• Home
  • Nachrichten
  • Einzelhandel
  • Warum Re-commercing die neue Revolution im Einzelhandel sein könnte

Warum Re-commercing die neue Revolution im Einzelhandel sein könnte

Einzelhandel

Von Aileen Yu

21. Sept. 2020

Bestandsüberschüsse sind kein neues Problem, doch für Einzelhändler, die jetzt Auswege für die Kollektionsbestände der SS20 suchen, haben sie absolute Priorität. Der Aspekt hat sich von einem nachrangigen Erwägungsgrund zu einem zentralen Faktor in der Einzelhandelslieferkette entwickelt. Covid-19 hat der Modebranche die einzigartige Möglichkeit gegeben, ihre Wertschöpfungsketten komplett neu zu gestalten, um diese nachhaltiger, effizienter und krisenfester zu machen.

Während der Pandemie haben Einzelhändler zudem Bestände zurückgestellt und Bestellungen storniert. Eine beliebte Strategie ist die Entscheidung für untypische Rabatte, um entgangene Umsätze wett zu machen. Obgleich dies teilweise zu kurzfristigen Einnahmen führt, senken große Rabatte unweigerlich das Markenprestige. Nicht verkaufte Bestände betreffen auch Online-Retouren. Es wird davon ausgegangen, dass die Retourenanzahl steigt, da Marken in Online-Plattformen investieren und weitere Ausgangsbeschränkungen drohen. Ein effektives Retouren-Management, einschließlich des Verkaufs von Mangelware, wird eine essenzielle Investition sein, um Kosten zu senken, Zeit zu sparen und Kunden zu binden. Marken veräußern ihre Waren üblicherweise an Händler und Discounter im Einzelhandel, doch dies kann dazu führen, dass Kernmärkte von Beständen überschwemmt werden und der Verkauf kannibalisiert wird.

Was geschieht mit Überbeständen?

Laut dem CEO der Parker Lane Group, Raffy Kassardijan, hat das Thema nicht verkaufter Bestände jetzt Priorität. „Covid-19 hat gezeigt, dass die Sicherheit im Einzelhandel in Zukunft von robusten Notfallplänen für nicht verkaufte Vorräte und alternativen Wegen, die über zentrale Märkte hinausgehen, abhängt“, erklärte Kassardijan in einer E-Mail an FashionUnited. Die im Vereinigten Königreich ansässige Parker Lane Group ist auf das Management von Waren spezialisiert, die von Kunden retourniert wurden, und arbeitet mit den Marken Kiabi und Cache Cache zusammen. Die 2010 gegründete Parker Lane Group hilft Marken unter einem Dach bei der Handhabung aller Probleme im Zusammenhang mit Beständen.

Returns+ Service Suite

Das Unternehmen arbeitet derzeit mit 50 Partnermarken zusammen (darunter NA-KD, Kiabi und die Tendam Group) und ist weltweit auf 60 Märkten aktiv. Das Angebot der Parker Lane Group besteht aus der Returns+ Service Suite, eine Lösung, welche die Strategie verfolgt, Bestände auf Sekundärmärkten wieder in Verkehr zu bringen (Re-commercing, Verkauf auf Großhandelsbasis an selbständige Einzelhändler und Märkte). Die Suite umfasst ebenfalls Branchenberatungsdienste, das Retouren-Management und betriebseigene Recyclinganlagen für Artikel, die nicht wiederverkauft werden können.

Aleksandra Banasik, COO auf Parker Lane Group

Außerdem wird im Dezember 2020 Rekochet, der eigens von PLG betriebene Bekleidungs-Outlet-Store, gestartet. „Wir aktualisieren fortwährend unser Service-Angebot, um sicherzustellen, dass wir unseren Partnern immer die besten Preise anbieten können“, erklärt Aleksandra Banasik, COO der Parker Lane Group. „Hierdurch können unsere Partner von Umsatzrenditen für nicht verkaufte Bestände profitieren, die im Vergleich zur selbständigen Abwicklung um 30 Prozent höher sind“, merkte sie an.

Das Modell von Returns+ wurde von den Anforderungen im Einzelhandel inspiriert und dafür konzipiert: Die betriebseigenen AI/ML-Plattformen der Parker Lane Group ermitteln den optimalen Wiederverkaufskanal für jeden Artikel. Die Artikel werden dann auf Märkten wiederverkauft, auf denen sie die größtmögliche Wertschöpfung erzielen. Außerdem werden Partnermarken die Leistungsdaten mitgeteilt, damit diese regelmäßig die Produktleistung auf den zulässigen Märkten überprüfen können.

Dank dieses Angebots wird das Re-commercing von überschüssigen Beständen auf Sekundärmärkten zu einer kommerziell unwiderstehlichen Lösung. Statt wie beim herkömmlichen Modell des Kaufens und Verkaufens um niedrigere Preise zu wetteifern, arbeitet PLG gemeinsam mit Marken daran, den höchstmöglichen Preis zu erzielen.

Re-commercing, verantwortungsbewusster Konsumismus und weniger Recycling

Die erfolgreiche Re-commercing-Strategie der Parker Lane Group basiert darauf, dass weniger als 1 Prozent der 3 Millionen monatlich verarbeiteten Einheiten recycelt werden (PLG recycelt nur Produkte, die das Ende der Lebensdauer erreicht haben und nicht wiederverkauft werden können). Marken halten das Recycling und die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung häufig für das Gleiche, obwohl tatsächlich zwei verschiedene Dinge gemeint sind. Ein altes T-Shirt kann bspw. nicht zu einem neuen recycelt werden. Es kann in seine Bestandteile zerlegt werden, um Füllmaterial für Sitzgelegenheiten herzustellen oder mit Naturfasern verwoben werden, um teilrecycelte Waren zu fertigen. Abgesehen davon, dass das Recycling energie- und ressourcenintensiv ist, muss diese Leistung auch bezahlt werden, sodass zusätzliche Kosten für Einzelhändler entstehen.

Das Re-commercing entspricht ebenfalls den Verbrauchertrends. Die öffentliche Antipathie gegenüber abfallintensiven Geschäftsmodellen stieg bereits vor der Pandemie. Ein verantwortungsbewusster Konsumismus in Kombination mit Einzelhandelskäufen, die in diesem Jahr zum Stillstand gekommen sind, haben zu einer hohen Nachfrage nach reduzierter und rabattierter Einzelhandelsware sowie Secondhand-Ware geführt. Die Herausforderungen der Pandemie werden höchstwahrscheinlich weiterhin gegeben sein. Marken müssen ihre Lieferketten gegen zukünftige Krisen sichern, da weitere Virusausbrüche drohen. Die Parker Lane Group möchte Branchenfachwissen und eine Suite dedizierter Services bereitstellen, um Marken dabei zu helfen, seit langem bestehende Probleme zu lösen und Anpassungen an die Herausforderungen der neuen Welt vorzunehmen.

Bild: courtesy of Parker Lane Group