Wolford trotz schwachem EU-Geschäft im Plus

Das österreichische Modeunternehmen Wolford konnte seine Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 um 3,2 Prozent auf 162,40 Millionen Euro steigern. Das Plus sei sowohl auf positive Währungseffekte auf ausländischen Märkten als auch auf satte Zugewinne auf dem Online-Markt zurückzuführen, heißt es.

Ohne den positiven Währungseffekt hätten die Umsätze weitgehend auf Vorjahresniveau gelegen. Nach vergleichsweise guter Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr blieb das Weihnachtsgeschäft jedoch hinter den Erwartungen zurück. Auch in den Folgemonaten waren die Umsätze rückläufig so dass der Umsatz im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch um sieben Prozent einbrach.

Besonders positiv entwickelte sich im Gesamtjahr hingegen das Online-Geschäft, das ein sattes Plus von 52 Prozent erwirtschaften konnte. Die Wolford-eigenen Standorte (eigene Boutiquen, Concession-Shop-in-Shops und Factory-Outlets) konnten den Umsatz insgesamt um zwei Prozent erhöhen, auf flächenbereinigter Basis (ohne Effekte aus Eröffnung oder Schließung von Standorten) betrug das Umsatzplus ebenfalls zwei Prozent. Dagegen verzeichnete das Wholesale-Geschäft (partnergeführte Boutiquen, Kauf- und Warenhäuser sowie Fachhandel) einen Rückgang in gleicher Höhe.

Gewinnseitig blieb das Ergebnis aufgrund diverser Einmalzahlungen und Sondereffekten leicht unter den Vorgaben aus dem Vorjahr. Unterm Strich muss das Unternehmen sogar ein Minus von rund sechs Millionen Euro hinnehmen.

Deutschland bleibt Sorgenkind

Die regionale Umsatzentwicklung zeigte im Abrechnungszeitraum ein sehr durchwachsenes Bild. So konnte Wolford bedingt durch positive Währungseffekte in einigen Kernmärkten deutliche Zuwächse erzielen. Dazu zählen beispielsweise die USA mit einem Plus von zwölf Prozent sowie die Schweiz mit plus zehn Großbritannien mit plus acht Prozent. Auf dem österreichischen Heimatmarkt gingen die Umsätze hingegen um zwei Prozent zurück, in Deutschland sogar um vier Prozent. Geschuldet sei diese Entwicklung der lang anhaltenden Hitzewelle im Spätsommer 2015 sowie des enttäuschenden Weihnachtsgeschäftes, so die Firmenleitung. Auch in Frankreich lag die Umsatzentwicklung mit einem Minus von drei Prozent nicht im Plan, was laut Wolford vor allem auf Folgen der Terroranschläge vom November 2015 zurückzuführen ist. Und auch in Zentral- und Osteuropa waren die Umsätze rückläufig und lagen vier Prozent unterhalb der Vorgaben aus dem Vorjahr. Schuld daran sei vor allem die schwierige Lage am russischen Markt, heißt es.

Die Märkte Spanien und Italien erwirtschafteten hingegen mit plus zwölf und plus acht Prozent ein ordentliches Umsatzwachstum. Auch in den Niederlanden, Skandinavien und Belgien konnten Umsatzzuwächse erzielt werden, wenn auch nur im niedrigen und mittleren, einstelligen Bereich. In Asien konnte Wolford den Umsatz hingegen um satte 16 Prozent steigern, vor allem bedingt durch ein erfolgreiches Wholesale-Geschäft.

Zufrieden geben kann und will sich das Firmenmanagement mit der aktuellen Entwicklung nicht. Man habe sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig profitabel zu wachsen und bis zum Geschäftsjahr 2019/20 eine EBIT-Marge von zehn Prozent zu erwirtschaften, so die Firmenleitung. Um diese Ziele zu erreichen, sollen die bereits 2014 eingeleiteten Maßnahmen zur Umsatzsteigerung (Revitalisierung der Marke, Erneuerung des Produktportfolios, Neuausrichtung der Marktkommunikation und Stärkung der Multi-Channel- Distribution) konsequent weiterverfolgt werden. Dabei habe man bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr wichtige Meilensteine erreicht. Es sei ein neues Shop-Konzept entwickelt worden, das nun sukzessive vor Ort erlebbar gemacht werde. Erstmals zu sehen sein soll es ab September 2016 an den Schlüsselstandorten Berlin, Los Angeles und Shanghai.

Darüber hinaus hat das Management im abgelaufenen Geschäftsjahr die gesamte Organisationsstruktur des Unternehmens auf den Prüfstand gestellt und umfassende Maßnahmen zur Reduktion der Gesamtkosten definiert, die in den kommenden beiden Geschäftsjahren umgesetzt werden sollen, allen voran in 2016/17. In der Folge sollen im laufenden Geschäftsjahr die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Optimierung von Produktion, Logistik und Lieferketten konsequent weiterverfolgt und die Profitabilität der eigenen Verkaufsflächen systematisch gesteigert werden. Zudem stellt das Unternehmen derzeit auch seine Vertriebs- und Marketing-Organisation in Europa neu auf.

Allerdings: Der Start ins neue Geschäftsjahr 2016/17 war verhalten, in den Monaten Mai und Juni entwickelten sich die Umsätze – wie im gesamten europäischen Modeeinzelhandel – eher schwach. Dennoch rechnet Wolford für das Gesamtjahr mit einem leichten Umsatzwachstum. „Trotz absehbarer Aufwendungen von rund 1,1 Millionen Euro im Zuge der Implementierung neuer Strukturen dürfte das operative Ergebnis ebenfalls leicht steigen“, so das Unternehmen. Mit weiteren Effekten aus der Auflösung latenter Steuern auf Verlustvorträge sei ebenfalls nicht zu rechnen, so dass man damit rechne, dass auch das Ergebnis nach Steuern positiv ausfalle.

Foto: Wolford

 

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