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WEF-Report zeigt: Sportmarkt kann Milliarden verlieren ohne nachhaltige Strategien

In einer neuen Studie zeigt das Weltwirtschaftsforum die enormen Wachstumschancen des globalen Sportmarkts auf. Zugleich warnt die Analyse davor, dass systemische Risiken wie zunehmende Bewegungsarmut, Umweltzerstörung und Klimawandel die Branche vor gravierende Herausforderungen stellen könnten.

Der Sportmarkt wächst überproportional

Die globale Sportwirtschaft erlebt derzeit eine historische Wachstumsphase. Er generiert aktuell einen Umsatz von rund 2,3 Billionen US-Dollar (etwa 1,95 Billionen Euro), der sich auf neun Kernbranchen verteilt. Dazu zählen neben klassischem Sportequipment beispielsweise auch Sportlernahrung, Sporttourismus, Wearables und Sportmedien. In Ländern wie den USA, dem Vereinigten Königreich oder Europa trägt der Sportmarkt bereits zwischen zwei und vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und sichert etwa jeden 25. Vollzeitjob.

Dieses Wachstum wird sich fortsetzen. Bis 2030 wird ein Umsatzvolumen von 3,7 Billionen US-Dollar (etwa 3,15 Billionen Euro) erwartet. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund zehn Prozent und liegt deutlich über den rund sieben Prozent, die in den vergangenen zehn Jahren erzielt wurden. Langfristige Prognosen sagen sogar ein Wachstum auf 8,8 Billionen US-Dollar (rund 7,48 Billionen Euro) bis 2050 voraus.

Women Event der Frauensportmarke Kari Traa. Credits: Kari Traa

Vor allem der Sporttourismus wird in den kommenden Jahren neue Potenziale erschließen und bis 2030 rund 60 Prozent des gesamten Branchenwachstums ausmachen. Mega-Events, Marathons, internationale Turniere und sportgetriebene Reisen befeuern nicht nur die Ticketumsätze, sondern auch die Bereiche Hospitality, Handel, Mode und die lokale Wertschöpfung. Zudem zieht der Sport zunehmend institutionelle Investor:innen an und hat sich in der Finanzwelt als neue Assetklasse etabliert.

Bewegungsmangel und Umweltzerstörung sind Geschäftsrisiken

Gleichzeitig warnt das Weltwirtschaftsforum vor systemischen Risiken, die das Wachstum der Sportwirtschaft gefährden könnten: Zunehmende Bewegungsarmut, Umweltzerstörung und Klimawandel bedrohen sowohl die Nachfrage, die Stabilität von Produktion und Lieferketten als auch die Investitionsbereitschaft der Branche. Ohne Gegenmaßnahmen könnten diese Entwicklungen die jährlichen Einnahmen bis Mitte des Jahrhunderts um bis zu 1,6 Billionen US-Dollar (rund 1,38 Billionen Euro) reduzieren.

Fast ein Drittel der Erwachsenen und bis zu 80 Prozent der Jugendlichen weltweit bewegen sich zu wenig, so die Studie. Damit schrumpft langfristig genau jene Basis, auf der Sportartikel, Mitgliedschaften, Events, Fanartikel und Sporttourismus aufbauen. Prognosen gehen davon aus, dass es bis 2030 bis zu 800 Millionen weniger aktive Menschen geben könnte.

Zudem werden die Bedingungen für Sport schwieriger. Hitze, Extremwetter, Luftverschmutzung und Wasserknappheit beeinträchtigen Wettkämpfe, Trainingsbedingungen, Zuschauer:innenerlebnisse und nicht zuletzt auch Lieferketten. Über 90 Prozent der Medienrechte im Profisport hängen von Outdoor-Formaten ab und sind damit direkt klimaanfällig. Versicherungen werden teurer, Investitionen vorsichtiger und Großevents riskanter.

Der Sport ist Teil des Problems

Der Sportmarkt ist nicht nur von Umwelt- und Gesundheitsrisiken betroffen, sondern trägt selbst erheblich zur Belastung des Planeten bei. Allein Events, Reisen, Bauprojekte und Lieferketten erzeugen laut Studie jährlich 400 bis 450 Millionen Tonnen CO₂e, hinzu kommen hoher Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz bei Textilien, massive Abfallströme sowie Mikroplastik aus Funktionsstoffen und Kunstrasen. Dieses Zusammenspiel führt zu einem negativen Kreislauf: Umweltbelastungen verringern die Teilnahme, eine geringere Beteiligung schwächt Nachfrage und Bedeutung, und untergräbt langfristig die wirtschaftliche Basis des Sports.

Die Produktion von Sportkleidung und der Tourismus tragen zum Klimawandel bei. Credits: FashionPower

Forderung: Strategische Transformation auf vielen Gebieten

Ein systemischer Wandel ist laut Studie jedoch möglich und ökonomisch sinnvoll. Der Bericht des Weltwirtschaftsforums skizziert drei strategische Transformationspfade: Erstens der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, etwa durch integriertes Wassermanagement, zirkuläre Geschäftsmodelle für Sportbekleidung, Schuhe und Ausrüstung sowie die Nutzung von Sportevents als Reallabore für nachhaltige Materialien und Konsummodelle. Für Fashion- und Sportartikelunternehmen bedeutet dies, dass Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit, Wiederverkauf und Materialinnovation künftig zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren werden.

Zweitens soll Sport stärker in nachhaltige Städte integriert werden: Grün- und Wasserflächen können als aktive Infrastruktur genutzt, Bewegung und Sport in die Stadtplanung eingebunden und gleichzeitig aktive, emissionsarme Mobilität gefördert werden.

Bike Event in London von der Bikemarke Brompton. Credits: Brompton

Drittens können Unternehmen und Investoren durch gezielte Investitionen, strategische Sponsoring-Modelle und öffentlich-private-philanthropische Partnerschaften gemeinsame soziale und ökologische Wirkungen entlang der gesamten Sportwertschöpfungskette erzielen. Zweckorientierte Kapitalflüsse erhöhen nicht nur die Rentabilität, sondern stärken auch die Resilienz der Branche gegenüber Umwelt- und Gesundheitsrisiken.


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