Zwischen Konsumflaute und Kapitalmarkt-Optimismus – was die Woche bewegte

Die vergangene Woche war geprägt von durchwachsenen Quartalszahlen und einer Reihe von Personalwechseln in der Modebranche. Bei Hugo Boss brach der Quartalsumsatz um zehn Prozent ein, während Zalando trotz hoher Restrukturierungskosten weiter wuchs. Auf der Laufstegebene kündigte Jonathan Anderson seine kommende Dior-Kollektion in Dublin an, und das Metropolitan Museum präsentiert im kommenden Frühjahr eine große Ausstellung zu John Galliano. Zudem meldete die Modekette Adenauer & Co Insolvenz an, nachdem der Gründer von Betrug an einem Auslandsstandort sprach.

Business

Die Gespräche von LVMH mit Finanzanalyst:innen zu den Halbjahresergebnissen bestätigten die Wachstumstreiber des Konzerns: Dior kehrte dank starker Lederwaren in die Gewinnzone zurück, während Louis Vuitton von neuen Erlebnis-Boutiquen in Asien profitierte. Auch Tiffany & Co., Bulgari und Sephora trugen mit renovierten Geschäften und neuen Kollektionen zum Wachstum bei. Der italienische Konzern Salvatore Ferragamo kehrte im zweiten Quartal ebenfalls auf einen Wachstumskurs zurück und erzielte einen Umsatz von 259 Millionen Euro, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schwieriger gestaltete sich die Lage bei Under Armour: Das US-amerikanische Sportswear-Unternehmen verzeichnete im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Nettoumsatzrückgang von drei Prozent auf 1,10 Milliarden US-Dollar und senkte seinen Jahresausblick. Deutlich positiver entwickelte sich hingegen der brasilianische Schuhhersteller Alpargatas, Mutterkonzern von Havaianas: Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal um 11,3 Prozent auf 1,23 Milliarden Brasilianische Real, getragen von einer starken Erholung in Europa und einer Marketingkampagne rund um die Fußballweltmeisterschaft.

Bei den amerikanischen Modekonzernen zeigte sich ein gemischtes Bild. Ralph Lauren hob nach einem Umsatzplus von 14 Prozent im ersten Quartal, getrieben von zweistelligem Wachstum in Asien und Nordamerika, seine Jahresprognose an. Bei Capri Holdings, der Muttergesellschaft von Michael Kors und Jimmy Choo, sank der Umsatz hingegen um 3,5 Prozent, auch wenn der Gewinn zulegte und Jimmy Choo ein deutliches Plus verzeichnete. Der Konzern senkte daraufhin seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr.

In Deutschland stand vor allem Hugo Boss im Blick: Der Metzinger Modekonzern musste im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von zehn Prozent auf 905 Millionen Euro hinnehmen, belastet durch ein schwaches Geschäft in der Region Europa, Naher Osten und Afrika. Der Berliner Online-Modehändler Zalando blieb dagegen auf Wachstumskurs, auch wenn hohe Restrukturierungskosten für die Schließung des Logistikzentrums in Erfurt den ausgewiesenen Gewinn belasteten.

Für Aufsehen in der Investorenwelt sorgte der Börsengang von Reformation an der New Yorker Börse, bei dem rund 211 Millionen US-Dollar eingenommen wurden. Der Schritt gilt als Signal dafür, dass Investor:innen bereit sind, Mode- und Konsumgüterunternehmen mit nachhaltigem Wachstum und einem glaubwürdigen Weg zur Rentabilität neu zu bewerten. Auf der Finanzierungsseite sammelte die Hamburger Otto Group über drei neue Schuldscheindarlehen insgesamt 325 Millionen Euro ein und übertraf damit das ursprünglich angestrebte Volumen deutlich.

Auf der Übernahmeseite wechselte der nachhaltige Bekleidungsanbieter Hessnatur von der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis zur britischen Wourth Group, die künftig gezielte Investitionen in Digitalisierung und Markenentwicklung plant. Deutlich schwieriger verlief die Woche für die Modekette Adenauer & Co: Das vom Enkel des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer gegründete Unternehmen meldete Insolvenz an, nachdem Gründer Andreas Adenauer von veruntreuten Geldern an einem türkischen Standort sprach.

Mode

Die Copenhagen Fashion Week feierte in dieser Saison ihr 20-jähriges Jubiläum und lieferte gleichzeitig die Streetstyle-Trends für Frühjahr/Sommer 2027: Rosa in allen Schattierungen, auffällige Broschen, durchbrochene Broderie Anglaise, Pillbox-Hüte mit Kopftuch sowie Türkis prägten das Straßenbild. Auch bei Taschen zeigte sich viel Persönlichkeit, von Bast-Modellen in Tierform bis zu perlenbesetzten Varianten.

Auch bei den Herren spielten Taschen der Saison SS27 eine zentrale Rolle. Bei Dior Homme, Dolce & Gabbana und Ralph Lauren dominierten übergroße Sommertotes aus Bast, Canvas und Leder, während Giorgio Armani, Mihara Yasuhiro und Taakk auf weiche, kissenartige Silhouetten setzten. Kordelzugverschlüsse feierten bei Setchu, Louis Vuitton und Ami ein Comeback, während Aktentaschen bei Hed Mayner, Thom Browne und Junya Watanabe eine zeitgemäße, schlanke Neuinterpretation erfuhren.

Ein ganz eigenes unternehmerisches Kapitel schreibt das junge Amsterdamer Label Vander Amsterdam: Die Zwillingsschwestern Ashley und Kayra van der Linden entwickelten binnen weniger Monate eine Kollektion hochwertiger Damenblusen mit klassischen Details aus der Herrenmode, darunter feste Kragen und eine Doppelmanschette mit Manschettenknopf. Innerhalb eines halben Jahres wuchs die junge Marke auf 32 Verkaufsstellen.

