Labelbird: ein Start-up setzt sich für regionale Mode ein

Regional ist in – das beweisen Jakob Liese und Matthias Müller mit ihrem Start-up Labelbird. Die neue Modeplattform aus Krefeld unterstützt kleine aufstrebende Modemarken aus ganz Deutschland bei Vertrieb, Vermarktung und Versand – und will eines Tages das „Zalando” für regionale Mode werden.

In seinem Onlineshop führt Labelbird inzwischen rund 70 Marken aus 35 Städten. Auf der Website gibt es eine Karte, durch die Verbraucher einfach Labels aus ihrer Region finden können. Die Produkte können dann direkt über den Labelbird-Shop bestellt werden. Im letzten Jahr konnte das junge Start-up bereits mehr als 300 Kunden für ihr Konzept begeistern. Angefangen hatte man in Bayern, inzwischen repräsentiert Labelbird Hersteller aus ganz Deutschland. „Je mehr Reichweite wir bekommen, desto mehr Labels kommen auf uns zu“, berichtet Mitbegründer Matthias Müller.

Labelbird-Deutschlandkarte, durch die Verbraucher einfach Labels aus ihrer Region finden können
Bild: Aufstrebende Marken aus ganz Deutschland sind bereits auf Labelbird vertreten | Labelbird

Ein junges Team mit großen Ambitionen

Hinter Labelbird steckt ein junges Team aus acht Leuten mit ganz unterschiedlichen Hintergründen vereint durch große Ambitionen. Die fünf Gründer sind kaum Mitte 20, studieren noch oder kommen frisch von der Universität. Entstanden ist das Konzept des Unternehmens vor etwa zweieinhalb Jahren bei einem Start-up-Wettbewerb der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Mitglieder des heutigen Labelbird-Teams hatten eigentlich mit einer anderen Idee am Wettbewerb teilgenommen, waren dann aber so begeistert vom Geschäftsmodell der regionalen Mode, dass sie den ursprünglichen Gründern das Konzept abkauften.

Jakob Liese und Matthias Müller aus Krefeld sind seit einem Jahr Teil des Teams und haben geholfen, das Unternehmen weiter zu professionalisieren. „Als wir dazu gekommen sind, war Labelbird eigentlich mehr ein Studentenprojekt. Dann haben Jakob und ich erstmal drei, vier Monate daran gesessen, alleine die Website umzugestalten und richtig anzugreifen“, erklärt Müller, der zuvor Medienrecht an der Universität Köln studierte. Jakob Liese ist Absolvent des Studienganges Modejournalismus und Medienkommunikation von der Akademie Mode und Design in Düsseldorf.

Mitbegründer Jakob Liese und Matthias Müller
Bild: Mitbegründer Jakob Liese (links) und Matthias Müller (rechts) | Labelbird

Heute sind beide eingetragene Co-Founder, haben sich den Hauptsitz der Firma von Regensburg nach Krefeld geholt. Hier kümmern sie sich vor allem um das Online-Geschäft, die Logistik und die Gestaltung des Online-Auftrittes. Ihre Mitstreiter in Regensburg sind verantwortlich für Labelakquise und Kundensupport.

Jakob Liese und Matthias Müller war schon lange klar, dass sie sich selbst etwas aufbauen möchten. Bereits 2018 gründeten sie Vitamin Bois, eine Kreativplattform und Modemarke, mit der sie junge Künstler aus Kunst, Musik und Mode zusammenbringen und diese dabei unterstützen, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Als Labelbird dann im vergangenen Jahr auf sie zukam, war die Entscheidung schnell gefallen. „Wir haben das Potenzial von Labelbird gesehen und dann nicht lange überlegt“, so Müller.

Labelbird: lokal, nachhaltig, transparent

Das Markenportfolio ist groß und wächst stetig. Von kreativen Bekleidungsdesigns über fair produzierte Schuhe bis hin zu handgemachten Accessoires ist hier für Damen, Herren und Kinder alles dabei. Hauptkriterium für die Aufnahme bei Labelbird ist, dass die aufstrebenden Modemarken ihren Firmensitz in Deutschland haben und ihre Produkte von Deutschland aus vertreiben. Dazu kommen noch andere Kriterien wie Produktauswahl, Qualität und Produktionsweise. Welche Artikel im Shop letztendlich online gehen entscheidet Labelbird. Auch das Thema Nachhaltigkeit liegt den Gründern dabei am Herzen.

