Das Kaufhaus Jandorf ist ganz eindeutig B-Lage, das sieht man dem Zustand des Gebäudes an. Läge es nur zweihundert Meter weiter östlich, wäre es mitten in der hippen Berliner Mitte - und damit A-Lage. Dann wäre alles ganz anders. Dann wäre das große Eckhaus mit der Kuppel auf dem Dach jetzt vielleicht auf Hochglanz saniert - und große internationale Bekleidungsketten würden sehr hohe Mieten dafür zahlen, hier repräsentieren zu dürfen. Aber so ist noch viel Platz für kreative Träume im Kaufhaus Jandorf zwischen all dem Baustaub und blätterndem Putz.

Auch Firmen wie Nike und jetzt Microsoft haben den maroden Charme des ehemaligen Modeinstituts der untergegangenen Deutschen Demokratischen Republik schon für sich entdeckt, aber noch ist das Gebäude nur für temporäre Veranstaltungen freigegeben. Nach der Wende wurden - in Erwartung einer baldigen Luxussanierung - die fünf Stockwerke des 1904 erbauten Kauhauses fast wieder in den Rohzustand versetzt. Genau erklären kann dies alles Ernesto Galarza Bello Er kümmert sich seit einem halben Jahr um das Kaufhaus. Zusammen mit Martin Strachota war er auf der Suche nach einer geeigneten Location für die geplante "Soleprovider"-Ausstellung von Nike. Als Enrico zum ersten Mal in die Holz vertäfelte Empfangshalle trat, wusste er: Hier will ich was machen. Inzwischen hat Enrico, der auch noch Designer beim Projekt Berliner Raum ist, sein Büro im ersten Stock des Kaufhauses eingerichtet. Und inzwischen kennt er sich aus mit Themen wie Statik und Brandschutzauflagen des Bauamtes.

Auch wenn die Instandsetzung nur langsam voran geht - Ernesto hat schon konkrete Pläne, wie das ganze einmal aussehen wird - und die dazugehörigen Interessenten auch. Im Erdgeschoss sollen auf 300 Quadratmetern Gastronomie und eine Bar sowie Platz für Ausstellungen und Aftershowparties entstehen. "Hier soll das Auge des Gebäudes sein", sagt Ernesto Galarza Bello. Also keine langfristigen Mieter sondern ein sich wandelndes Schaufenster nach außen. Im Moment hat Microsoft dort die Xbox-Lounge eingerichtet, in der man täglich ab 20.00 Uhr die neusten Spiele ausprobieren kann. Dann wartet da noch eine riesige Halle auf ihre Erweckung - schon zu DDR-Zeiten wurde sie vom Modeinstitut für Modenschauen genutzt.

Im ersten Geschoss könnten Flagshipstores eingerichtet werden, Apple Macintosh und Nike haben schon ihr Interesse angemeldet. Für den zweiten Stock könnte sich Ernesto Showrooms für Designer vorstellen, für den dritten und vierten dann Denkräume, also Büros. Ende nächsten Jahres wollen sie einziehen. "Wenn nach der Modeveranstaltung Bread & butter jetzt auch noch die Musikmesse Popkomm nach Berlin kommt, gibt es bestimmt auch Bedarf für das Kaufhaus Jandorf." Auch für das Dachgeschoss gibt es schon potentielle Mieter, unter der verglasten, sanft geschwungenen Dachschräge würde gern ein Mailänder Modefotograf sein Atelier einrichten. Mehr Infos unter

 

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