Amsterdam Fashion Week: Von tanzenden Models bis hin zu Windmühlen und Supermärkten als Kulisse
Die Amsterdam Fashion Week brachte sowohl Debütant:innen als auch etablierte Namen zusammen. Neue Modelabels wie Dolly Sports und Studio NK teilten sich den Kalender mit bekannten Namen wie Camiel Fortgens und Tess van Zalinge. Sie präsentierten ihre Kollektionen an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt. Neben den Modenschauen umfasste das Programm auch Präsentationen, Talks und andere Events.
Bewegung im Mittelpunkt
Die Amsterdam Fashion Week zeigte, dass eine Kollektion auch anders als nur mit einer klassischen Laufstegshow präsentiert werden kann. Modewochen wie Paris und Mailand halten strikt an Schauen fest, bei denen Models einzeln über den Laufsteg gehen. Im Gegensatz dazu erkunden Amsterdamer Labels alternative Präsentationsweisen. So schickte das Amsterdamer Streetwear-Label The New Originals Tänzer:innen durch das Nxt Museum in Amsterdam-Noord, begleitet von einem Saxofonisten. Anschließend wurde der Kurzfilm „Home Is Where the Heart Is“ gezeigt. Dadurch wurde die Präsentation mehr zu einer Performance als zu einer traditionellen Modenschau.
Das Gleiche galt für Dolly Sports. Das von Eline Starink gegründete Label war in diesem Jahr neu im Kalender der Amsterdam Fashion Week. Anstelle eines traditionellen Laufstegs präsentierte die Marke Models, die auch Tänzerinnen waren, auf einem blauen Teppich. Dieser erinnerte eher an eine Leichtathletik-Laufbahn als an einen klassischen Catwalk. Die Kulisse bildete das ‘t Blauwe Theehuis im Vondelpark. Die Tänzerinnen hielten Cheerleader-Pompons in den Händen, und auch ein moderner Tänzer war Teil der Inszenierung. Dieser sportliche Ansatz unterstrich den Charakter der Herbst/Winter 2026-Kollektion, die metallische Materialien, Windjacken und sportliche Silhouetten umfasste.
Ein drittes Beispiel war Fortanier, das erstmals auf der Fashion Week vertretene Label von Eva Korsten, die zuvor das Schuhlabel Yume Yume mitgegründet hatte. Für die Präsentation wählte Korsten ein verspieltes Set aus niedrigen, zartrosa Podesten, die im Raum verteilt und mit plissiertem Stoff verziert waren. Die Models bewegten sich nicht nur zwischen den Podesten, sondern bezogen sie auch in die Präsentation ein, indem sie darauf liefen und posierten. Auch dieser Ansatz verzichtete auf die feste Route eines klassischen Laufstegs und machte das Set zu einem integralen Bestandteil der Show.
Von der Windmühle bis zum Supermarkt: Die Stadt wird zur Bühne
Niederländische Motive prägten auch die Orte, an denen die Kollektionen präsentiert wurden. So boten beispielsweise Windmühlen eine wiedererkennbare Kulisse für den Designer Ruben Jurriën. Die niederländischen Bezüge gingen über den Ort hinaus, mit Texten wie „Wees lief“ (Sei lieb) und „I Love Gezellig“ als klare Anspielungen auf die niederländische Kultur. Es war kein Zufall, dass die Kollektion den Titel „Maak Nederland weer Gezellig!“ (Mach die Niederlande wieder gemütlich!) trug.
Camiel Fortgens präsentierte seine Frühjahr/Sommer 2027-Kollektion nach Ladenschluss im Albert-Heijn-Supermarkt am Stadionplein in Amsterdam-Süd. Teammitglieder der niederländischen Modemarke trugen die unverkennbare Arbeitskleidung von Albert Heijn, während die charakteristischen Pieptöne der Kassen während der Show zu hören waren. Die Models liefen mehrere Runden durch den Supermarkt, wobei mitten in der Show eine zusätzliche Schicht, wie eine Jacke, zu den Looks hinzugefügt wurde. Anschließend war die Stimme von Fortgens über die Gegensprechanlage zu hören, um sich bei den Anwesenden zu bedanken und sie zum Ausgang zu leiten. Der unkonventionelle Ort erinnerte an die Ready-to-wear-Show von Chanel im Jahr 2014, als Karl Lagerfeld seine Kollektion ebenfalls in einem Supermarkt präsentierte.
Die 20. Ausgabe des Showcase Lichting für Debütant:innen fand in der Passage des Rijksmuseums am Museumplein statt. Die Talentplattform, die seit 2007 jungen niederländischen Designer:innen eine Bühne bietet, feierte ihre Jubiläumsausgabe an einem der prominentesten Kulturorte der Niederlande.
Amsterdam Fashion Week wird zu einer breiteren Branchenplattform
Auch abseits der Modenschauen wurden während der Amsterdam Fashion Week Kooperationen gezeigt, die über traditionelle Kollektionspräsentationen hinausgingen. So tat sich beispielsweise die von Elza Wandler gegründete niederländische Accessoire-Marke Wandler mit der britischen Modeplattform Puss Puss Magazine für ein limitiertes Magazin zur Herbst/Winter-2026-Kapselkollektion „A Study in Glaze“ von Wandler zusammen. Die Kollektion umfasst die Taschenmodelle Hortensia, Penelope und Ida aus Kalbsleder mit glänzendem Finish. Puss Puss, das seit 2014 halbjährlich von London aus als Magazin und digitale Plattform veröffentlicht wird, setzte die Kollektion mit seinem eigenen internationalen kreativen Netzwerk in einen redaktionellen Kontext.
Die Zusammenarbeit zeigt, wie Marken eine Modewoche nutzen können, um eine Kollektion nicht nur durch eine Show, sondern auch durch andere Medien und Partnerschaften hervorzuheben. Für Wandler war Amsterdam ein logischer Ort: Die Marke wurde in der Stadt gegründet und entschied sich, das limitierte Magazin während der lokalen Modewoche zu präsentieren.
Darüber hinaus konzentrierte sich das Event der United Repair Academy mit Levi's nicht auf die Einführung einer neuen Kollektion, sondern auf die Verlängerung der Lebensdauer bestehender Kleidung. Die Zusammenarbeit während der Amsterdam Fashion Week stand im Zeichen von Reparatur und Handwerkskunst und betonte die Rolle von Reparateur:innen in einer Modebranche, die sich zunehmend der Kreislaufwirtschaft verschreibt.