‘Can Love Be a Photograph‘: Inez & Vinoodh zeigen 40 Jahre Arbeit im Kunstmuseum Den Haag
Das niederländische Fotograf:innenduo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, weltweit bekannt als Inez & Vinoodh, vereint 40 Jahre Arbeit an der Schnittstelle von Mode und Kunst in der Ausstellung Can Love Be a Photograph im Kunstmuseum Den Haag. Die Ausstellung läuft vom 21. März bis zum 6. September 2026. FashionUnited hatte die Gelegenheit, die Ausstellung zwei Tage vor der öffentlichen Eröffnung zu besichtigen.
Liebe als roter Faden
Anstelle eines klassischen, chronologischen Aufbaus wählt die Ausstellung einen thematischen Ansatz. Dabei stehen die zugrundeliegenden Motive im Werk von Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin im Mittelpunkt. Die Ausstellung entfaltet sich größtenteils raumweise um spezifische Themen und Serien. In größeren Sälen und Gängen werden jedoch auch mehrere Serien zusammengeführt. Laut Kuratorin Willemijn van der Zwaan geht es letztlich um eine übergreifende Linie: Liebe. Diese manifestiert sich nicht nur in den Bildern selbst, sondern auch in der einzigartigen Zusammenarbeit der beiden, die sowohl in ihrer Arbeit als auch in ihrem Privatleben eng miteinander verwoben sind.
Beim Betreten wird die Ausstellung mit einem intensiven Selbstporträt des Duos eröffnet. Darin küssen sich Van Lamsweerde und Matadin, doch das Bild wurde digital manipuliert: Vinoodh scheint größtenteils aus dem Bild verschwunden zu sein. Das Werk fungiert somit als ein starkes Statement über Verbundenheit, aber auch über die Angst vor Verlust.
Zwischen Realität und Konstruktion
In den ersten Sälen nach der Eröffnung wird deutlich, dass ihre Fotografie nie nur registrierend ist. Im Gegenteil, ihre Arbeit spielt ständig mit der Grenze zwischen Realität und Konstruktion. Das Duo experimentierte schon früh mit digitaler Manipulation, lange bevor dies in der Modebranche üblich wurde. Ein frühes Beispiel dafür ist Well, Basically Basuco is Cocaine Mixed with Kerosene… (1994). Darin wird ein Stockfoto eines Raketenstarts mit einem High-Fashion-Foto kombiniert. Dies geschah mithilfe der damals revolutionären Paintbox-Technik. Der Prozess dauerte Tage und unterstreicht ihren fortschrittlichen Ansatz in der Bildbearbeitung.
Gleichzeitig entscheiden sie sich manchmal bewusst dafür, nichts zu bearbeiten. Dadurch wird der:die Betrachter:in ständig herausgefordert, sich zu fragen, was ‚echt‘ ist. Wer im selben Raum weiterblickt, sieht, wie dieses Spiel fortgesetzt wird. In Christy Turlington & Dick Page – Nova (2000) scheint das glitzernde Tuch zunächst digital manipuliert zu sein. Es stellt sich jedoch heraus, dass es vollständig physisch in der Aufnahme vorhanden war. Indem das Duo diese Erwartung untergräbt, spielt es bewusst mit der Wahrnehmung des:der Betrachter:in. Diese Spannung ist ein wiederkehrendes Element und knüpft nahtlos an die Funktionsweise der Mode selbst an – als ein Spiel zwischen Illusion und Wirklichkeit.
Schönheit, Identität und Entfremdung
Im weiteren Verlauf der Ausstellung verlagert sich der Fokus auf Schönheit, Identität und Entfremdung. Glamour wird selten ohne Reibung präsentiert: Models sehen perfekt aus, aber gleichzeitig stimmt immer etwas nicht. Diese subtile Entfremdung macht ihre Arbeit vielschichtig und aktuell. Das gilt besonders in einer Zeit, in der Repräsentation und Geschlechterrollen zunehmend diskutiert werden. Indem sie Männer ‚verletzlich‘ und Frauen stark und dominant darstellen, durchbrechen sie traditionelle Codes. Sie zeigen, wie fließend diese Konstrukte in Wirklichkeit sind.
Auf halbem Weg durch die Ausstellung öffnet sich ein Raum, in dem eine große Anzahl von Drucken und Publikationen aus ihrer Karriere zusammengetragen wurde. Die früheren Räume waren hell, minimalistisch und fast heiter gestaltet. Der Fokus lag auf einzeln präsentierten Bildern, oft in separaten Rahmen, selbst wenn sie Teil einer Serie waren. Hier betritt man jedoch eine Umgebung, die überwältigend wirkt. Als Besucher:in weiß man kaum, wohin man zuerst schauen soll.
