Die erste Kollektion von John Galliano für Zara: Apotheose der „Fast Couture“

Ein Einblick in die Details und Looks der ersten Kollektion des Designers für die Hauptmarke der Inditex-Gruppe, die mit Techniken der Haute Couture gefertigt wurde.
Mode
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Von Jaime Martinez

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Am Donnerstag wurde die mit Spannung erwartete erste Kollektion von John Galliano für die spanische Textilkette Zara vorgestellt. Sie steht für „Fast Couture“, eine Weiterentwicklung des „Fast Fashion“-Konzepts, das Mode und Design demokratisieren will. „Fast Couture“ orientiert sich dabei an den Codes, der Sensibilität und den Prozessen der Haute Couture.

Mit „Re{form} Zara Vol. 1“ hat der zum Bekleidungskonzern Inditex gehörende Einzelhändler dieses Prinzip nun auf die Spitze getrieben. Diesen Namen trägt die erste Kollektion von Designer John Galliano für Zara. Galliano war zuvor Kreativdirektor bei Givenchy, Dior und Margiela gewesen. Die Kollektion ist Teil einer kreativen Partnerschaft zwischen der Marke und dem Modeschöpfer, die im vergangenen März angekündigt wurde und auf mindestens zwei Jahre ausgelegt ist.

Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.

Die Kollektion wurde nun in Paris mit einer eigenen Installation während der laufenden Modewoche vorgestellt. Zara, Inditex und Galliano selbst haben damit ein Gegenprogramm zum Laufsteg geschaffen. In der Rue des Archives 70 können alle Kleidungsstücke und Accessoires der Kollektion entdeckt werden. John Galliano entwarf sie basierend auf seiner Vorstellung von „französischen Revolutionär:innen“ und den Techniken, die er in seinen Jahren bei Haute-Couture-Häusern erlernt hatte, wobei er auf Stücke aus den Zara-Archiven zurückgriff.

Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.

„Re{form} Zara ist ein Akt der Revolution, des Wiederaufbaus und der Erneuerung: eine kreative Zusammenarbeit zwischen dem Couturier John Galliano und Zara“, betonte die Textilkette in einer Mitteilung. Schon mit der ersten Ausgabe werde „ein Dialog zwischen dem Schöpfer und den Archiven von Zara eröffnet“.

„Konzipiert von John Galliano und aufgebaut auf der Erinnerung von Zara“, heißt es weiter, „geht das geschlechtsneutrale Angebot von archetypischen Kleidungsstücken und Accessoires aus, die durch Haute-Couture-Techniken neu geformt und in neuen Materialien reproduziert werden“. Alles basiere auf dem engen „Dialog zwischen dem Couturier John Galliano und den wesentlichen Kleidungsstücken der Zara-Garderobe“.

Dieser verstehe der Designer der Mitteilung zufolge als „Prototypen“. Er „schneidet, dekonstruiert und setzt bestehende Ausdrucksformen spontan neu zusammen, um sie in neue zu verwandeln“. So entstehe ein Universum, in dem Charaktere zum Leben erwachen, die zu einem grundlegenden Kapitel in Gallianos kreativer Welt gehören: „Les incroyables“ und „Les merveilleuses“. Diese „herausfordernden Dandys und Diven des postrevolutionären Frankreichs“ würden „aus einer zeitgenössischen Perspektive durch subversive und illusorische Kompositionen neu interpretiert“. Ergänzt werde dies durch „neue Perspektiven“ und kreative Impulse, die vom „bürgerlichen Geist der Gartenkleidung“ und dem „Glamour des Film Noir“ inspiriert seien.

Haute-Couture-Techniken im Dienste von Zara

Diese „merveilleuses“ und „incroyables“ stammen direkt aus Gallianos kreativer Vorstellungswelt. Sie inspirierten nicht nur die Kollektion sondern auch die zugehörigen Kampagnenbilder. Dabei setzte Galliano auf seine Erfahrungen in der Haute Couture.

Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.

So entstand eine Kollektion, mit Galliano Techniken in die Zara-Welt einführt, die üblicherweise für Haute-Couture-Kollektionen verwendet werden. Dies zeigt sich beispielsweise bei verschiedenen transparenten Kleidern, die übereinander getragen werden können. Ein weiteres Beispiel ist ein Mantel aus den Zara-Archiven, der zu einem transparenten Objekt umgestaltet wurde. Er hat Details aus Kunstpelz an Kragen, Bündchen und Saum. Die Träger:innen können das Stück variieren, indem sie es mit anderen Teilen kombinieren.

