im Vorfeld seines geplanten Börsengangs in Hongkong erstmals einen detaillierten Einblick in die finanzielle Lage des Unternehmens gegeben. Demnach schrieb der E-Commerce-Spezialist im ersten Quartal rote Zahlen. Zudem wuchs der Umsatz nicht mehr so dynamisch wie zuvor.
Aus einer Mitteilung an die Hongkonger Börse unter dem Firmennamen Shein Global Holdings geht hervor, dass das Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust in Höhe 99 Millionen US-Dollar (87 Millionen Euro) verzeichnete. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen demnach noch einen Nettogewinn von 395 Millionen US-Dollar erzielt. Der operative Gewinn erreichte eine Höhe von 258 Millionen US-Dollar und sank damit im Vergleich zum Vorjahresquartal um 26 Prozent. Der Umsatz stieg moderat von 8,95 auf 9,05 Milliarden US-Dollar (7,94 Milliarden Euro). Damit verringerte sich das Wachstumstempo gegenüber früheren Quartalen deutlich.
Das Management erklärte, der Nettoverlust im ersten Quartal sei in erster Linie auf negative Wertberichtigungen im Volumen von 328 Millionen US-Dollar zurückzuführen.
Die nun veröffentlichte regulatorische Mitteilung ist ein Bestandteil des Hongkonger Börsengangs von Shein. Das Unternehmen hatte die Börsenzulassung nach mehrjährigen Verzögerungen erhalten, nachdem frühere Börsenpläne in New York und London nicht realisiert worden waren. Bislang hatte der Händler den Anlegern nur begrenzte Informationen zu Umsatz und Rentabilität bereitgestellt. Zu den institutionellen Investoren zählen IDG Capital, Mubadala Investment Co., Tiger Global Management und HSG.
Regulatorische Veränderungen und internationale Handelskonflikte bremsen das Wachstum
Für die Abschwächung der Wachstumsdynamik gab es nach Angaben des Unternehmens mehrere Gründe. Änderungen in der US-Handelspolitik sowie geopolitische Verwerfungen führten demnach zu höheren Materialkosten und Preisanpassungen für Endverbraucher:innen. Indikatoren wie globaler Web-Traffic, Downloads mobiler Anwendungen und US-Absatzvolumina stagnieren oder sind im laufenden Jahr rückläufig.
Shein erklärte, dass die Abschaffung der US-amerikanischen De-minimis-Zollbefreiung für importierte Pakete mit einem Wert unter 800 US-Dollar das US-Handelsgeschäft sowie das Umsatzwachstum insgesamt negativ beeinflusst habe. Das Unternehmen stellte jedoch fest, dass sich die Umsatzentwicklung in der Region seither wieder normalisiere.
Für zusätzlichen Gegenwind sorgten laut der Mitteilung zudem politische Veränderungen in der Europäischen Union – konkret die Abschaffung der Zollbefreiung für Waren unter 150 Euro. Shein gab an, dass der europäische Markt im Jahr 2025 sowie im ersten Quartal 2026 rund ein Drittel des Gesamtumsatzes ausgemacht habe. Das Management warnte, die wirtschaftlichen Auswirkungen der EU-Regulierungsänderung könnten die Folgen der US-De-minimis-Anpassung erreichen oder sogar übertreffen.
Neben Handelsbarrieren sieht sich Shein weiterhin mit Wettbewerbsdruck durch Temu, eine Tochtergesellschaft von PDD Holdings, in den europäischen und US-amerikanischen Kernmärkten konfrontiert. Internationale Regulierungsbehörden halten zudem ihre erhöhte Kontrolle über die Geschäftspraktiken des Unternehmens aufrecht.
Shein war ursprünglich in China gegründet worden und hatte seinen Hauptsitz später nach Singapur verlegt. Die Fast-Fashion-Plattform vertreibt preisgünstige, trendgetriebene Bekleidung direkt aus Lieferantennetzwerken an globale Einzelhandelsmärkte. Im Gesamtjahr 2025 belief sich der Nettogewinn auf 2,06 Milliarden US-Dollar, nachdem er im Vorjahr bei 3,37 Milliarden US-Dollar gelegen hatte.
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