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BTE-Webinar: Wie der Modehandel die Innenstädte attraktiver machen kann

Von Lara Grobosch

25. Mai 2021

Einzelhandel

Titelbild: Birgit Böllinger / Pixabay

Nicht erst seit Corona ist die Zukunft der Innenstädte ein Diskussionsthema. Doch besonders durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns haben deutsche Innenstädte und damit auch die dort ansässigen stationären Einzelhändler gelitten. Ein Webinar des Modehandelsverbands BTE und dem Institut für Handelsforschung (IFH) Köln zeigte auf, dass deutsche Innenstädte erlebnisreicher werden müssen, um für Besucher attraktiv zu sein und diskutierte, wie der Modehandel sich als zentraler Treiber dafür einsetzen kann.

Corona wirkte sich massiv auf die Passantenzahlen in den Einkaufsstraßen aus. Laut einer Studie des auf die Messung von Besucherfrequenzen spezialisierten Unternehmens Hystreet und Berechnungen des IFH, nahm die Passantenfrequenz in den Innenstädten im vergangenen Pandemie-Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um ein Drittel ab.

Besonders für den Modehandel kann das zum Problem werden. Mehr als jedes zweite Geschäft in den deutschen Innenstädten ist laut Daten des BTE ein Textil-, Schuh- oder Lederwarengeschäft. In den größeren Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern beträgt der Anteil der Modegeschäfte 69 Prozent. „Jahrelang haben Kommunalpolitiker und ebenso auch teilweise die Einzelhändler selber geglaubt, die Innenstädte sind ein Selbstläufer und die Verbraucher kommen von alleine. Wir und ich glauben, dass diese Haltung ein Trugschluss ist und ich glaube, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie uns da entsprechend die Augen geöffnet haben”, sagte BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels während des Webinars „Die Zukunft unserer Innenstädte aus Sicht des Modeeinzelhandels”.

Unterschiede zwischen den Generationen

Das Hauptmotiv die Innenstädte zu besuchen ist der bundesweiten IFH-Studie „Vitale Innenstädte 2020” zufolge mit großem Abstand nach wie vor der Einzelhandel. 61 Prozent der befragten Passanten gaben Einkaufen oder einen Einkaufsbummel als Grund für ihren Besuch an. Top-Treiber für die Bewertung des Einzelhandels vor Ort sind die Branchenkategorien Bekleidung und Schuhe und Lederwaren – genau die Kategorien, die auch zur Leitbranche des Online-Handels zählen. Immer mehr stationäre Einkäufe wurden während der Pandemie in den E-Commerce verlagert: Während im März letzten Jahres noch 13 Prozent der Befragten angaben, Einkäufe, die sie normalerweise im Geschäft erledigt hätten, online getätigt zu haben, waren es in diesem März bereits 43 Prozent, wie eine Studie des IFH zeigt.

Obwohl das Innenstadt-Shopping altersübergreifend zum Besuchsmotiv Nr. 1 zählt, zeigt die IFH-Studie große Unterschiede zwischen den Generationen. Das Shoppingmotiv ist bei der jüngeren Generation unterdurchschnittlich stark ausgeprägt. Bei den unter 25-Jährigen sehen nur 69 Prozent der befragten Passanten die Innenstadt als Ort zum Bummeln und Shoppen, bei den 26-50-Jährigen und bei den über 50-Jährigen sind es 77 bzw. 78 Prozent.

Wie können Innenstädte attraktiver werden?

Ohne attraktiven Handel gibt es keine attraktiven Innenstädte, doch gerade um die jüngere Zielgruppe wieder für die Innenstädte zu begeistern, müssen neue Anreize und Angebotsstrukturen geschaffen werden, so der IFH. Die Innenstädte werden vor allem als Orte für Freizeit, Interaktion und Einkaufsbummel gesehen. Der Erlebniswert spielt bei der Bewertung der Attraktivität der Innenstädte eine zentrale Rolle, lässt aber bislang stark zu wünschen übrig, zeigt eine IFH-Studie. Anknüpfungspunkte für die Revitalisierung der Innenstädte seien die Steigerung des Erlebniswertes, die Verzahnung von Besuchsanlässen, das Mitwirken des Modehandels und ein neues Verständnis von Kooperationen auch mit nicht-kommerziellen Akteuren. „Was können wir tun, um die Besuche der Menschen in den Innenstädten einfacher, schöner und erlebnisreicher zu machen? Das ist der Ansatzpunkt, an den wir heran müssen”, sagte Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln, beim Webinar. Dies gelte bei jedem Händler sowohl hinter als auch vor der Ladentür, wenn es darum gehe, gemeinschaftlich in Projekten mitzuwirken, Ideen für ein Quartier oder eine Einkaufsstraße zu befeuern oder Treiber einer städtischen Initiative zu werden. „Ich glaube, da ist jeder gefordert und es geht auch darum, eine gewisse Verantwortung zu übernehmen und auch eine Fahnenführerschaft einzunehmen, wenn man davon ausgeht, dass diese Branche für die Innenstadt so relevant ist”, so Hedde weiter.

BTE will sich für die Stärkung der Innenstädte einsetzen

Auch der BTE Handelsverband Textil sieht Handlungsbedarf und möchte sich zukünftig mehr für die Stärkung der Innenstädte einsetzen. Neben Forderungen an die Kommunalpolitik, attraktive Standort- und Rahmenbedingungen für die Verbraucher in den Innenstädten zu gewährleisten und die Regelungen zu Sonntagsöffnungen zu vereinfachen und gegebenenfalls auszuweiten, äußerte der BTE auch notwendige Anpassungen auf Seiten der Textilhändler. „Natürlich muss sich auch der innerstädtische Einzelhandel und auch der Modehandel an die eigene Nase fassen und seine latente Trägheit zur Veränderung überwinden”, sagte Rolf Pangels vom BTE. Neben der Bereitstellung eines adäquaten Warenangebotes müsse der Modehandel auch seine auf die Kunden zugeschnittenen Services und Dienstleistungen weiterhin verbessern.

„Die innerstädtischen Händler müssen etwas bieten, was für die Konsumenten einen wirklichen Mehrwert hat. Stationäre Geschäfte müssen sich in Orte des Erlebens und Treffens verwandeln, an denen die Besucher individuell angesprochen werden. Das Einkaufen in den Innenstädten muss auch wieder verstärkt in den Fokus gemeinsamer Besorgungen und Freizeitaktivitäten gestellt werden. Dies gilt insbesondere für Familien mit Kindern sowie für Tourismusgruppen”, teilte der BTE in einem Handout zum Webinar mit.

Der innerstädtische Einzelhandel müsse sich ein Stück weit mehr als Einheit betrachten und sich stärker bei Stadt- und Citymarketing-Projekten engagieren. „Hier gibt es unseren Kenntnissen nach auch für den Modeeinzelhandel sicher noch viel Luft nach oben”, sagte Pangels.