Das wohl älteste Dilemma der Designgeschichte beschäftigte am vergangenen Samstag eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde in Düsseldorf. Die Igedo Company hatte am Vorabend der Wäsche- und Beachwear Messe Body Look zur Podiumsdiskussion geladen, um das Thema "Mode und Wäsche im Spannungsfeld von Schönheit und Funktion" fachlich versiert zu erörtern. 120 Teilnehmer konnten sich für diese Frage aller Fragen begeistern und wollten sich über die Materie informieren, die laut den Organisatoren "bei richtiger Umsetzung für Handel und Hersteller viele Potenziale in sich birgt."

Frank Hartmann, Geschäftsführer der Igedo Company, gab sich bei seienr Begrüßungsrede geradezu euphorisch ob der neuen Chancen für die Wäschebranche: "Hightech eröffnet der Body- und Beachwearbranche neue Horizonte, neue Märkte, neue Nischen." Die sieht auch Hermann Fuchslocher von der HFU Unternehmensberatung, vor allem im Bereich Wellness: Ein Ergebnis der mehr als 500 von uns geführten Experteninterviews ist, dass der Dessous- und Bademodenmarkt nach Verkaufspreisen zwischen 100 bis 150 Millionen Euro mehr Umsatz erwirtschaften könnte." Als Voraussetzung für die volle Wertschöpfung nannte Fuchslocher eine "intensivere Auseinandersetzung mit den Themen Wellness, Pflege, Fitness und Gesundheit" und mahnte eine Basiskompetenz an, die Über das Produkt hinausgehe. Diese ergebe sich aus der Glaubwürdigkeit von Preis, Leistung und Image. Eine Erkenntnis, die sicherlich so manchen Vertriebsprofi aus dem Modegeschäft die Tränen in die Augen getrieben haben dürfte. Doch auch die Marketingabteilungen der Wäscheunternehmen durften sich bei Fuchslochers Trendanalyse noch mal auf die Schenkel klopfen: "Eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit kommt einer zielgruppen- funktions- und identifikationsgerechten Werbung zu" so der Unternehmensberater in allwissender Manier. Dem Publikum wurde immer klarer: hier kann man noch richtig etwas lernen.

Eher aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive nahm sich eine weitere Referentin des Abends, die Dekanin des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, des Themas an. Sie verwies vor allem auf die Errungenschaften der Wissenschaft in der Weiterentwicklung moderner, textiler Fasern hin. Erst die Mischung mit Chemiefasern mache natürliche Rohstoffe profitabel, so die Forscherin. Außerdem sei in diesem Bereich noch eine Menge Luft nach oben, so die Professorin. Man könne sich bereits jetzt auf die Entwicklungen der Zukunft freuen.

Ob es am Altersdurchschnitt des Publikums lag, oder tatsächlichen, ökonomischen Überlegungen geschuldet wurde, weiß man nicht. Jedenfalls zog sich ein Thema fachübergreifend durch sämtliche Redebeiträge des Forums: Die Best-Ager, die Generation 50-plus. Da in drei Jahren jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein werde, würden aufgrund der dann herrschenden Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung innere Werte den äußeren vorgezogen. Man solle daher mehr auf die Faktoren Lebensqualität und Ausgeglichenheit setzen, als auf äußeren Schein und Materialismus. Gut, dass sich dies noch nicht bis zu den Machern der Modenschauen herumgesprochen hatte, die am folgenden Sonntag auf der Messe Body Look stattfanden. Da schien es nämlich gewaltig, und die äußeren Vorzüge schlugen die inneren um Längen. Dies wird wohl auch noch im Jahr 2010 der Fall sein. Und die anwesenden Best-Ager hatten wahrlich ihren Spaß.

 

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