Einzelhandel in Russland: Moskaus wichtigste Fashion Stores

Moskau - Trotz aufeinanderfolgender wirtschaftlicher und diplomatischer Krisen gibt es in Moskau keinen Mangel an Mode - von purem Luxus bis hin zu Streetwear und allem dazwischen. FashionUnited hebt die sechs wichtigsten Multibrandstores der russischen Hauptstadt hervor.

TSUM: der Riese

TSUM, das sich im Besitz der Mercury Group befindet (eine Gruppe, die über hundert Premium- und Luxusboutiquen in Russland verwaltet), ist mit 70.000 Quadratmetern und über 1.500, größtenteils Prestigemarken, das größte Kaufhaus Osteuropas. Das Geschäft liegt sehr zentral, in der Nähe des Bolschoi-Theaters und direkt neben dem Roten Platz und dem Kreml. Der Erfolg von TSUM ist zu einem großen Teil auf die Modedirektorin Alla Verber zurückzuführen, die Anfang des Jahres verstarb. Verber, die als die mächtigste Frau in der russischen Mode galt, hat in ihrer 40-jährigen Karriere Marken wie Chanel, Prada und Gucci in Russland eingeführt. Seit 2005 verfolgt TSUM eine strategische Preispolitik: Luxusprodukte werden zu den gleichen Preisen wie in Paris oder Mailand angeboten und sind in einigen Fällen sogar noch günstiger. Dies führt trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zu einem Umsatzwachstum. Darüber hinaus stehen, wie im übrigen Europa, auch hier die chinesischen Touristen im Mittelpunkt. Buro Tsum, ein elegantes Restaurant im fünften Stock, ist ein beliebter Ort für Geschäftsessen.

GUM: Historisches Dekor

Verwechseln Sie Tsum nicht mit GUM, der riesigen Einkaufspassage aus dem 19. Jahrhundert direkt neben dem Roten Platz, die unter dem kommunistischen Regime ein staatseigenes Kaufhaus blieb (mit Ausnahme der Zeit zwischen 1928 und 1953, als Stalin die Gebäude als Büroflächen nutzte). GUM war eines der wenigen Geschäfte in der Sowjetunion, dessen Regale nie leer waren und die daher immer viele Menschen anzogen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war GUM eines der ersten traditionellen sowjetischen Kaufhäuser, das privatisiert und dann in das westliche Modell umgewandelt wurde. Marken wie Hermès und Louis Vuitton haben dort ihr russisches Flaggschiff und Burberry hat dort erst letzten Monat eine weitere neue Boutique eröffnet.

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Aizel: online und offline

Aizel.ru ist die wichtigste E-Commerce-Seite in Russland, die sich auf Luxusmode spezialisiert hat. Aizel Trudel, geboren in der ehemaligen Sowjetrepublik, im heutigen Aserbaidschan, gründete 2002 im Alter von 25 Jahren nach einer kurzen Karriere im PR-Bereich ihre eigene Boutique. Aizel war einer der ersten Concept Stores in Moskau mit Labels wie Marc Jacobs und Oscar de la Renta. Sie ging 2011 online, mit einer finanziellen Investition von fast 30 Millionen Dollar von Bonum Capital. Die Website verkauft nun rund 700 Marken, darunter auch viele russische Namen. Aizel.ru liefert in Russland und in die ehemaligen Sowjetrepubliken und ist der größte Online-Luxushändler auf diesem Gebiet. Einer der Gründe für ihren Erfolg: Ausländische E-Commerce-Seiten wie Net-à-porter liefern nicht nach Russland. Das Flaggschiff in Moskau mit seiner minimalistischen Ausstattung ist ein Schaufenster zur Welt, ein Aushängeschild für Moskau und auch einfach ein schöner Konzeptstore auf fünf Stockwerken.

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KM20: luxuriöse Straßenkleidung

Kuznetsky Most 20, alias KM20, wurde 2009 von dem Streetstyle-Star Olga Karput im Zentrum Moskaus gegründet und kann am besten als das russische Äquivalent zum Dover Street Market bezeichnet werden, mit Marken wie Prada, Off-White, Balenciaga und Vetements sowie praktisch allen trendigen Modelabels, die Rang und Namen haben (A Cold Wall, Raf Simons, Martine Rose und Marine Serre). KM20 führt auch die Kollektionen des russischen Designers Gosha Rubchinskiy und bietet eine eigene Plattform für GR-Uniforma, Rubchinskys neue Linie, darunter eine kürzlich erfolgte Zusammenarbeit mit KM20. Seit 2015 verfügt KM20 über 2.500 Quadratmeter Fläche. Der wichtigste Stock, der erste, hat eine Höhe von acht Metern. Im dritten Stock befindet sich ein beliebtes Restaurant und Café.

SV Moskau: U-Bahn-Pionier

Der SV Moskau Store ist gut versteckt: Es gibt keine Schaufenster und die Tür, mit nur einem dezenten Logo, ist aus mattiertem Glas. SV ist eine avantgardistische Multibrand-Boutique nach dem Vorbild europäischer Pioniere wie Stijl in Brüssel, L'Eclaireur in Paris und einst Van Ravenstein in Amsterdam. SV besteht seit 2001 und verkauft unter anderem Balenciaga, Rick Owens, Maison Margiela, Comme des Garçons, Yohji Yamamoto und Undercover sowie Kultmarken wie Greg Lauren und Doublet. Im Jahr 2013 wurde auch eine Online-Boutique eröffnet.

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Oktyabr: Streetwear

Oktyabr wurde im vergangenen Jahr als erster Skate-Shop in Moskau eröffnet. Tolia Titaev, der Gründer, ist auch der Designer des russischen Streetwear-Labels Rassvet, das eng mit Comme des Garçons zusammenarbeitet (das zum Dover Street Market Paris gehört, einer Art Inkubator für junge globale Talente, zusammen mit Labels wie Honey Fucking Dijon und Balaclava Youth). Neben Rassvet verkauft Oktyabr auch Marken wie Awake, Dime, Quarter Snacks, Fucking Awesome and Carhartt Wip. Die Räumlichkeiten wurden vom Londoner Designbüro Brinkworth gestaltet, das auch Ladeneinrichtungen unter anderem für Supreme, Browns, Fiorucci, Selfridges und Stüssy entworfen hat.

Bilder: RASSVET & Aizel

Dieser Artikel von Jesse Brouns wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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