Weihnachtsgeschäft: Onlineboom sorgt für Lieferchaos

Die Vorweihnachtszeit ist die aus Einzelhandelsperspektive die wichtigste Zeit im Jahr. Hier werden die meisten Umsätze generiert, online und offline. Doch der Onlineboom macht Logistikdienstleistern zu schaffen.

Onlinehändler erwarten Umsatzplus

Die aktuelle Weihnachtsstudie des Händlerbundes, zu dem aktuell etwa 80.000 Onlinepräsenzen gehören, hat die Erwartungen des Onlinehandels im Weihnachtsgeschäft 2018 beleuchtet. Rund zwei Drittel der befragten Händler rechnen zum Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatzplus. War die Vorweihnachtszeit früher noch relativ rabattfrei, hat sich das mit der zunehmenden Onlinekonkurrenz inzwischen drastisch geändert. Laut Studie bieten 17 Prozent der Händler Rabatte an, 13 Prozent locken mit Gutscheinen oder gewähren eine verlängerte Rückgabefrist (11 Prozent).

Als wichtigste Verkaufskanäle gelten mittlerweile für 81 Prozent der Befragten die Online-Marktplätze Amazon und Ebay. Online-Bestellungen, die über Werbung bei Facebook oder Instagram generiert werden, haben sich im Vergleich zum Vorjahr auf fünf Prozent mehr als verdoppelt. Auch der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) vermeldet ein starkes Wachstum. In den ersten neun Wochen des vierten Quartals sei der Umsatz binnen Jahresfrist um neun Prozent auf 13,7 Milliarden Euro gestiegen und hob die Wachstumsprognose für 2018 von bislang 9,3 Prozent auf rund elf Prozent an.

Elektronik liegt vorne

Ein besonders gefragt waren in den ersten neun Wochen des Schlussquartals Produkte aus dem Bereich Unterhaltung, Computer, Elektronik und Telekommunikation, so der BEVH. Hier gab es ein Umsatzplus von 14,8 Prozent. Auch Bekleidung kann sich sehen lassen mit einem Zuwachs von 9,1 Prozent. Spielwaren und Freizeitartikel erreichten ein Plus von 8,1 Prozent. Für die hohe Nachfrage nach Unterhaltungselektronik spricht auch die Veröffentlichung der wichtigsten Amazon Keywords. In den Top Ten sind die Gadgets und Spielekonsolen fast unter sich.

Lieferdienste kommen an Kapazitätsgrenze

Der Onlinehandel und mit ihm die Logistikbranche kommen besonders im Weihnachtsgeschäft an ihre Kapazitätsgrenzen. In 2018 wird die Überlastung der Lieferdienste nach Aussagen des Händlerbundes 84 Prozent aller Online-Händler betreffen. 2017 waren es noch 50 Prozent und lediglich 36 Prozent im Jahr 2016. „Dass Online-Marktplätze an Bedeutung gewinnen und die Umsätze im diesjährigen Saisongeschäft steigen werden, ist auch unser Eindruck“, sagt Andreas Arlt, CEO beim Händlerbund. „Probleme bei den Zustellern sind die Kehrseite des Erfolgs. Große Teile der Logistikbranche sind angesichts des großen Ansturms im Onlinehandel schlichtweg überfordert.” Wenn sich in Zukunft noch der Online-Lebensmittelhandel bei diesem Liefer-Chaos auf deutschen Straßen beteiligt, wird es abenteuerlich.

Weitere Herausforderungen sehen 34 Prozent der Händler in der hohen Retourenquote. Traditionell boomt der Online-Handel besonders an den Adventssonntagen und erreicht rein statistisch am 16. Dezember 2018 um 18 Uhr seinen Jahreshöhepunkt. Zwischen Dienstag und Donnerstag wird es im Online-Shop etwas ruhiger.

Angesichts dessen kann der BEVH Aktionstage wie Black Friday oder Cyber Monday nur gutheißen: Sie trügen dazu bei, die Weihnachts-Spitze für Händler, Logistiker und Verbraucher zu entzerren.

Foto: Wien / Pixabay

 

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