Kingpins Amsterdam: Von historischen Jeans bis zu Indigokreide
Stoffe fühlen, Farben vergleichen und dabei Notizen machen – auf der gut besuchten Messefläche der Kingpins Amsterdam begutachten die Besucher:innen die neuesten Denim-Kollektionen. An einigen Ständen sind die Vertreter:innen in intensive Gespräche vertieft. An anderen schlendern die Besucher:innen in Ruhe selbst zwischen den ausgestellten Stoffmustern. Auf der Messe, die am 14. und 15. Oktober in der SugarFactory in Halfweg stattfindet, sind neben neuen Materialien auch historische Kleidungsstücke, experimentelle Entwürfe und Indigo-Anwendungen zu sehen.
FashionUnited hat sich auf der Messe umgesehen.
Denim in allen Farben und Strukturen
Blau dominiert auf der Kingpins. Unter den Stoffmustern sind aber auch beige, grüne, rote und violette Varianten. An einer Wand sind die Materialien in zwei Kategorien unterteilt: „Natural“ und „Performance“.
Besucher:innen nehmen Muster von den Ständern und vergleichen Farben, Strukturen und Qualitäten. Einige Stoffe sind fest und grob gewebt. Andere fühlen sich glatter und geschmeidiger an.
135 Jahre Denim im Blickpunkt
Der amerikanische Denim-Hersteller Cone Denim feiert sein 135-jähriges Bestehen mit einer Präsentation historischer Kleidungsstücke. In transparenten Vitrinen hängen Denim-Artikel mit verblichenen Farben, Abnutzungsspuren und sichtbaren Gebrauchsspuren. Die verschiedenen Stücke zeigen, wie Denim im Laufe der Zeit sein Aussehen verändern kann.
Experimente mit unerwarteten Materialien
Bei Renegade Renaissance sind ein weißes, drapiertes Kleid und ein schwarzer Entwurf mit langer Schleppe zu sehen. Das Projekt ist eine Kollaboration von Marta und Glenda Goldschmied von Gold Girls Co. mit dem italienischen Textilspezialisten Officina39.
Die Macher:innen experimentieren mit ungewöhnlichen Materialien, darunter Marmorpulver und Rubbellose. Die Entwürfe kombinieren ausdrucksstarke Formen mit Materialverwendungen, die vom gewohnten Bild der Denim-Kleidung abweichen.
Japanische Kleidung und Textiltechniken
Unter dem Motto „Made in Japan“ präsentieren sieben japanische Unternehmen ihre Arbeiten. An einer Wand hängen Kimonos und andere Kleidungsstücke. Einige haben tiefblaue Stoffe mit detaillierten Mustern, andere sind aus leichteren, einfacher gewebten Materialien gefertigt.
Bei der Vita Textile Group wird Denim zu Kleidern mit mehreren Stofflagen, Falten, Streifen und Rüschen verarbeitet. Die blauen Entwürfe haben wenig mit der Form einer klassischen Jeans gemeinsam. Das vertraute Material findet hier eine neue Anwendung.
Von Denim-Farbe zu Zeichenkreide
Indigo wird normalerweise verwendet, um Denim blau zu färben. Der Künstler Jeroen van Kooten verarbeitet das Pigment zu Zeichenkreide. Die Idee entstand, nachdem er bei der Mühle De Kat auf der Zaanse Schans entdeckte, dass er dort Indigo kaufen konnte. Ein alter Müller gab ihm das Grundrezept. „Anschließend habe ich selbst damit experimentiert, um das Rezept zu perfektionieren“, erzählt van Kooten.
Für die Kreide mischt er das Pigment mit Öl und Wachs. Danach gießt er die Mischung in Förmchen. Da das schwere Indigo beim Abkühlen nach unten sinkt, lässt er die Kreidestücke eine Nacht im Kühlschrank.
Für die Kingpins fertigte van Kooten 18 Kreidestücke an. Ihm zufolge war etwa die Hälfte davon innerhalb von zwei Stunden verkauft.
Indigo aus nächster Nähe
Im Obergeschoss befindet sich der „Jeanius Hub“, wo fast 20 Unternehmen Materialien und Techniken für die Denim-Produktion zeigen. Die Präsentationen reichen von Fasern und Farbstoffen bis hin zu Methoden zur Bearbeitung und Veredelung von Stoffen.
Während des „Zen Indigo“-Workshops von Blue Print Amsterdam und Pili arbeiten die Teilnehmer:innen selbst mit dem Pigment. Auf Kissen sitzend tropfen sie Indigo auf Denim-Stücke, um diese zu färben. Sie riechen auch an dem Material, das eine beruhigende Wirkung hat.
Nach Amsterdam reist die Kingpins weiter in die USA. Die nächste Ausgabe findet am 12. und 13. Januar 2027 in Los Angeles statt. Damit kehrt die Denim-Messe nach mehr als zehn Jahren an die amerikanische Westküste zurück.