„Wir haben immer den Fokus auf die Regionalität gesetzt und ich finde Nachhaltigkeit hat einen ganz starken Bezug dazu“, sagt Jakob Liese. Das habe auch mit dem Zeitgeist zu tun. Wenn man in den letzten Jahren ein Label gegründet hat, käme man um das Thema gar nicht mehr drumherum, sagt er. Mit Labelbird wollen sie einen Beitrag dazu leisten, Mode langlebiger und fairer zu machen.

Labelbird setzt auf regionalen E-Commerce und trifft damit genau den Nerv der Zeit. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IFH Köln wurden lokale Onlinemarktplätze im Verlauf der Pandemie bei deutschen Verbrauchern immer beliebter, vor allem bei der jüngeren Zielgruppe. Obwohl die tatsächliche Nutzung solcher Plattformen noch verhalten war (15 Prozent aller Befragten), äußerten 23 Prozent der Teilnehmer die Absicht, lokale Onlinemarktplätze in Zukunft nutzen zu wollen. Gute Aussichten also für Labelbird und ihren regionalen Onlineshop.

Die neun Labelbird-Siegel für Nachhaltigkeit und Regionalität
Bild: Die neun Labelbird-Siegel für Nachhaltigkeit und Regionalität | Labelbird

Um das Einkaufen im Onlineshop für die Kunden so transparent wie möglich zu gestalten, hat das Team ein eigenes Siegel-Konzept für nachhaltige Produkte entwickelt. Die neun Siegel basieren auf offiziellen Zertifizierungen und beziehen sich beispielsweise auf Bio-Baumwolle, recycelte Ressourcen oder plastikfreien Versand. Auch soziales Engagement, regionales Design und handgemachte Ware wird nach den Idealen der Betreiber mit einem speziellen Siegel bescheinigt „Unsere Labels erhalten einen Fragebogen, auf dem sie ausfüllen müssen, welche Produkte welche Siegel haben oder wie sie produziert sind. Die Marken müssen da natürlich auch Nachweise hinterlegen, sodass wir die Zertifizierung jederzeit kontrollieren können“, erklärt Jakob Liese. Die Kunden können dann im Onlineshop die Produkte explizit nach den Werten auswählen, die ihnen am wichtigsten sind.

Persönliche Kommunikation und mit ihren Partnermarken als “Team” zusammen zu arbeiten, ist den Machern des Start-ups besonders wichtig. Deshalb hilft Labelbird neben dem Verkauf und der Logistik mit dem eigens entwickelten Versandkonzept Labelbird Fly, auch dabei, den Bekanntheitsgrad der Marken zu erhöhen und berät sie bei regelmäßigen Label-Stammtischen. „Wir wollen nicht die große Plattform sein, die ausbeutet, sondern eher die Unterstützer, die ein gemeinsames Ding daraus machen“, erklärt Mitbegründer Matthias Müller. Das spiegelt sich auch im Geschäftsmodell wider: Labelbird arbeitet komplett auf Provisionsbasis. „Verkaufen die Labels nichts, entstehen für sie auch keinerlei Kosten“, so Müller weiter. 20 Prozent Provision erhält das Team für jeden verkauften Artikel.

Pop-up-Stores in Kleinstädten

Ein zweites Standbein hat sich das Start-up mit der Veranstaltung von Pop-up-Stores aufgebaut. „Da sind wir eigentlich eher durch Zufall drauf gekommen“, sagt Matthias Müller. Die vielen Leerstände vor allem in Kleinstädten hatten sie auf die Idee gebracht. Nach einem erfolgreichen Pop-up-Store in Kooperation mit dem Erlebnisfestival „Silicon Vilstal“ in Niederbayern, hatte Labelbird eigentlich eine Pop-up-Tour durch verschiedene Städte in Deutschland geplant – bis ihnen der zweite Lockdown im Dezember einen Strich durch die Rechnung machte. Ihren zweiten Pop-up-Store in Neustadt an der Donau musste das Team nach zwei Tagen schließen.