Eine ganz andere unternehmerische Bilanz zog Designer Marcel Ostertag anlässlich seines 20-jährigen Bühnenjubiläums: Nach fast einem Jahrzehnt auf der Berlin Fashion Week zeigt er dort künftig keine Runway-Show mehr und blickt stattdessen im Oktober erstmals nach Paris. Im Gespräch betonte er, wie wichtig Geschäftssinn neben Kreativität für junge Labels sei, und verwies auf seine langjährige, kommerziell erfolgreiche Kooperation mit dem Teleshopping-Sender HSE.

Auf dem Laufsteg wird es im Dezember ebenfalls ein Heimspiel geben: Jonathan Anderson präsentiert seine Fall-2027-Kollektion für Dior im Trinity College Dublin, wo einst auch sein erster Job in der Modebranche begann. Die Wahl des Veranstaltungsorts verweist auf Andersons irische Wurzeln sowie auf sein Interesse an Handwerk und Literatur, das er bereits in seiner Debütkollektion für das Haus zum Ausdruck brachte.

Auch Zahlen und Rankings prägten die Woche: Laut dem aktuellen Lyst Index für das zweite Quartal 2026 bleibt Chanel die gefragteste Modemarke, während Massimo Dutti mit einem Nachfrageanstieg von 43 Prozent den größten Sprung ins Ranking schaffte. Auch Sportbezug prägte das Quartal: Die Kappe der New York Knicks war das meistgesuchte Einzelprodukt, angetrieben vom Sieg des Teams in der NBA.

Auf der Produktseite expandierte die dänische Outerwear-Marke Rains nach jahrelanger Entwicklung erstmals in den Schuhbereich und brachte mit „The Dry Boot" und „Mirage" ihre erste eigene Schuhkategorie auf den Markt. Auch die deutsche Premium-Marke Rossi erweiterte ihr Markenuniversum: Mit dem unisex Molekularduft „The New Now" bringt das zur Schera GmbH gehörende Label seinen ersten eigenen Signature-Duft auf den Markt.

Zwischen Popkultur und wohltätigem Zweck bewegt sich eine Auktion von Christie's: Bekleidung und Accessoires aus dem Film „Der Teufel trägt Prada 2", darunter Stücke von Dries Van Noten, Gabriela Hearst und Dolce & Gabbana, werden im September zugunsten des Committee to Protect Journalists und des Council of Fashion Designers of America versteigert.

Personen

Bei der S.Oliver Group gibt es eine weitere Rückkehr: Patrick Rauh, der bereits früher für das Rottendorfer Unternehmen sowie für die Konzernmarke Liebeskind Berlin tätig war, übernahm im Juli den Posten des Finanzchefs. Bei Birkenstock hingegen verließ Alexandre Arnault, Sohn des LVMH-Vorstandsvorsitzenden Bernard Arnault, aus beruflichen Gründen den Verwaltungsrat; er hatte im Juli bereits sein Mandat bei Moncler niedergelegt.

Der Outdoor-Ausrüster Vaude hat seine Marketingleitung neu besetzt: Julian Uhlhaas übernahm zum ersten August die Nachfolge von Manfred Meindl, der die Marke 15 Jahre lang geprägt hatte. Bei Camel Active übernahm Melanie Vogt, zuvor Head of E-Commerce beim Textilhändler Bonita, zum ersten Juli die Position der Director E-Commerce.

Für Beckham-Fans dürfte die Personalie bei Boss besonders interessant sein: Daniel Kearns, zuletzt Chief Creative Officer bei Kent & Curwen und Cerruti 1881, wird künftig als Designchef die „Boss by Beckham"-Kollektionen von David Beckham verantworten. Seine erste Kollektion zeigt er für die Saison Herbst/Winter 2027.

Nach der Insolvenz von Eterna hat der Hemdenspezialist Desoto gleich zwei frühere Führungskräfte der Passauer Marke geholt: Stephanie Volz übernimmt den Posten der Head of Product Management & Buying Operations, Holger Kienitz wird Head of Corporate Fashion. Beim Hemdenhersteller Olymp übernimmt Stefan Klieber die Leitung des Bereichs Corporate Fashion und Private Label und tritt damit die Nachfolge von Andreas Telahr an, der nach fast 31 Jahren Betriebszugehörigkeit Ende 2026 seine Laufbahn beendet.

Einzelhandel

Der spanische Modekonzern Inditex baut seine Präsenz in Asien weiter aus: Mit dem neuen Flagship-Store in Seoul eröffnete Massimo Dutti zugleich den ersten High-Street-Store der Marke in Südkorea. Der Store setzt mit Kollaborationen lokaler Künstler:innen und traditioneller koreanischer Handwerkskunst auf eine engere Bindung an die koreanische Kundschaft.

Hierzulande trübte sich die Konsumstimmung dagegen wieder ein. Der Handelsverband Deutschland machte dafür vor allem die erneut zunehmenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA verantwortlich, die sich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sowie die Verbraucherstimmung auswirkten.

Kultur

Mit der für das kommende Frühjahr angekündigten Ausstellung „John Galliano: Horizons" ehrt das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art John Galliano als erst dritten lebenden Designer nach Yves Saint Laurent und Rei Kawakubo. Die in drei „Bewegungen" gegliederte Schau will laut den Verantwortlichen auch Gallianos antisemitische Entgleisung von 2011 und deren Folgen einordnen, ohne sie auszublenden. Kritiker:innen sehen darin dennoch vor allem das vertraute Narrativ vom gefallenen Genie, das den Weg zurück zur gefeierten Ikone findet.


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