Pitti Bimbo in Florenz beweist, dass ein intimes Format von Vorteil ist

FashionUnited besuchte die Pitti Bimbo in Florenz. Die 103. Ausgabe war kompakt und fröhlich. Eine kuratierte Auswahl hat hier Vorrang vor der Jagd nach Volumen.
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Der Bereich Kiosk France des Studio Delajoie auf der Pitti Bimbo am 24. Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.
Von Julia Garel

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Die Gänge der Pitti Bimbo waren an diesem Mittwoch, dem 24. Juni, belebt. Die anwesenden Einkäufer:innen auf der florentinischen Kindermodemesse lobten die Dynamik und die fröhliche Atmosphäre der 103. Ausgabe. Ein erheblicher Teil von ihnen profitierte vom Einladungsprogramm der Veranstalter:innen. Es war ein energiegeladenes und optimistisches Treffen, trotz eines Formats, das immer noch kleiner ist als vor der Pandemie.

Sicher ist, dass sich die Landschaft der Kindermode tiefgreifend verändert hat und dieses historische Ereignis keine Ausnahme bildet. Es gab eine Zeit, da versammelte die Messe mehr als 500 Aussteller:innen. „Eine andere Welt!“, erinnert sich Roberto Ruta, Koordinator des Pressedienstes von Pitti, mit Nostalgie. Heute musste sich die florentinische Veranstaltung mit einer komprimierten Ausgabe von rund 120 Marken anpassen und entschied sich für eine bewusste Strategie des Editing. Ähnlich wie die Messen für Ready-to-wear für Erwachsene übernimmt die Pitti Bimbo nun die Rolle einer Kuratorin, bei der jedes anwesende Label sorgfältig ausgewählt zu sein scheint.

Die Einkäuferinnen der französischen Plattform Smallable, Pauline de Montmarin und Iris Langlet, äußerten sich zu ihren Eindrücken von der Messe. Sie bestätigten, mehrere Marken entdeckt zu haben, mit denen sie gerne zusammenarbeiten würden. Besonders begeistert zeigten sie sich von Poco Blush, einem neuen chinesischen Label auf der Messe.

Bevor sie am Wochenende des 27. Juni zur Messe Playtime nach Paris weiterreisten, folgten die Einkäuferinnen der Einladung nach Florenz mit einem klaren Ziel. Sie wollten Marken finden, die echte Begeisterung auslösen. Diese Stücke sollen Smallable das ‘gewisse Etwas’ verleihen und das etablierte Markenportfolio ergänzen, das den Hauptteil des Geschäfts ausmacht. „Unser oberstes Ziel ist es, dem Online-Shop eine besondere Note zu verleihen“, erklärt Pauline de Montmarin. „Wir suchen hier also nach Nischenmarken. Unser Wunsch ist es, ein differenziertes Angebot zu schaffen, einen kleinen Wow-Effekt, etwas, das man sonst nirgendwo findet.“

Blumen-Workshop und Modenschau für Mädchen auf der Pitti Bimbo am 24. Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.
Der Stand der Luxusmarke Junona. Credits: Julia Garel für FashionUnited.

Beim Schlendern durch die bunten Stände fällt als Erstes die Vielfalt der vertretenen Stile und Segmente auf. Die Auswahl reicht von trendigen Marken wie der spanischen Marke Bobo Choses; über Luxusnamen im ‘Prinzessinnen’-Stil wie Speranza oder Junona; bis hin zu Uhren, Schuhen und Tischaccessoires. Das Gesamtbild zeichnet einen Sektor im Wandel – ähnlich wie die Messe selbst –, der im Laufe der Jahre immer nischenorientierter, aber auch sehr kreativ geworden ist.

Über Kindermode hinaus

Diese anspruchsvolle und zugleich erfinderische Haltung kam im Pressebereich voll zum Ausdruck. Anstelle des traditionellen geschlossenen Bereichs, der normalerweise Fachbesucher:innen vorbehalten ist, entschieden sich die Organisator:innen für einen offenen und einladenden Raum. Er war wie eine Café-Terrasse gestaltet, deren Ästhetik einem Film von Wes Anderson würdig wäre.

Der Bereich Kiosk France des Studio Delajoie auf der Pitti Bimbo im Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.

Der Ort mit dem Namen ‘Kiosk France’ wurde vom Kreativduo Anaïs Seguin und Alice Gras, den Gründerinnen des Studio Delajoie, inszeniert. Mit kleinen Matrosenhüten von Pompon Cucu begrüßten sie am Mittwochmorgen mehrere Gäste zu einem köstlichen Frühstück. Das Treffen versammelte einen Mikrokosmos aus Einkäuferinnen, Journalistinnen und Influencerinnen. Alle waren von der kuratierten Auswahl der ausgestellten Marken angetan: Spielzeug von Ratatam; Familienmode von Tajinebanane; Leuchten von La Remise Objets; Kindermode von Club Trésor; oder auch Schuhe von Poppée.

„Ich bin von einer 360-Grad-Vision überzeugt“, bekräftigte Seguin bei diesem Treffen. Der Ansatz des Studios ist es, Kindermode mit der Welt der Damenmode, des Wohlbefindens und der Jugendliteratur zu verbinden. Dieser grenzüberschreitende Ansatz entspricht dem aktuellen Lifestyle-Trend: Ein Gesamtangebot, bei dem sich sowohl Einkäufer:innen als auch Endkund:innen gerne von einzigartigen Geschichten mitreißen lassen.

