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Fashion Week in Kasachstan: Schaufenster für Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft

Mode
Zhsaken auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Alex Dobe.
Von Alicia Reyes Sarmiento

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Almaty ist weit mehr als nur ein geschichtsträchtiger Knotenpunkt der alten Seidenstraße. Kasachstans kulturelles Zentrum liegt am Fuße einer imposanten Bergkette und wird von modernen, gläsernen Wolkenkratzern dominiert. Diese zwei Welten scheinen auch in der hiesigen Modewoche aufeinander zu treffen.

Die jüngste Ausgabe der Fashion Week Almaty fand vom 28. bis 30. April in der ehemaligen kasachischen Hauptstadt mit dem Kreditinstitut Visa als Sponsor statt. Die Veranstaltung brachte 18 Designer:innen aus Kasachstan, Aserbaidschan, Armenien, Ungarn und Marokko zusammen. Sie positionierte die Stadt als Epizentrum eines kreativen Dialogs über Identität und kulturellen Wandel in Zentralasien.

Das Konzept der Veranstaltung knüpft direkt an diese Idee der fortschreitenden Transformation an. Kasachstan präsentiert sich nicht nur als Erbe, sondern als offener Dialog zwischen dem, was war, was ist und was es sein möchte. In diesem Austausch von Blicken – dem inneren und dem äußeren – findet das Konzept dieser Ausgabe seinen Ausdruck. Sie findet unter dem Motto „seeing and being seen"(Eng.: sehen und gesehen werden) statt.

„Es ist die Erkenntnis, dass unsere Identität hier und jetzt geformt wird, in den Augen der anderen und in unserem eigenen Spiegelbild“, erklärte Bauyrzhan Shadibekov, Chief Executive Officer (CEO) der Fashion Week Almaty. Er bezog sich dabei auf den kreativen Moment, in dem sich das Land befindet.

Identität

Maison Artc, das vom marokkanischen Designer und Künstler Artsi Ifrach gegründete ‚Kulturhaus‘, war eine der herausragendsten Präsenzen dieser Ausgabe in Almaty. Das Haus wurde 2022 mit dem Fashion Trust Arabia Award ausgezeichnet.

Die Arbeit von Ifrach regt eine Reflexion darüber an, wie kulturelle Identitäten im globalen Umlauf konstruiert und projiziert werden. Dies ist eine besonders relevante Frage in einem Kontext, in dem die Mode, so seine Überzeugung, nicht mehr ausschließlich den großen Hauptstädten gehört. Stattdessen beginnt sie, sich von anderen kreativen Zentren aus zu entwickeln.

Backstage bei Maison ARTC auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Ayana Ali.

Artsi Ifrach distanziert sich bewusst von der Serienproduktion, um seine Arbeit näher an der Kunst zu positionieren. Seine einzigartigen Stücke bewegen sich zwischen Mode, Performance, Fotografie und materiellem Archiv. Die Verwendung von wiederverwendeten Textilien und die Zusammenarbeit mit Kunsthandwerker:innen sind dabei kein zusätzliches diskursives Element, sondern der Kern seiner Praxis. Jede Kollektion ist fast wie eine mobile Ausstellung zu verstehen, in der die Mode als narratives und kritisches Medium dient.

Backstage bei Maison ARTC auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Ayana Ali.

Kulturelle Brücken

Die Internationalisierung der Modewoche wurde auch durch die Zusammenarbeit mit der Budapest Central European Fashion Week gestärkt. Diese Kooperation brachte die ungarische Marke Nanushka mit ihrer Kollektion ‚Sacred Utility‘ auf die Bühne.

Backstage bei Nanushka auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Anna Dodonova.

In diesem Geflecht von Einflüssen hat auch die italienische Mode einen fruchtbaren Boden für den Dialog gefunden. Ihre Präsenz in Zentralasien ist somit mehr als nur eine kommerzielle Expansion. Aus institutioneller Sicht etabliert sich die Italian Trade Agency in Almaty als strategische Brücke zwischen den beiden kreativen Ökosystemen.