Dennoch war die Resonanz enorm. Sie seien selbst überrascht gewesen, wie viele Kunden es sogar in den kleinsten Dörfern gibt, so Müller. „Du hast wirklich Kunden, die aus einem Umkreis von 50 Kilometern zum Store kommen, weil es so ein Highlight in der Region ist.“ Mit den Pop-up-Stores möchte Labelbird wieder neuen Schwung in kleine Städte bringen und Innenstädte attraktiver machen. „In den Pop-up-Stores sind wir in ganz Deutschland mit unseren Labels vor Ort und machen die Sachen für den Kunden in Real Life erlebbar“, erklärt Jakob Liese. Das sei auch immer für die Labels spannend, da die meisten von ihnen gar keinen eigenen Store haben.

Jakob Liese in einem der ersten Pop-up Stores von Labelbird
Bild: Jakob Liese in einem der ersten Pop-up Stores des Start-ups | Labelbird

Sobald es die Situation wieder erlaubt soll die Pop-up-Tour durch Deutschland weitergehen, vor allem auch in Kleinstädten. Und es sieht ganz so aus, als ob das Team bereits jetzt an den Erfolg vergangener Ladenkonzepte anknüpfen könnte. „Wir haben da noch ohne Ende Anfragen von Städten offen. Wir könnten also dieses Jahr, die nächsten zwei Jahre vielleicht sogar, jeden Monat mit einem Pop-up-Store durchplanen, weil das wirklich so gut ankommt“, sagt Matthias Müller.

Nicht nur bei den Pop-up-Stores hat die Corona-Krise ihre Auswirkungen gezeigt. Das Team von Labelbird aus Krefeld und Regensburg hat sich in der aktuellen Zusammensetzung erst dreimal persönlich treffen können. Die gesamte Kommunikation läuft über Videocalls.

„Das war schon eine Herausforderung alles digital hinzukriegen, aber bisher hat das super geklappt“, sagt Jakob Liese. Man habe aber auch eine positive Entwicklung durch die Pandemie bemerkt: „Durch den Lockdown hatten viele Leute mehr Zeit. Bei uns sind einige Labels vertreten, die erst während der Pandemie gegründet wurden, sodass das Ganze irgendwie auch ein Nährboden für junge Start-ups geworden ist“, so Liese weiter.

Das junge Team bei einem der wenigen persönlichen Meetings
Bild: Das junge Team von Labelbird bei einem der wenigen persönlichen Meetings | Labelbird

Labelbird will den großen E-Commerce-Händlern Konkurrenz machen

Zusammen mit ihren passionierten Geschäftspartnern aus Bayern haben die Labelbird-Co-Gründer große Pläne. Aktuell sucht das Start-up nach einem Investor, um zu expandieren und Labelbird auf die nächste Ebene zu heben. „Am liebsten wären uns ein Business Angel, der uns gleichzeitig noch an die Hand nimmt und uns auch Connections und Tipps gibt. Jemanden, der auch Lust hat mit uns etwas als Team zu erreichen“, erklärt Matthias Müller.

Ihr Ziel ist es, im Sommer die 20.000 Euro Umsatz im Monat zu knacken. Langfristig möchte das junge Team mit Labelbird eine neue Richtung in der Modewelt einschlagen – „regional, gemeinsam, fair“. In Zukunft soll es möglich sein, bei den Marken und Herstellern direkt zu bestellen. „Ob du das Produkt dann selber abholst oder es dir liefern lässt, ist dann deine Entscheidung“, erklärt Jakob Liese. Auch wenn der Verbraucher die Lieferung wählt, könne das Label selbst entscheiden, ob es das Paket aufgrund der Nähe persönlich vorbeibringt oder einen regionalen Versand-Dienstleister beauftragt. Gerade auf der sogenannten „letzten Meile“ wollen die Labelbird-Macher im Gegensatz zu vielen großen Bekleidungsketten auf Regionalität setzen. „Letztes Jahr hat eine Zeitung geschrieben, wir wollen das regionale Zalando werden. Damals dachten wir noch, das ist eine sehr ambitionierte Formulierung“, erinnert sich Liese. „Aber inzwischen sehen wir das eigentlich auch so. Da soll auf jeden Fall die Reise hingehen.“

Titelbild: Labelbird

 

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