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Wie will Bonprix bis 2030 vollständig transparent und klimaneutral werden?

Von Weixin Zha

12. Mai 2021

Business |INTERVIEW

Bonprix

Der Versandhändler Bonprix will bis 2030 vollständig nachhaltig und klimaneutral werden, ebenso soll die Lieferkette vollkommen transparent werden.

Nach vier grünen Kapselkollektionen in den vergangenen zwei Jahren will die Otto-Tochter ab diesem Jahr langfristig nachhaltige Produkte in allen Sortimenten einführen und das grüne Angebot ausweiten. Um die Ziele seiner neuen Nachhaltigkeitsstrategie zu schaffen, möchte Bonprix auch 50.000 in seiner Lieferkette beteiligten Menschen mit Schulungen bis 2030 erreichen.

„Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Transparenz werden das ‚New Normal‘ der Modeindustrie sein“, sagt Stefanie Sumfleth, Bereichsleiterin Corporate Responsibility & Technical Product bei Bonprix. Im Gespräch erklärt sie, wie das Hamburger Unternehmen mit einem Sortiment aus 90 Prozent Mode und Kunden in mehr als 30 Ländern seine Ziele erreichen will.

Bonprix will bis 2030 klimaneutral werden. Als Versandhändler sind Sie aber in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und damit auch die Bestellungen. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, gleichzeitig Ihren CO2-Ausstoß seit 2006 bereinigt um 42 Prozent zu reduzieren?

Den größten Hebel für Veränderung haben wir in der Beschaffungslogistik, deswegen ist es unser Ziel, den Luftfrachtanteil in der Beschaffung so weit wie möglich zu reduzieren. Hier haben wir in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und setzen verstärkt auf klimafreundlichere Transportträger wie Schiff und Bahn. Seit 2012 haben wir unseren Luftfrachtanteil um über 40 Prozent reduziert und liegen damit seit 2019 konstant unter 15 Prozent.

Bild: Stefanie Sumfleth, Bereichsleiterin Corporate Responsibility and Technical Product bei Bonprix

Auch in der Distribution sind wir durch die Maßnahmen unseres Versandpartners Hermes Germany effizienter geworden. Hermes Germany arbeitet kontinuierlich daran, Klimaemissionen einzusparen. Ein aktuelles Beispiel sind sogenannte Cargo-Bikes. Mit ihnen lassen sich bonprix Bestellungen in den Innenstädten emissionsfrei zustellen. Die Lastenräder sind schon in Berlin, Leipzig und Hamburg im Einsatz; perspektivisch sollen Bestellungen in den 80 größten Städten Deutschlands auf diese Weise zugestellt werden.

Bis 2030 will Bonprix komplett nachhaltige Produkte anbieten. Nachhaltige Fasern machen bereits 50 Prozent der Gesamtmenge aus, auf welche Zertifizierungen setzen Sie derzeit?

Fast unsere komplette Baumwolle (99 Prozent) beziehen wir aus nachhaltigen Quellen. Bonprix nutzt verschiedene Zertifizierungen für nachhaltige Baumwolle. Unsere Bio-Baumwolle ist entweder nach Global Organic Textile Standard (GOTS) oder Organic Content Standard (OCS) zertifiziert. Außerdem sind wir größter Partner von Cotton made in Africa (CmiA). Die Initiative fördert Naturschutz genauso wie soziale Verantwortung für die Menschen, die auf den nachhaltigen Baumwollfeldern und in den Baumwollentkörnungsanlagen arbeiten.

Unsere recycelten Polyester- und Polyamid-Fasern sind entweder nach Global Recycled Standard (GRS) oder Recycled Claim Standard (RCS) zertifiziert. Für manche Fasern, die wir aktuell nutzen, gibt es leider noch keine nachhaltige Alternative am Markt, zum Beispiel für Elasthan. Hier hoffen und erwarten wir, dass in den kommenden Jahren alternative Fasern entwickelt werden.

Kreislauffähigkeit ist derzeit ein wichtiges Thema in der Modebranche, damit getragene Kleidung am Ende nicht entsorgt wird sondern wiederverwertet werden kann. Was hat Bonprix vor?

Aktuell entwickeln wir die ersten Modeartikel mit Cradle to Cradle Certified™ Zertifizierung, die ab Spätsommer im Webshop verfügbar sind. Langfristig möchten wir die Kreislauffähigkeit im Sortiment erhöhen, dafür entwickeln wir eigene Circular Design Principles, also verbindliche Standards für Produkte von Bonprix.

Im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie will Bonprix bis 2025 keine physischen Samples mehr verwenden. Wie weit kommen Sie bereits jetzt ohne physische Musterteile aus?

Wir stellen derzeit die Prozesse in der Produktentwicklung um und ersetzen sukzessive physische Muster durch digitale Modelle, zum Beispiel 3D-Modelle. Für erste Produktkategorien wie etwa Herrenhemden verzichten wir schon heute teilweise auf physische Samples. Die Umstellung ist sehr komplex, da wir Systeme und Prozesse von der Produktidee bis zur -freigabe für uns und unsere Partner verändern.

Bild: Nachhaltige Ziele der Otto-Tochter Bonprix

Bis 2025 wollen Sie Lieferkettentransparenz bei allen 50 strategischen Lieferanten erreichen, 2030 soll das bei allen 150 Zulieferern der Fall sein. Wie weit sind Sie bereits?

Aktuell arbeiten wir mit unseren strategischen Lieferanten daran, ihre Vorkette bis zur Garn- bzw. Stoffproduktion abzubilden. Fast alle unserer strategischen Lieferanten (95 Prozent) haben bereits begonnen, ihr Lieferantennetzwerk mit uns zu teilen. Sie decken rund 70 Prozent unseres Ordervolumens ab.

Dabei pflegen die Lieferanten ihre Daten im „Vendor Portal“ ein, einem von Otto International (OI) eigenen System zu Erfassung von Lieferantendaten, gebündelt. OI ist die konzerneigene Sourcing Agentur der Otto Group mit Büros in allen wichtigen Märkten. Unsere Lieferanten sind mit den OI-Systemen vertraut und wir können Synergien im Konzern nutzen.

Bonprix verwendet bereits das Metasiegel Grüner Knopf. Wie kennzeichnen Sie Ihre Produkte sonst noch gegenüber Endkunden?

Unsere Kund:innen erkennen alle nachhaltigen Produkte bei Bonprix am Label „Sustainable Product“. Um ihnen zusätzlich zu vermitteln, warum ein Artikel nachhaltig ist, nutzen wir weitere Logos, zum Beispiel für Bio-Baumwolle, Baumwolle aus der Cotton made in Africa Initiative (CmiA) und recycelte Materialien. Darüber hinaus kennzeichnet das CleanDye-Logo Produkte, die mit der Färbetechnik DyeCoo ohne Einsatz von Wasser und Prozesschemikalien gefärbt sind. Neben nachhaltigen Produkten können sich Kund:innen bei bonprix auch für tierfreundliche, vegane Taschen und Schuhe entscheiden, die am {PETA-Approved-Vegan}-Zertifikat zu erkennen sind.

Das Interview wurde schriftlich geführt.