Eine fortlaufende Untersuchung
Vor der Führung waren Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin persönlich für ein kurzes Interview bei der Eröffnung von Can Love Be a Photograph anwesend. Darin betonten sie, dass sich ihre Arbeit im Wesentlichen weniger verändert hat, als oft angenommen wird. Statt einer radikalen Kursänderung sprechen sie eher von einer Verfeinerung: einem Prozess des gezielteren Auswählens und bewussteren Arbeitens. Frühere Bilder trugen manchmal mehrere Ideen gleichzeitig in sich. Heute liegt der Schwerpunkt darauf, Themen über einen längeren Zeitraum und in zusammenhängenden Serien auszuarbeiten. Das Ergebnis ist ein Gesamtwerk, das sich wie eine einzige, fortlaufende Untersuchung liest.
Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht eine wiederkehrende Reihe von Themen: Liebe, Identität, der Körper und die Dynamik zwischen Schönheit und Entfremdung. Liebe dient dabei als übergeordnetes Motiv. Sie wird nicht nur im romantischen Sinne verstanden, sondern als eine Form von Aufmerksamkeit und Verbindung. Für das Duo beginnt die Fotografie mit der Begegnung mit dem Gegenüber. Die Kamera ist kein neutrales Instrument, sondern ein Mittel, um diese Beziehung sichtbar zu machen. In ihrer Serie Me (1998) wird dieser Austausch besonders spürbar. Die Porträts verweisen auf die Kunst der Renaissance und sind durch direkten Augenkontakt mit der Kamera gekennzeichnet. Auffallend ist, dass Namen hier bewusst in den Hintergrund treten. Es geht nicht darum, wer jemand ist, sondern um die Begegnung selbst. Dadurch erhalten die Bilder einen universelleren und intimeren Charakter. Wie sie betonen: Jedes Foto ist eine Entscheidung und damit auch eine Interpretation der Wirklichkeit.
Diese Spannung zwischen Realität und Konstruktion tritt in der Ausstellung deutlich hervor, in der auch Raum für Verlust und Trauer ist. Bilder, in denen der Körper verformt oder zerbrechlich erscheint, dienen als visuelle Übersetzung emotionaler Erfahrungen. Gleichzeitig bleibt der Mensch immer der Ausgangspunkt – nicht als Idealbild, sondern in seiner Komplexität und Verletzlichkeit. Genau in diesem Spannungsfeld bleibt ihre Arbeit im Modekontext relevant, wo Perfektion zunehmend durch Vielschichtigkeit und Authentizität ersetzt wird.
Der Blick auf eine neue Generation
Was in der Ausstellung ebenfalls auffällt, ist der Blick auf eine neue Generation. Diese Perspektive wurde besonders während des Interviews mit Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin deutlich. Während ihre eigene Arbeit oft von persönlichen und beziehungsorientierten Themen ausgeht, stellen sie fest, dass sich jüngere Künstler:innen stärker auf ihre Position in der Welt konzentrieren. Sie befassen sich mit Fragen rund um Natur und Zukunft. Diese Beobachtung verdeutlichen sie am Beispiel ihres Sohnes Charles Matadin, der in diesem Jahr sein Studium der bildenden Kunst abschließt. Laut dem Duo liegt der Schwerpunkt seiner Ausbildung weniger auf der Frage, wer man als Künstler:in ist. Stattdessen geht es mehr um die Beziehung zur Welt, wie zum Beispiel den Einfluss auf Natur und Umwelt.
Diese Verschiebung unterstreicht, wie sich die Bildkultur und damit auch die Modefotografie ständig weiterentwickeln. Gleichzeitig bleiben grundlegende Fragen nach Menschlichkeit und Verbundenheit bestehen. Van Lamsweerde betont zudem, wie wichtig es ist, an dem festzuhalten, was einen prägt. Erinnerungen, Bilder oder Musik, die einen berühren, verfolgen und nähren einen als Künstler:in ein Leben lang.
Familie als Anker
Auf halbem Weg durch die Ausstellung taucht auch ihr Sohn auf. Er ist für das Duo nicht nur ein persönlicher Anker, sondern auch ein Blick in die Zukunft. Dies wird unter anderem in den Werken Charles as Inez (2023) und Charles as Vinoodh (2023) sichtbar. Darin verkörpert er beide Rollen seiner Eltern und spiegelt so ihre gemeinsame Identität wider.
In einem der letzten Räume der Ausstellung kehrt diese Familienperspektive in einem anderen Werk zurück. Dort wird ein Foto der sich küssenden Eltern unter einer Glasglocke präsentiert. Die Geste suggeriert sowohl Schutz als auch Verletzlichkeit. Die intime Beziehung wird fast konserviert und dient gleichzeitig als symbolische Übergabe an die nächste Generation. Auffallend ist, dass das Foto kaum bearbeitet wurde. Nur ein kleines Detail, ein hinzugefügter Marienkäfer, durchbricht die Realität auf subtile Weise.
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