Als Branchenführerin beherrscht die spanische Marke Bobo Choses diesen ansprechenden Storytelling-Ansatz perfekt. Sie gibt und verkauft sogar illustrierte Bücher, um jeder ihrer Kollektionen Leben einzuhauchen. Diese anspruchsvolle Erzählweise bindet nicht nur ihre Community, sondern ist auch ein starker Vorteil für die Eroberung des Exportmarktes. An ihrem Stand betonte die Marke die Stärke der Pitti Bimbo in diesem Punkt: Die Veranstaltung ermöglicht es, ganz andere Käufer:innenprofile als das Publikum der Playtime zu erreichen. Mit einer starken Präsenz von Akteur:innen aus den USA, Großbritannien, Asien und dem Nahen Osten bestätigt die Messe ihre ultra-internationale Ausrichtung.

Ähnliche Stimmung herrschte am Stand der jungen Schwestermarke True Artist. Die Ausstellerin verriet, dass der erste Tag gut verlaufen sei, „besser als bei der Ausgabe im Januar 2026“. Die Unisex-Outfits der spanischen Marke werden hauptsächlich in Spanien und Portugal hergestellt und richten sich an Kinder und Pre-Teens. Sie werden in Europa über die E-Commerce-Website und mehrere Händler:innen vertrieben. In Frankreich ist die Marke jedoch noch sehr wenig vertreten, wobei die Plattform Smallable eine ihrer wenigen Partnerinnen auf französischem Gebiet ist.

Modenschau auf der Pitti Bimbo am 25. Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.

Die Messe wurde auch von verschiedenen Aktionen und insbesondere von mehreren Modenschauen begleitet. Am Donnerstagmorgen zog eine sehr fröhliche Show viele Menschen an: Sechs Marken präsentierten jeweils drei Kinder-Silhouetten vor einem Publikum, das genauso lächelte wie die kleinen Models.

Lieblingsmarken:

Poco Blush: Bei ihrer allerersten Teilnahme an der Pitti Bimbo fiel die Marke durch einen sehr fantasievollen Ansatz und ein überraschendes Produkt auf: ein T-Shirt, das beim Reiben einen Minzduft freisetzt – ein Bestseller in China. Die Gesamtästhetik ist verspielt, farbenfroh und kokettiert fröhlich mit dem Geist der Verkleidung. Die fast ausschließlich für Mädchen konzipierte Garderobe zeigt kräftige Farben auf raffinierten Teilen, wie einem weiten, bedruckten und wendbaren Kleid.

Der Stand der chinesischen Marke Poco Blush auf der Pitti Bimbo im Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.

Halcyon Nights: Diese aus Australien stammende Marke bietet eine sehr visuelle Vision von Baby- und Kindermode, bei der die Illustration im Vordergrund steht. Ihr Markenzeichen sind mehrere grafische Welten pro Saison. Diese entstehen in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Künstler:innen – von aufstrebenden Talenten bis hin zu etablierten Kreativen –, die alle Motive ihrer Kollektionen entwerfen.

Der Stand der Marke Halcyon Nights auf der Pitti Bimbo, Juni 2026. Credits: Julia Garel für FashionUnited.

Gray Label: Nach dem Erfolg seiner Teilnahme im letzten Jahr war das 2011 gegründete niederländische Label wieder auf der Messe vertreten. Die Marke präsentiert eine sehr schlichte Garderobe, die bis auf Streifen auf jegliche Muster verzichtet. Die Kollektion konzentriert sich auf das Wesentliche: sehr weiche Teile, die in Portugal hergestellt und nur aus zwei Materialqualitäten entwickelt werden.

Sticky Lemon: Die berühmte niederländische Marke für Kindertaschen und -accessoires, die auf der Messe überraschend ihr zehnjähriges Bestehen feierte, baut weiterhin auf ihrem farblichen Erbe auf. Sie präsentierte eine Rucksacklinie, die die wichtigsten Farbtöne vergangener Kollektionen neu interpretiert. Die Hauptattraktion ihres Standes war jedoch ein kleines Gadget, dessen Einführung für Oktober geplant ist: eine digitale Mini-Kamera zum Anhängen an die Tasche. Ein cleveres Objekt, das bereits Kinder und ihre Eltern gleichermaßen begeistert.

Messe Pitti Bimbo Juni 2026. Credits: FashionUnited.

Eine Messe erfindet sich neu

Sich als unumgänglicher Termin in einem überfüllten Einkaufskalender direkt vor dem Pariser Giganten Playtime zu etablieren: Das war die Herausforderung für die Organisator:innen. Zu diesem Anlass hat die Pitti Bimbo keine Mühen gescheut. Das Budget für die Einladung internationaler Einkäufer:innen wurde in dieser Saison leicht aufgestockt – die Messe profitiert weiterhin von staatlichen Förderungen. Aber auch die Arbeit der Führungsteams ist bemerkenswert.

Die Pitti Bimbo startete 2026 eine regelrechte Europa-Roadshow, um den Dialog mit den Fachleuten wieder aufzunehmen. Ein offener Ansatz, der Früchte trug, denn auf diesen Reisen entstand die Idee, den Bereich Kiosk France dem Studio Delajoie anzuvertrauen.

Diese Synergie beweist, dass sich der Erfolg einer B2B-Messe nicht mehr nur an der Anzahl der Besucher:innen oder der gesammelten Visitenkarten misst. Aussteller:innen suchen heute einen qualitativen Rahmen, der Verbindungen schafft, ansprechende Inszenierungen bietet und Emotionen weckt. Auch wenn die Pitti Bimbo heute deutlich bescheidenere Dimensionen aufweist, so ist es doch gerade dieses intime Format, aus dem der nötige Anspruch erwachsen ist, um ihre Formel brillant neu zu erfinden.

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