Mit seiner Fußballkunst und Migrationsbiografie galt Mesut Özil als idealer Werbeträger. Wofür steht der Spieler aber nach dem Rücktritt und seinen Rassismusvorwürfen?

Sie wolle nicht in Mesut Özils Haut stecken, sagt Anetta Kahane. Nicht nur, dass sie das Foto mit dem türkischen Präsidenten schon von Anfang als fatal empfunden habe. Die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rassismus engagiert, sieht den Fußballstar mächtig unter Druck. Ob vor der Fußballweltmeisterschaft als Beispiel für gelungene Integration oder jetzt, nach seiner Abrechnung mit dem DFB: «Ich weiß nicht, ob er sich das so gewünscht hat.»

Dazu schweigt der Spieler beharrlich. Doch die Frage rückt nun in den Vordergrund: Welche Rolle kann Özil nach der Affäre in der Öffentlichkeit spielen? Lässt sich eine Persönlichkeit, die derart das Publikum spaltet, noch als Werbeträger und Markenbotschafter einspannen?

Der DFB-Sponsor Mercedes-Benz habe ihn bereits nach der Verbreitung des Erdogan-Fotos aus seinen Kampagnen gestrichen - so lautet jedenfalls Özils Vorwurf. Sportartikel-Hersteller Adidas hält auch nach dem Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an dem Spieler fest. Er bleibe Mitglied der «Adidas-Familie», sagte ein Sprecher.

Doch ob Özil heute einen Integrations-Bambi bekommen würde, wie vor acht Jahren? Die Stellungnahme der Preisauslober klingt jedenfalls zurückhaltend. «Mesut Özil hat 2010 den Bambi erhalten, weil er aus Sicht der Jury damals ein besonders gelungenes Beispiel für Integration darstellte. Selbstverständlich wird die Vergabe des Bambi an Mesut Özil heute nicht in Frage gestellt», erklärte eine Sprecherin des Medienhauses Burda («Bunte», «Focus») auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Tatsächlich hat sich die Wahrnehmung vom 29-jährigen Mittelfeldstar radikal gewandelt. Bereits nach seinem Auftritt mit Recep Tayyip Erdogan hatte er Kritik und Ablehnung hinnehmen müssen - von Pfiffen und Buhrufen im Stadion bis zu wüstem Rassismus auf den sozialen Medien.

 

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