Ihre Arbeit beschränkt sich nicht darauf, italienische Marken auf dem kasachischen Markt einzuführen. Sie fördert auch den umgekehrten Talentfluss, indem sie lokale Designer:innen und Unternehmen mit dem italienischen Ausbildungs- und Produktionssystem vernetzt.

Das Ergebnis ist ein Prozess der Ko-Evolution. Hier fungiert die Mode als Instrument der Kulturdiplomatie, des Wissenstransfers und der Schaffung neuer beruflicher Identitäten.

Entwicklung zu einem globalen Ökosystem

Danara Usmanova, Commercial Director für den Almaty-Ableger des US-amerikanischen Department Stores Saks Fifth Avenue, erklärte während eines von der Organisation veranstalteten Gesprächs, wie die Modebranche in Kasachstan einen Wandel durchläuft. Dies geschieht durch Verkaufsflächen wie Saks Fifth Avenue in Almaty und Astana.

„Es geht nicht mehr nur um Kreativität“, betonte sie, „sondern darum, aufstrebende Designer:innen dabei zu unterstützen, internationale Standards, Produktionsprozesse und kommerzielle Kommunikationsinstrumente zu verstehen.“ Dieser Wandel spiegelt den Übergang von einer eher lokalen und künstlerischen Mode zu einer strukturierteren Industrie wider. Diese hat das Potenzial, zu wachsen und sich auch außerhalb des Landes zu etablieren.

Bilder vom Galadinner. Credits: Timur Epov.

In diesem Zusammenhang legte der erste Abend der Veranstaltung den Fokus auf nationale Identität und lokales Handwerk. Es handelte sich um eine traditionelle Gala, die von Saken Zhaksybayev und dem Fashion Bureau im Almaty Theatre unter dem Motto ‚Made in Kazakhstan. Made with Love‘ organisiert wurde.

Das neue Theater von Almaty wurde von den Gästen in einen lebendigen Social Runway verwandelt. Mit sorgfältig kuratierten Ensembles kreierten die Anwesenden eine kollektive Hommage an die Mode, die weit über die Ränder der offiziellen Defilees hinausging.

Bilder vom Galadinner. Credits: Timur Epov.

Der Streetstyle des Events war weit mehr als ein isoliertes Phänomen; er etablierte sich als ein eigenständiges Kapitel innerhalb der Erzählung der Fashion Week. Täglich strömten zahlreiche Fotografen zum Atakent Exhibition Center, um die Looks der Gäste an verschiedenen Punkten des Geländes einzufangen. So verwandelte sich das Beobachten und Inszenieren von Stil in eine fast schon choreografierte Dynamik.

Streetstyle der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Alex Dobe.
Streetstyle der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Goldie Williams Vericain.

Fünf Schlüsselpositionen

Dieses Gleichgewicht zwischen Tradition und Experimentierfreude bringt derzeit eine ganz eigene kreative Sprache hervor. Kasachstan positioniert sich damit auf der internationalen Landkarte weit über den Status eines bloßen „Newcomers“ hinaus.

Im Folgenden findet sich eine Auswahl von fünf Labels, welche die relevantesten Strömungen der Visa Fashion Week Almaty prägnant zusammenfassen:

ZhSaken (Kasachstan)

Saken Zhaksybayev, Gründer des Fashion Bureau und eine der zentralen Persönlichkeiten hinter dem Event, beschloss die drei Tage der Defilees mit einer Kollektion, die als modisches Grundsatzprogramm verstanden werden kann. In „Art Is Not Enough“ verortet er die Mode in einem Zwischenraum zwischen Intuition und Bewusstsein – ästhetisch inspiriert von der Energie zeitgenössischer Kunstbiennalen.

Das Ergebnis ist ein Pop-Surrealismus, bei dem der Kontrast zwischen klassischen Weiblichkeits-Codes und sportiven Accessoires eine bewusst hybride Erzählweise erzeugt. Vichy-Karos, urbane Grafiken und amplifizierte Volumina werden eingesetzt, um den herkömmlichen Luxusbegriff herauszufordern und ihn in ein spielerisches, fast schon ironisches Terrain zu überführen.

Zhsaken auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Diyar Ussenov.

