Das Atelier von Orson + Bodil ist gleichzeitig Museum für vergangene, Geschäft für aktuelle und Werkstatt für zukünftige Kollektionen. Das niederländische Designerlabel hat im Frühling dieses Jahres seine neue Wirkungsstätte im Amsterdamer Nordwesten auf dem ehemaligen Industriegelände der "Westergasfabriek" bezogen, wo auch die neue Amsterdamer Modemesse District in einem alten Gasspeicher am ersten Augustwochenende stattfand.

Für die niederländische Modeszene ist Orson + Bodil nicht irgendein Modelabel unter vielen, es ist so eine Art Wahrzeichen des Avantgarde-Designs in Holland. Als sich die Designer Guus Beumer und Alexander van Slobbe 1989 zusammentaten und international erfolgreiche Mode aus Holland präsentierten, war das auch ein Zeichen zum Aufbruch für die heimische Modeszene. Orson + Bodil war das erste niederländische Haute-Couture-Label, das bei Barneys in New York und bei Joseph in London verkauft wurde. Seit 1994 konzentrierten sich Alexander van Slobbe und Guus Beumer ganz auf die Kreation ihrer Herrenlinie SO. Erst in diesem Jahr begannen sie wieder, zusammen mit Pascale Gatzen an Orson + Bodil zu arbeiten. Die erste Kollektion seit zehn Jahren wurde in diesem Monat vorgestellt.

So ist der museale Effekt im Orson+Bodil-Atelier auch wichtiger Bestandteil des neuen Konzepts - betritt man das Gebäude, fällt sofort der schwarz glänzende Plexiglas-Laufsteg auf, der einmal Teil einer Modenschau in Paris war und jetzt als Präsentationsfläche für einige prägnante Stücke aus vergangenen Kollektionen dient. So wie der schwarze, weich fallende und ungefütterte Mantel aus gewalktem Wollstoff, oder das ärmellose Kleid - vorne am Halsausschnitt ist der Stoff mit einem außen liegenden trichterförmigen Abnäher bis zum Busen in Form gebracht worden. Eine der Mitarbeiterinnen, die gerade an einem Schnitt arbeitet, gibt zu, dass ihr die Rolle der Verkäuferin noch nicht so behagt: "Wenn jemand wirklich etwas kaufen will, wird es schwierig - wir haben noch nicht mal ein Gerät für Kreditkarten." Aber hilfreich dürften all die ausgestellten Kleidungsstücke auf jeden Fall sein, um Wiederholungen zu vermeiden - so wissen die Designer immer, was sie schon einmal kreiert haben.

 

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