Der angeschlagene deutsche Modekonzern Steilmann konnte eine drohende Insolvenz mit Hilfe eines italienischen Investors in letzter Minute verhindern. Wie deutsche Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten, engagiert sich der italienische Handelsdienstleister Miro Radici nach zähen, fünf Tage andauernden Verhandlungen in dem Bochumer Traditionsunternehmen, nachdem Geschäftsführerin Ute Steilmann Mitte letzter Woche noch sämtliche Verhandlungen mit potentiellen Investoren für gescheitert erklärt hatte.

Das Textilunternehmen Steilmann, im Jahre 1958 von Klaus Steilmann gegründet, hatte in den 80er Jahren noch den guten Ruf eines Stil bildenden Vorreiters in der deutschen Modebranche und fertigte Designer-Kollektionen von Karl Lagerfeld. Mit der Zeit setzte die Marke jedoch zunehmend Patina an und versuchte in den letzten Jahren, mittels Handelsverträgen mit Billig-Discountern wie Aldi oder Lidl sein verstaubten Image loszuwerden und gleichzeitig neue Absatzmärkte zu erschließen. Ein Plan, der gründlich fehlschlug. Das Unternehmen schrieb beständig rote Zahlen und rutschte immer weiter in die Schuldenfalle. Ständige Wechsel in der Führungsetage trugen ebenfalls dazu bei, jegliche Art von Kontinuität in der Firmenstrategie im Keim zu ersticken. Nachdem sich vor sieben Jahren Gründervater Klaus aus der Konzernführung zurückgezogen hatte, übernahm zunächst Tochter Britta Steilmann die Geschäfte, bevor auch sie aufgrund unüberbrückbarer Differenzen mit ihrem Vater hinschmiss. Ihr folgte der frühere Hugo Boss-Chef Joachim Vogt, der jedoch mindestens ebenso unglücklich agierte. In den letzten Jahren führte dann Schwester Ute Steilmann das stark in Seenot geratene Unternehmen, konnte aber ebenfalls keine Trendwende einleiten.

Obwohl erst im Jahre 2003 in einem Großreinemachen jeder zweite Arbeitsplatz bei Steilmann gestrichen wurde und am Heimatstandort Bochum nur noch 500 Beschäftigte übrig blieben, konnte sich das Unternehmen nicht mehr berappeln. Der neue Herr im Hause kündigte nun kurz nach Vertragsunterzeichnung der Übernahme an, weitere 100 bis 120 Arbeitsplätze zu streichen, um die Kosten weiter zu senken und die Firma so langfristig aus der Schuldenfalle zu führen. Und man probagiert wieder vorsichtigen Optimismus. In spätestens zwei Jahren, so die neue Konzernführung, wolle man wieder schwarze Zahlen schreiben. Keine Änderungen sind hingegen beim Firmennamen geplant. Er soll auch nach der 100-prozentigen Übernahme durch Miro Radici bei Steilmann verbleiben.

 

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