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Wormland-Insolvenz zeigt grundlegende Herausforderungen für Herrenausstatter

Der traditionsreiche Herrenausstatter Wormland hat Anfang November 2025 erneut Insolvenz angemeldet, nachdem er erst im Sommer 2024 ein vorangegangenes Verfahren abgeschlossen hatte. Diesmal ist die Lage allem Anschein nach aber ausweglos: Denn wie Ende Januar bekannt wurde, soll das Unternehmen komplett abgewickelt werden.

Die Hauptgründe für den erneuten und nun offenbar endgültigen Rückschlag sind vielschichtig: Die Nachfrage nach Herrenmode blieb aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage schwach. Neben der Kaufzurückhaltung belasteten auch hohe Fixkosten und gestiegene Betriebskosten das Unternehmen und setzten es unter Druck. Hinzu kommen gescheiterte Sanierungseffekte: Denn trotz der Übernahme durch das Modehaus Lengermann & Trieschmann (L&T) im Herbst 2024 konnte bei Wormland keine nachhaltige Stabilisierung erreicht werden.

Autor
Mike Schwanke ist Partner und Leiter der Solution Group Konsumgüter und Handel bei der Managementberatung Atreus in München. Sein Fokus liegt auf Projekten und Programmen in den Bereichen Digitalisierung von Marketing und Vertrieb. Restrukturierung & Turnaround Management sowie die interimistischen Besetzung von Topmanagement-Positionen sind weitere Schwerpunkte seiner Tätitgkeit.

Externer Margendruck und interne Sanierungsfehler

Die vertiefte Analyse der Pleite zeigt eine Kombination aus externem Marktdruck und internen Sanierungsfehlern: Ein Hauptfaktor waren sicherlich die immens hohen Mieten in Top-Lagen. Beispielsweise scheiterte die Filiale am Münchner Marienplatz laut Presseberichten an einer monatlichen Miete im Millionenbereich, die durch die schrumpfenden Umsätze nicht mehr tragbar war. Hinzu kam sicherlich auch, dass wenige Marken im Portfolio ein Alleinstellungsmerkmal hatten und ebenso im Onlinehandel – wie zum Beispiel bei Zalando – zu kaufen sind.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor waren auch die strukturellen Defizite nach der ersten Insolvenz. Etwa die unzureichende Portfolio-Anpassung: Zwar wurden in der ersten Sanierung Filialen in Nürnberg, Frankfurt und Bremen geschlossen, die verbliebenen Standorte behielten jedoch ihre hohen Fixkostenstrukturen bei. Die Strategie, unter neuem Dach (L&T) Synergien zu nutzen, griff nicht schnell genug, um die anhaltende Kaufzurückhaltung der Kunden im stationären Handel auszugleichen. Das fehlende Umsatzwachstum konnte nicht ausgeglichen werden. Und die erneute Zahlungsunfähigkeit so kurz nach der ersten Sanierung führte zu Verunsicherung und Vertrauensverlust bei den Warenlieferanten, was den Warenfluss und die Kreditlinien weiter einschränkte.

Vielschichtige und hausgemachte Ursachen

Unter dem Strich konnten für die verbliebenen Filialen keine Investor:innen gefunden werden, was nun leider das Aus für die Marke Wormland bedeutet. Unlängst teilte der Insolvenzverwalter schließlich mit, dass der Herrenmode-Spezialist aus Hannover nach der zweiten Insolvenz keine Zukunft mehr habe. Das Amtsgericht Osnabrück hat das Insolvenzverfahren eröffnet. Zwar sollen zuletzt noch drei Bieter im Rennen gewesen sein – aber klar scheint mittlerweile, dass es für die Mitarbeitenden nach der zweiten Insolvenz wohl kein glückliches Ende mehr geben wird.

Die beiden Filialen in Oberhausen und Hannover sind zwar noch geöffnet, um den Abverkauf der noch existierenden Warenbestände umsetzen zu können. Aber allen rund 250 Mitarbeiter:innen sowie den Vermietenden der Ladenflächen soll gekündigt werden. Die nahende Schließung von Wormland ist ein trauriges Ende eines renommierten Herrenausstatters, dessen Ursachen ebenso vielschichtig wie teils auch hausgemacht sind.

Auch wenn der Insolvenzverwalter der Presse zufolge noch ein kleines Hintertürchen offengelassen hat (falls bestehende oder hinzukommende Interessenten sich doch noch mit den Vermietern der Wormland-Filialen einigen, könnten wohl weiterhin Gespräche zur Übernahme der Standorte geführt werden), ändert das nichts an den grundlegenden Problemen bei Wormland.

Mike Schwanke, Partner und Leiter der Solution Group Konsumgüter und Handel bei der Managementberatung Atreus in München. Credits: Atreus

Zu lange an klassischer Einzelhandelslogik festgehalten

Der komplexe Fall richtet den Fokus auf die Tatsache, dass beim Herrenausstatter strategische Fehlentscheidungen und schwierige Marktstrukturen zu anhaltendem Krisenstress geführt haben, indem man versucht hat, Zielgruppen zu bedienen, die sich stark verändert haben – ohne das eigene Geschäftsmodell entsprechend nachhaltig anzupassen.

Das Unternehmen hat zu lange an einer klassischen Einzelhandelslogik festgehalten, während der Onlinehandel rasant wuchs. Es wurde keine klare Omnichannel-Strategie umgesetzt. Das hatte Folgen: Kundschaft, die nahtlos online einkaufen wollte, blieb fern, während stationäre Läden leerliefen und die Kostenstruktur zugleich unverändert hoch blieb.

Ein weiterer typischer Fehler war, zu starke Abhängigkeit von bestimmten Marken oder Lieferanten zu riskieren. Wenn der Einkauf teuer ist, die Verhandlungsposition schwach wird und sich Lieferzeiten oder Margen ungünstig auswirken, belastet das die Liquidität massiv.