Die Kollektion entfaltet sich in einem Spiel der Kontraste. Architektonische Strukturen treffen auf kraftvolle Akzente in Rot und tiefem Blau, während fragile Transparenzen neben dichten, schweren Texturen bestehen. Das Ergebnis ist eine Serie von Looks, die sich in einem Zustand ständiger Transformation zu befinden scheinen – fast so, als wäre jeder Entwurf eine eigenständige Geste innerhalb eines größeren Manifests über die kreative Freiheit.

Mariko (Kasachstan)

Mariko auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Omirbek Alibekovich.

Mari Airapetyan, die Gründerin der Marke Mariko, übersetzt die Erinnerung an Migration in textile Materie. Ihre Kollektion „Urmia“ findet ein präzises Gleichgewicht zwischen Kunsthandwerk und Zeitgeist: Gehäkelte Elemente, extrem lange Fransen und Stoffe mit starker haptischer Präsenz verleihen den ansonsten puristischen Silhouetten eine besondere Dichte.

Die Kollektion zeichnet sich durch eine „Quiet Sophistication“ aus – eine zurückhaltende Raffinesse. Eine neutrale Farbbasis wird dabei gezielt durch Akzente in vibrierendem Orange und tiefem Violett unterbrochen, was die formale Auseinandersetzung mit der Materialität unterstreicht. Fernab von bloßer Nostalgie gelingt es Airapetyan, traditionelle Codes nach einer dezidiert modernen Logik neu zu konfigurieren.

YesYes! (Kasachstan)

Yes Yes! auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Epov Timur.

Esmukhan Esbolat, Gewinner der sechsten Ausgabe des 'Next Designer Award empowered by Visa' und Yes Yes!-Designer, präsentierte mit „Bitpeytin Toy“ eine der konzeptionell stärksten Positionen dieser Saison.

Ausgehend von der ländlichen Bildsprache und der festlichen Ikonografie der 2000er-Jahre formuliert der Designer traditionelle kasachische Feierlichkeiten aus einer kritischen Perspektive neu. Das „glänzende Chaos“ der Toys (traditionelle Feste) wird dekonstruiert und durch eine Ästhetik neu interpretiert, die deutliche Cyberpunk-Referenzen aufweist: Neon-Paletten, exzessive Volumina in Materialien wie Federn und Accessoires, die das Gesicht vollständig verbergen.

Das Ergebnis ist eine visuelle Erzählung, die zwischen Nostalgie und Dystopie oszilliert. Esbolat entwirft damit eine Vision der Haute Couture, die von den kulturellen Spannungen der Gegenwart durchzogen ist.

Sako (Kasachstan)

Sako auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Epov Timur.

Das Debüt von Saltanat Abdildaeva ist als intime Exploration des Prozesses der Selbstakzeptanz angelegt. Durch eine auf Kontrasten basierende Bildsprache lässt die Designerin starre, grafische Strukturen auf weiche Volumina und florale Ornamente von fast schon übersteigertem Charakter treffen.

Der Übergang von tiefem Monochrom-Schwarz hin zu einer expressiveren Farbpalette fungiert dabei als Metapher für die Entfaltung einer eigenen Identität. Das Ergebnis ist eine Kollektion, die persönliche Erfahrung in eine höchst spannungsvolle modische Aussage übersetzt.

Manuk Aleksanyan (Armenien)

Manuk Aleksanyan auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Nadi Artview.

Aus Armenien bringt Manuk Aleksanyan eine Reflexion über die suggestive Kraft des Glaubens auf den Laufsteg. Seine Kollektion „Effect Placebo“ artikuliert sich durch einen düsteren Maximalismus, der Grunge-Elemente mit den Ausdrucksmitteln der künstlerischen Avantgarde verbindet.

Starre Silhouetten, mit großformatigen Pailletten bearbeitete Oberflächen, Federn und Graffiti fügen sich zu einem Entwurf von starker szenischer Präsenz zusammen. Aleksanyan positioniert sich damit in einem Territorium jenseits des Konventionellen und exploriert eine visuelle Identität, die roh, theatralisch und dezidiert provokant ist.

Manuk Aleksanyan auf der Visa Fashion Week Almaty. Credits: Epov Timur.

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