Zudem werden bestehende Kleidungsstücke durch Änderung ihrer Maße, Passform oder Materialität neu konfiguriert und anderen Kleidungskategorien zugeordnet. Dieser Prozess ist in dieser Kollektion besonders präsent. Er zeigt sich in Hemden aus dem Zara-Archiv, die in Ledermäntel „verwandelt“ wurden, einem Spitzenkleid, das zu einem Kragen mit Rüschenjabot wurde, einem Pullover aus dem Zara-Archiv, der auf links gedreht und als Stola präsentiert wird, oder in Sansculotte-Hosen, die aus der Verschmelzung von Hosen und Shorts aus dem Archiv der Modekette entstanden sind.

Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.

Weitere individuelle Entwurfstechniken brachte Galliano zum einsatz, um Jacken aus dem Zara-Archiv eine „herausfordernde Haltung“ und den „energische Ausdruck“ zu verleihen, den Galliano sich für seine revolutionären „incroyables“ vorstellt, basierend auf Illustrationen aus dem postrevolutionären Frankreich.

Zudem verwandelt er Oberbekleidung in Gehröcke und kombiniert Röcke, Unterkleider und Futterstoffe aus dem Zara-Archiv zu Wickelröcken, transformiert Mäntel und macht aus Lingerie-Kleidern Empire-BHs mit fließenden Trägern am Rücken.

Zum Einsatz kommen Materialien wie „plume zoom“, ein Stoff, der so behandelt wird, dass er aus der Ferne wie Gefieder aussieht, oder „mouche volant“, eine von Vorbildern aus dem 18. Jahrhunder inspirierte Stickerei, die in Form von dreidimensionalen Streifen auf Kleidern und Mützen auftaucht

Das Taschenmodell „Tri-Chic“ wurde von einem Müllsack inspiriert

Die Kollektion zeigte eine reichhaltige Farbpalette. Sie reicht von den typischen Farben der traditionellen Herrengarderobe wie Schwarz, Grau, Braun, Bordeaux, Marineblau oder Weiß bis hin zu roten Akzenten und Farbtönen aus der Welt der Gartenarbeit und des Film Noir. Diese ästhetischen Kontraste manifestieren sich jenseits der Muster in Olivgrün, Khaki, Mint, Braun, Gold, Blassblau, Ocker und Orange auf der einen Seite. Auf der anderen Seite finden sich Orchideenrosa, Lila, Türkis und Säuregrün.

Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.
Kampagnenbild der Kollektion Re{form} Zara Vol. 1 von John Galliano für Zara. Bild: Zara.

Auf dieser Farbpalette basieren die verschiedenen Kleidungsstücke der Kollektion. Dazu gehören drapierte Kleider aus Chiffon Voile mit Spitzenmustern oder Vinyldetails; Mäntel, Jacken, Gehröcke, Anzüge und Hosen aus traditionellen Wollstoffen der Herrengarderobe, Netzkleider mit Kunstpelz- oder Federdetails aus Georgette-Stoff, Popeline-Hemden; Trenchcoats aus Wolle, Baumwolle und Vinyl sowie Lederjacken und Bleistiftröcke.

Ergänzt werden diese Stücke durch passende Accessoires. Dazu zählen verschiedene vom Designer überarbeitete Schuhe aus dem Archiv der Kette, abnehmbare, romantisch inspirierte Stehkragen und Seidenkrawatten, operninspirierte Handschuhe aus Tüll und Leder sowie kniehohe Socken, die gerippt sind, um sie über den Fersen gerafft zu tragen. Die zugehörige Hutkollektion hat Galliano gemeinsam mit dem Hutmacher Stephen Jones entworfen. Außerdem gibt es die „Tri-Chic“, die erste Tasche von Zara „mit Namen“. Sie ist von einem Müllsack inspiriert.

„Die ‚Tri-Chic‘ ist eine wendbare Beuteltasche, die die Sprache von Müllsäcken untergräbt und sie in die glamouröse Welt der Handtaschen überträgt“, teilte Zara mit. „Ihr Name ist eine Anspielung auf ‚tri sélectif‘ – die Mülltrennung auf Französisch.“

Das Taschenmodell mit Riemen und einem Metallkettenverschluss, kann nach Angaben des Unternehmens auf drei verschiedene Arten getragen werden kann: in der Hand, über der Schulter oder als Rucksack. Das Modell ist in seiner großen Ausführung in Kombinationen aus schwarzem und gelbem Nylon, schwarzem und khakifarbenem Nylon, schwarzem Leder und Wildleder sowie khakifarbenem Leder und bedrucktem Wildleder mit Tweed-Effekt erhältlich. Die „Mini“-Version gibt es in Leder mit Metallic-Finish.

FW26
Herbst/Winter 2026/2027
Inditex
John Galliano
Zara