Marktstrukturen spielen ebenfalls eine Rolle. In Zeiten sinkender Nachfrage für formelle Herrenmode oder bei zunehmendem Konkurrenzdruck durch Fast-Fashion-Anbieter kann es sein, dass sich etwas wie Preis- und Sortimentsflexibilität nicht schnell genug anpassen lässt. Ohne eine klare Sortiments- oder Preisstrategie, die auf veränderte Konsumpräferenzen reagiert, schrumpft die Bruttomarge und die Liquidität wird enger. Wenn zudem Rabatte oder Rücknahmepflichten zu großzügig gestaltet wurden, schmälert das die Gewinnmarge und erschwert Investitionen in Wachstum.

Klare Omnichannel-Strategie wäre notwendig gewesen

Was das Wachstum betrifft, führt ein unklarer oder zu langweiliger Marken- und Positionierungsauftritt oft dazu, dass neue Kundschaft schwer gewonnen wird. Ebenso führt eine zu starke Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder, während sich Markttrends rasch weiterentwickeln, dazu, dass Potenziale verpasst werden. Eine geringe Diversifikation im Vertriebskanal oder im Produktportfolio erhöht das Risiko – denn bei unvorhergesehenen Störungen im Markt leidet die Liquidität schneller, wenn Einnahmen zurückgehen und Kosten unverändert bleiben.

In der Folge schwächt sich die finanzielle Stabilität ab: Rückstände häufen sich, Kredite werden schwerer bedient, und Investitionen in Modernisierung oder Personalqualität geraten ins Stocken. Wachstum verlangsamt sich, da Budgets für Marketing, Logistik und Technologie gestrichen oder reduziert werden müssen, um die laufenden Kosten zu decken.

Um aus der Krise zu kommen, wäre es für Wormland entscheidend gewesen, eine klare Omnichannel-Strategie zu entwickeln, das Sortiment flexibel an Marktbedürfnisse anzupassen, Lieferantenbeziehungen zu stabilisieren, Prozesse durch digitale Lösungen effizienter zu gestalten und die Kostenstruktur nachhaltig zu optimieren. So hätte sich die Liquidität stabilisieren können, während gleichzeitig wieder Spielräume für Wachstum hätten entstehen können.

Generell lässt sich festhalten, dass die erneute Wormland-Insolvenz auf eine Kombination aus fehlerhaften Management-Entscheidungen, zu hohen finanziellen Belastungen, unvorteilhaften externen Marktentwicklungen und einem Versagen bei der Anpassung des Geschäftsmodells zurückführen ist.

Mehrere Lehren für deutschen Herrenausstatter-Kosmos

Aus der Wormland-Insolvenz lassen sich daher exemplarisch mehrere Lehren ziehen, die helfen, eine nachhaltige Stabilität im deutschen Herrenausstatter-Kosmos zu erreichen: Zunächst einmal zeigt sich, wie wichtig es ist, frühzeitig eine klare Omnichannel-Strategie zu verfolgen – denn wer das Online-Business verkennt, verliert potenzielle Kundschaft, die nahtlos online bestellen möchten und gleichzeitig die stationären Läden als Showroom nutzen. Außerdem müssen Einkauf und Lieferantenbeziehungen stabil sein, denn hohe Abhängigkeiten von einzelnen Marken oder Lieferanten können schon bei leichten Verwerfungen die gesamte Liquidität belasten und zu unvorhergesehenen Kosten führen. Eine solide Verhandlungsposition mit Lieferanten sowie ausgewogene Margen und flexible Konditionen helfen, Engpässe abzufedern und die Rentabilität zu sichern.

Des Weiteren erfordert der Markt einen scharfen Blick auf Trends und eine klare Sortimentsstrategie – denn ohne klare Identität und passende Angebote verlieren Kunden Orientierung und wechseln zu Mitbewerbern, die schneller auf Trends reagieren. Zumal Herrenmode derzeit unter noch größerem wirtschaftlichem Druck steht als die Segmente Damen- und Kindermode.

Stabilität kann nur aus ganzheitlicher Strategie entstehen

Klar ist: Investition in digitale Prozesse zahlt sich aus, weil Automatisierung effizientere Bestandssteuerung, bessere Lieferketten, Transparenz und niedrigere Betriebskosten ermöglicht. Zudem muss die Kostenstruktur im Gleichgewicht bleiben – denn starre Fixkosten belasten die Bilanz, wenn Umsatzrückgänge passieren und wirken sich direkt auf die Liquidität aus.

Hinzu kommt, dass eine robuste Kapitalbasis unerlässlich ist. Sie verschafft Spielraum für notwendige Modernisierungen, Marketingausgaben und Personalentwicklung auch in Krisenzeiten. Unternehmen sollten daher proaktiv Szenarien planen, Stresstests vornehmen und einen Plan B definieren. Nur so bleiben sie flexibel, wenn Nachfrage oder Lieferketten ins Wanken geraten.

Insgesamt zeigt die Wormland-Insolvenz, dass Stabilität nur aus einer ganzheitlichen Strategie entstehen kann, die eine klare Markenpositionierung, eine resiliente Lieferkette sowie eine schlagkräftige digitale Infrastruktur, eine verantwortungsbewusste Kostenführung und eine kapitalkräftige flexible Finanzplanung vereint.

Wer diese Bausteine beherzigt, verbessert seine Position am Markt und schafft die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum im stark umkämpften und teils in schwieriges Fahrwasser geratenen Herrenausstatter-Segment. Wer es nicht tut, gerät schnell in Probleme und Schieflage. Wormland ist ein warnendes Beispiel dafür.


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