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Impfen am Arbeitsplatz: Eine Pflicht für Mitarbeiter?

Von Pia Schulz

17. Aug. 2021

Einzelhandel

Foto: Pexels

Impfnachweise und negative Tests sind mittlerweile wichtige Voraussetzungen für die Teilnahme an Veranstaltungen und Reisen geworden. Nun werden sie auch Pflicht für Angestellte von einigen der größten US-amerikanischen Modeunternehmen und Einzelhändler. In Hinblick auf die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante, sowie erneut steigenden Infektionszahlen scheint dieser Schritt sinnvoll. Aber wie gehen deutsche Unternehmen mit der Situation um?

Impfpflicht in den USA

Für eine kleine, aber wachsende Zahl von Unternehmen in den Vereinigten Staaten sind Impfungen für ihre Mitarbeiter obligatorisch, womit sie eine umstrittene Forderung nach “Impfungen für den Arbeitsplatz” umsetzen.

Bei TJX Companies Inc., der Muttergesellschaft von Off-Price-Händlern wie Marshalls und TJ Maxx, müssen alle Büro-Angestellten in den USA bis zum 1. November vollständig geimpft sein. „Wir glauben, dass die derzeitigen Protokolle, die wir in unseren Geschäften und Vertriebszentren anwenden, im Moment gut funktionieren. Da unsere Büros zum ersten Mal seit mehr als 18 Monaten wieder geöffnet sind, hielten wir diesen zusätzlichen Schritt für wichtig”, sagte eine Sprecherin in einer Erklärung.

Beim Kaufhaus Saks Fifth Avenue in New York’s Finanzviertel wird die geplante Wiedereröffnung des Firmensitzes im September dazu führen, dass Impfungen für die rund 500 zurückkehrenden Mitarbeiter verpflichtend werden. Der Sportbekleidunghersteller Under Armour gibt seinen Mitarbeitern bis Ende des Jahres Zeit sich impfen zu lassen. Das Unternehmen will im Januar 2022 wiedereröffnen und verlangt, dass alle zurückkehrenden Mitarbeiter vollständig geimpft werden. Die Beschäftigten des Einzelhandels und des Vertriebs sind davon ausgenommen, müssen aber bei der Arbeit Masken tragen.

Wie gehen deutsche Unternehmen damit um?

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Impfpflicht. Die Corona-Impfverordnung regelt hingegen vielmehr das Recht der Bevölkerung auf eine Schutzimpfung gegen das Virus. Impfungen sind eine Privatsache und damit außerhalb der Direktions- und Weisungsrechts von Arbeitgebern, womit eine vorgeschriebene Impfpflicht für Angestellte rechtlich nicht umsetzbar ist.

Der deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schreibt auf seiner Website: „Der Arbeitgeber kann eine solche Impfung grundsätzlich nicht verlangen, es sei denn, sie ist gesetzlich für bestimmte Beschäftigtengruppen vorgeschrieben. Dies ist bei der Corona-Schutzimpfung nicht der Fall.” Bisher setzten große Unternehmen mit Impfangeboten auf die Freiwilligkeit ihrer Mitarbeiter.

Der Berliner Onlinehändler Zalando hat Betriebsimpfzentren an vier Standorten in Deutschland eröffnet, teilte das Unternehmen im Mai mit. Damit ermöglicht Zalando seinen rund 14.500 Angestellten ein kostenloses Impfangebot während der Arbeitszeit. „Wir haben bewusst keine Impfquote als Ziel festgelegt, denn die Impfung ist absolut freiwillig und eine ganz persönliche Entscheidung. Unser grundsätzliches Ziel ist es aber, alle Mitarbeitenden über ihre Möglichkeiten zu informieren und sie aufzuklären”, sagte Jan Bartels, Senior Vice President Customer Fulfillment Zalando. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seit Juni rund 4.500 Impftermine an seine Angestellten vergeben.

Die Otto Group verfolgt eine ähnliche Strategie und eröffnete etwa 20 Betriebsimpfzentren deutschlandweit. Das freiwillige Impfangebot für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen steht seit Mai zur Verfügung, heißt es vom Hamburger Handels- und Dienstleistungsunternehmen.

Impfen gegen die vierte Welle

Auch Gerry Weber hat im Juni begonnen, seine Belegschaft gegen Covid-19 zu impfen. Der Modehersteller aus Halle arbeitet dabei mit der benachbarten Firma Koyo Bearings Deutschland GmbH zusammen, die Wälzlager und Lenksysteme herstellt. Die insgesamt 110 Interessenten für eine Impfung über die Betriebsärztin haben bereits beide Impfungen erhalten, sagte eine Sprecherin von Gerry Weber per E-Mail. Ein großer Teil der Belegschaft habe das interne Angebot nicht wahrgenommen, weil der Impfschutz bereits anderweitig erfolgt sei. „Wie viele Mitarbeitende insgesamt geimpft sind, können wir nicht sagen, weil wir das aufgrund von datenschutzrechtlichen Bestimmungen gar nicht abfragen beziehungsweise erheben dürfen”, teilte sie weiter mit.

Wie in den vergangen Monaten deutlich wurde, hat der Einzelhandel stark unter den Folgen der Pandemie gelitten. Durch die Lockdowns mussten die Läden ihre Türen lange für die Kundschaft geschlossen halten, viele Geschäfte waren von dauerhaften Schließungen betroffen.

Im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Pandemie, den kommenden Herbst und die Ausbreitung der Delta-Variante, veröffentlichte der Handelsverband Deutschland (HDE) im Juli einen Appell an die Bevölkerung: „Der wirksamste Schutz gegen Covid-19 und zugleich der schnellste Weg aus der Pandemie sind Impfungen. Mit einer Impfung kann jeder einzelne einen wichtigen Beitrag zur Überwindung dieser Krise leisten. Wir appellieren daher an unsere Kundinnen und Kunden ebenso wie an unsere Beschäftigten, die Impfangebote anzunehmen und damit zu einem hohen Schutzniveau beizutragen.”

Deutsche Unternehmen blicken weiterhin mit Sorge auf den Herbst und hoffen, dass sie weitere Schließungen, Umsatzeinbußen und etwaige Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter vermeiden können. Die US-Unternehmen sehen den vollständigen Impfschutz als die beste Möglichkeit die Einschränkungen der Pandemie hinter sich zu lassen.

Walmart schreibt deswegen ebenfalls Impfungen für seine Büroangestellten vor. „Wir beobachten die Entwicklung der Pandemie und die Ausbreitung der Varianten, insbesondere der Delta-Variante, weiterhin mit großer Sorge”, so Donna Morris, Personalchefin von Walmart, in einem veröffentlichten Memo an die Mitarbeiter. „Wir wissen, dass Impfungen unsere Lösung sind, um den Wandel voranzutreiben. Wir fordern Sie dringend auf, sich impfen zu lassen, und wünschen uns, dass noch viel mehr von Ihnen geimpft werden.”

„Die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Teammitglieder und ihrer Familien haben für uns oberste Priorität”, sagte Tchernavia Rocker, Personalchefin von Under Armour, in einer Erklärung. „Wir wollen unseren Mitarbeitern ein sicheres Arbeitsumfeld bieten und glauben, dass Impfungen derzeit der beste Weg sind, um unser Team gesund und sicher zu halten.”

Dieser Beitrag erschien mithilfe von Don Alvin-Adegeest.