Outsiderwear: das neue Streetwear-Label von ‘Outsider- und Insider’-Künstlern

Outsiderwear ist ein neues niederländisches Projekt, das sogenannte ‘Outsider-Künstler’ mit erfolgreichen Modedesignern und Künstlern verbindet. ‘Outsider-Künstler' bezeichnen in diesem Zusammenhang Künstler mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung, sowie Künstler die mit psychischen Problemen oder Obdachlosigkeit kämpfen. In Zusammenarbeit mit etablierten Modedesignern sollen während des Projekts eine Streetwear-Kapsel und mehrere Ausstellungen entstehen.

Das Projekt ist eine Initiative des niederländischen Künstlers und Schriftstellers Jan Hoek, der sich seit jeher zu den Außenseitern der Gesellschaft hingezogen fühlt und ihnen eine Bühne in seinen Kunstwerken bietet. Seiner Meinung nach sind "normale" Menschen seltsam, und es sind die Außenseiter, die unserer Welt Farbe verleihen.

Zuvor schufen er und der niederländische Modedesigner Duran Lantink das Kunstprojekt ‘Sistaaz of the Castle’ um eine Gruppe transsexueller Sexarbeiterinnen aus Kapstadt. Das Projekt wurde im Amsterdamer Fotografiemuseum Foam gezeigt und während der Amsterdam Fashion Week präsentiert. Außerdem gründete er die Stiftung ‘Stichting Captain Hoek’, die eine Verbindung zwischen der ‘Outsider’-Kunstwelt und der regulären Kunstwelt herstellen soll.

Outsiderwear vermischt ‘Outsider’-Kunst mit der regulären Kunstszene

Die Idee für Outsiderwear entstand vor etwa einem Jahr, weil Hoek jahrelang ein Kind mit Down-Syndrom als Babysitter betreut hat, sagt er im Telefoninterview mit FashionUnited.

Bruin Parry, auf den er zu dieser Zeit aufgepasst hat, ist heute Teilnehmer des Outsiderwear-Projekts. „Ich war vor 21 Jahren Babysitter für ihn, als er noch ein Baby war, und habe ihn aufwachsen sehen. Als er älter wurde, begannen wir gemeinsam Zeichnungen anzufertigen, und so ist er Künstler geworden. Er ging in eine soziale Werkstatt, in der wie er andere Künstler mit einer Behinderung arbeiteten. Dort sah ich so viele talentierte Menschen, denen es nicht wirklich zugestanden war, an der realen Kunstwelt teilzunehmen. Mit einem eigenen Museum und einer eigenen Biennale wird der Outsider-Kunst jetzt mehr Aufmerksamkeit geschenkt, aber sie ist ganz eigenständig und vermischt sich fast nie mit der regulären Kunstszene".

Später arbeitete Bruin auch als Studioassistent von van Hoek. „So habe ich gesehen, was es bringen kann, wenn Sie eine solche Zusammenarbeit in Ihrer beruflichen Praxis nutzen. Ich dachte, es würde großen Spaß machen, wenn auch andere Kreative erleben und entdecken könnten, dass sie es können". Hoek meint, dass viele ‘Outsider’-Künstler immer noch so arbeiten, wie einst die Insider-Künstler. „Sie machen etwas, weil es wirklich von ihnen selbst kommt, weil sie etwas machen wollen, in dem sie eine Obsession ausleben können, ohne darüber nachzudenken, wie es in die Kunstgeschichte oder den Rest der Mode passt. Wenn Sie ein Profi sind, vergessen Sie das manchmal, weil Sie eigentlich ein Unternehmer sind und Ihre Steuern regeln müssen. Darüber hinaus ist es auch befriedigend, wenn man jemandem einen Platz anbieten kann, der sich ebenfalls beteiligen möchte und sich auf diese Weise mehr als Teil der Gesellschaft fühlt.”

’Insider- und Outsider’-Künstler arbeiten gemeinsam an der Outsiderwear-Kollektion

„Bei der Auswahl der Insider-Künstler haben wir uns für Künstler entschieden, die auch ein bisschen Außenseiter sind", sagt Hoek. „Eigentlich ist es eine seltsamer Zwiespalt, der auch heute noch besteht. Das möchten wir auch zeigen. Viele Insider-Künstler und Modedesigner haben vielleicht ein erfolgreiches Geschäft, aber sie sind vielleicht auch ein bisschen autistisch, sehen selbst ein bisschen seltsam aus oder machen Kleidung für die Außenseiter dieser Welt. Darüber hinaus sind sie Designer, die wirklich den Willen haben, Künstlern, die sich auf dem Arbeitsmarkt schwer tun, auf nachhaltige Weise einen Platz zu geben. Es geht nicht nur um dieses Projekt, sondern dass sie offen sind für eine längerfristige Zusammenarbeit.”

Es ist ein großes Projekt geworden, aber Jan Hoek macht nicht alles allein. Er arbeitet mit Wieger Windhorst, Iris Ruisch von der Stichting M-ODE und der sozialen Werkstatt Outsider Art Gallery in der Hermitage Amsterdam zusammen. Einige ‘Insider- und Outsider’-Teilnehmer wurden bereits bestätigt: Aus dem Kreis der ‘Außenseiter’ sind dies Viresh Paltie, Rudy de Gruyl, Desmond Tjon-a-Koi und Titia Sluijter. Zu den bestätigten ‘Insidern’ gehören Piet Parra, BonneSuits, Sophie Hardeman, Duran Lantink und Vincent van der Waal von Patta.

In den kommenden Monaten werden sie gemeinsam an der kooperativen Streetwear-Kollektion arbeiten. „Es wird eine große Kollektion sein, bestehend aus Mini-Kollektionen der Duos mit ihrem eigenen Namen darauf. Wir wollen, dass die Kollektion zugänglich und cool ist, und wir wollen, dass es Kleidung ist, in der viele Menschen spazieren gehen wollen, bei der aber auch die Außenseiter dieser Welt die Zielgruppe sind. Es ist am besten, den Designern freie Hand zu lassen. Der Ausgangspunkt ist die Kleidung, aber wir versuchen, nicht zu sehr in Schubladen zu denken”, sagt Hoek.

Die Kollektion wird während des Outsiderwear-Festivals präsentiert

Vom 20. November bis zum 31. Dezember findet das Outsiderwear-Festival statt, bei dem die Ergebnisse der Kollaborationen präsentiert werden und die Kollektion zum Verkauf steht. An vier verschiedenen Orten in Amsterdam – dem Outsider Art Museum, dem Patta Store, der Galerie Vriend van Bavink und Zeedijk60 – werden die Werke der teilnehmenden Künstler auf unterschiedliche Weise präsentiert. Mit Ausstellungen, Shop-in-Shops, einer Fotokampagne für Aktivisten, Führungen und Gesprächen wird die Arbeit von Insider- und Outsider-Künstlern und Modedesignern auf inspirierende Weise zusammengeführt.

Dieser übersetzte Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.nl veröffentlicht.

Foto: Jan Hoek

 

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