Walmart-CEO Judith McKenna über Datenschutz, die gescheiterte Asda-Fusion und die Gleichstellung von Frauen

Amsterdam - Mit über 11.000 Geschäften, 270 Millionen Kunden pro Woche und einem Umsatz von einer halben Billion Dollar ist Walmart zweifellos ein Gigant in der weltweiten Einzelhandelslandschaft. Das 1962 gegründete Unternehmen betreibt heute über 11.300 Verkaufsstellen in 27 Ländern, teils unter anderen Handelsnamen. Judith McKenna, Präsidentin und CEO von Walmart International, war auf dem diesjährigen World Retail Congress 2019 in Amsterdam und sprach über ihre Gedanken zu der kürzlich gescheiterten Fusion zwischen Walmarts Handelskette Asda und Sainsbury’s, über das zweischneidige Schwert digitaler Daten und über die Rolle von Frauen im Einzelhandel. Hier sind die drei wichtigsten Takeaways von FashionUnited aus McKennas Gespräch mit dem internationalen Rundfunkjournalisten Naga Munchetty.

Das zweischneidige Schwert der digitalen Daten

Für fast alle modernen Menschen sind Mobiltelefone zu einer Art Erweiterung unserer Selbst geworden. Eine Studie von Ofcom aus dem Jahr 2018 ergab, dass der durchschnittliche Brite 24 Stunden pro Woche online ist und sein Handy alle 12 Minuten in die Hand nimmt. Heute, mehr denn je, sind unsere Handys für uns zu einer Einkaufsplattform geworden - und das wissen Unternehmen. Aber was passiert, wenn Werbung zu aufdringlich wird? Wo ziehen wir die Grenze? „Der Datenschutz ist ein riesiger Schwerpunkt“, sagte McKenna. „Es gibt dabei zwei Seiten. Zum einen Datensicherheit: Wenn jemand seine Daten mit uns teilt, ist es unsere Aufgabe, sie sicher aufzubewahren. Es ist ein schmaler Grat: Wenn man Daten hat, wie verwendet man sie, damit personalisierte Werbung nicht zu aufdringlich wird?“

Laut McKenna haben personenbezogenen Daten das Potenzial, ein persönlicheres Einkaufserlebnis zu schaffen, wenn sie vom Einzelhändler korrekt und sorgfältig verwendet werden. „Wir alle kennen die E-Mails von einem Unternehmen, die wir immer wieder löschen. Hier helfen uns Daten und Analysen, den Kunden etwas besser zu verstehen, und mit dessen Erlaubnis möchten wir ihm eine etwas kuratiertere Erfahrung bieten.“ Aber das Thema wird zweifellos die Debatte auf diesem Weg weiter anheizen. „Es ist ein zweischneidiges Schwert“, weiß McKenna. „Auf der einen Seite haben die Einzelhändler eine große Sorgfaltspflicht bei der Verarbeitung von Daten. Wir müssen es als eine unserer wichtigsten Aufgaben verstehen, diese Verantwortung zu tragen. Aber auf der anderen Seite fragen wir uns natürlich: Wie können wir Daten nutzen, um eine Erfahrung zu bieten, die das Leben unserer Kunden tatsächlich einfacher macht? Diese beiden Dinge in Einklang zu bringen, ist in unserem Unternehmen derzeit eine sehr aktive Debatte.“

Fusion von Asda und Sainsbury’s: „Es wurde eine Grenze gezogen“

McKenna sprach auch kurz über die gescheiterte Mega-Fusion zwischen den britischen Supermarkt-Giganten Sainsbury's und Asda, die im April aufgrund von Bedenken der britischen Wettbewerbsbehörde, der Competition and Markets Authority (CMA), blockiert wurde. „Wir waren fest davon überzeugt, dass die Schaffung dieses neuen Unternehmenszusammenschlusses, aus einer einmaligen Gelegenheit heraus, es uns ermöglichen würde, die Senkung der Preise für unsere Kunden zu ermöglichen“, sagt McKenna. „Tatsächlich hat die CMA die Entscheidung getroffen, die Fusion zu blockieren, weil sie dachte, dass wir genau das Gegenteil tun würden: nämlich die Preise sowohl in den Geschäften als auch an Tankstellen im ganzen Vereinigten Königreich zu erhöhen und zusätzlich die Qualität und die Auswahl der verfügbaren Produkte zu verringern.“

„Ich arbeite seit sehr langer Zeit im britischen Markt und jeder, der glaubt, dass man die Preise in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld erhöhen würde, kennt das Umfeld und die Marktdynamik offenbar nicht sehr gut und weiß nicht, wofür unser Geschäft steht“. Sicherlich hätte ein Zusammenschluss der beiden Supermarktketten - die zusammen 51 Milliarden Pfund Umsatz (etwa 58 Milliarden Euro) erwirtschaften - mit ihren beiden jeweiligen Bekleidungslinien (Sainsbury’s „Tu Clothing“ und Asdas „George“-Linie) einen bedeutenden neuen Akteur im britischen Bekleidungshandel geschaffen. Dies hätte helfen können, die Unternehmen besser zu positionieren, um im Wettbewerb mit konkurrierenden Wertschöpfungsketten zu bestehen.

Aber es sollte nicht sein: „Bei diesem Deal wurde eine Grenze gezogen“, resümmiert McKenna. „Das Leben geht weiter. Das Team von Asda und Roger Burnley [Asdas CEO] hat im letzten Jahr phänomenale Arbeit geleistet und beeindruckende Geschäftsergebnisse erzielt.“ Sie fügte hinzu: „[Asda] ist ein Unternehmen, das mir wirklich am Herzen liegt, und wir werden sicherstellen, dass sie in Zukunft über die Ressourcen verfügen, um erfolgreich zu sein.“

Es muss mehr getan werden, um die Wettbewerbsbedingungen für Frauen zu verbessern

„Gibt es genug Frauen auf Ihrer Karrierestufe im Einzelhandel?“ fragte Munchetty. „Nein“, antwortete McKenna, ohne eine Sekunde zu zögern. Laut McKenna hat „jeder eine Verpflichtung“, sich mit dem Thema zu befassen und Frauen dabei zu helfen, höhere Positionen in der Branche zu erreichen. McKenna sagte, dass das Problem auf mehreren Ebenen angegangen werden könne, man solle sicherstellen, dass Unternehmen bei der Auswahl auf Diversität achten, bis hin zur Umsetzung der richtigen Förderprogramme. „Ob Sie männlich oder weiblich sind, es ist Ihre Pflicht, diese Plattformen für die zukünftige Generation zu schaffen“, sagte sie.

Der Vortrag von McKenna endete mit der Verleihung der Auszeichnung „Woman of the Year“ durch die Personalberatung Clarity für ihre Pionierarbeit an der Spitze der internationalen Niederlassung von Walmart. „Judith, während Sie Ihre Mission fortsetzen, begrüßen wir Sie als herausragendes Vorbild für Frauen im Einzelhandel auf der ganzen Welt und gratulieren Ihnen, dass Sie unsere Clarity-Frau des Jahres sind“, sagte Fran Minogue, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von Clarity, als sie McKenna die Auszeichnung verlieh.

World Retail Congress 2019 findet vom 14. bis 16. Mai in Amsterdam statt und versammelt rund 1.400 Teilnehmer aus 55 Ländern. Behalten Sie die weitere Berichterstattung über die Veranstaltung von FashionUnited im Auge.

Foto courtesy of World Retail Congress

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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