• Home
  • Nachrichten
  • Mode
  • Fassbender – ein junges Label mit nachhaltigen Ambitionen

Fassbender – ein junges Label mit nachhaltigen Ambitionen

Von Pia Schulz

1. Sept. 2021

Mode |Interview

Bild: Fassbender SS22

Jahrelang hat Christina Fassbender in einem Modekonzern gearbeitet, doch irgendwann konnte sie die dortige Arbeitsweise nicht mehr mit sich vereinbaren. Gemeinsam mit ihrem Bruder Sebastian Steinhoff, der über die uninspirierenden Grenzen seines Berufes hinaus wollte, hat sie das Label Fassbender gegründet. Im Interview spricht die Gründerin über ihre erste Show auf der kommenden Berlin Fashion Week, die Pandemie und die Geschichte hinter ihrem Label.

Bisher zählt die Marke inklusive den Gründern vier Mitarbeiter, das Atelier ist in Hamburg. Dort entwirft Fassbender in Zusammenarbeit mit Kreativ-Direktor Matthias Louwen die Designs für ihr Label. „Ich sehe eine absolute Lücke in dem High-Fashion-Luxus-Segment, das nachhaltig geprägt ist”, sagte Fassbender im Interview. Genau diese Lücke möchte sie mit ihrem Label füllen.

Bild: Christina Fassbender

Die Brand verkauft ihre Design bis jetzt nur online über den eigenen Shop, sowie über internationale Marktplätze wie Beunica, Atterly, Curated Crowd, The Wearnes, Seezona erhältlich. Doch das soll sich bald ändern. Das Label wird ab Herbst erstmals auch offline in der Münchner Boutique Sois Blessed verkauft, auch mit größeren Online-Händlern ist Fassbender im Gespräch. Aktuell ist das Label auf der Suche nach einem strategischen Investor, um mit fremden Kapital sein Wachstum zu beschleunigen.

Mit ihrer SS22-Kollektion tritt die junge Brand weiter ins Scheinwerferlicht und präsentiert nun erstmals auf einer Modewoche. Am 7. September schickt Fassbender ihre Entwürfe über den Laufsteg der Mercedes Benz Fashion Week im Berliner Kraftwerk.

Frau Fassbender, warum haben Sie sich entschlossen, bei der Berliner Modewoche zu zeigen?

Viele hätten wahrscheinlich erwartet, dass wir als nachhaltig geprägtes Luxuslabel eher in Kopenhagen zeigen würden, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Wir sind stolz darauf, eine der deutschen Luxusbrands im High-Fashion-Bereich zu sein und ich möchte damit ein Zeichen setzen und ganz klar meinen Standpunkt für Deutschland und auch für Berlin zeigen. Auch deswegen möchten wir als deutsches Label, das seine allererste Show zeigt, unser Publikum in unserer Heimat begeistern. Natürlich kann man sagen, dass in Zeiten der Digitalisierung der Standort selbst egal ist, weil sowieso alles per Livestream übertragen wird. Aber auf der anderen Seite ist es wiederum so wunderschön für die Leute, die reisen können und es vor Ort miterleben können.

Bild: Fassbender SS22

Können Sie uns vielleicht einen kleinen Einblick in Ihre Show geben?

Die SS22-Kollektion, die wir zeigen werden, ist in einem Lockdown während der Pandemie entstanden. Wir konnten also nicht reisen und an keinen kulturellen Veranstaltungen teilnehmen. Inspirativ gesehen, war es also unglaublich anders und deshalb habe ich mich zurückgezogen und überlegt, was meine größten Sehnsüchte sind, die jetzt gerade in diesem Lockdown und der Pandemie entstanden sind. Und die größte Sehnsucht war meine Lieblingsinsel Ibiza, auf der ich zum Teil groß geworden bin.

Das habe ich dann als Ausgangspunkt genommen und habe überlegt, was mich in meiner Zeit dort besonders stark geprägt hat. Die Mode ist sehr lebensbejahend, voller Hoffnung und voller Lust wieder auf die Straßen zu gehen und mit anderen Menschen zusammen das Leben zu feiern. Oftmals verbindet man Ibiza mit Urlaub, aber die Kollektion ist, genau wie die gesamte Brand, sehr urban geprägt. Dazu werden wir unsere erste eigene Denim-Kollektion launchen – unsere Kundin kann sie als Pre-order direkt vom Runway kaufen und hat sie drei Wochen später bei sich daheim.

Der bisherige Stil Ihrer Kollektion war immer sehr nordisch, inspiriert durch Ihr Leben in Hamburg. Wie vereinen Sie diesen Stil mit den Einflüssen von Ibiza?

Der Stil der gesamten Kollektion ist natürlich sehr stark von meiner eigenen Stilistik geprägt und ich habe die hanseatische Ästhetik sehr stark in mir verankert. Dann habe ich für mich überlegt, wie ich dieses starke Gefühl und diese extreme Lebensfreude von Ibiza mit meinen Schnittmachern und meinem hanseatischen Understatement auf Fassbender-Art-und-Weise umsetzen kann. Herausgekommen ist diese Kollektion, die auch etwas femininer geprägt ist. Darauf bin ich sehr stolz, das ist für mich ein Schritt nach vorne.

Wie denken Sie, hat die Pandemie die Mode und die Haltung der Menschen zu ihr verändert?

Ich glaube, wenn Mode tatsächlich ein Spiegel der Zeit ist, dann zeigt sie uns, dass Luxus nicht mehr nur ein rein materielles Gefühl ist. Es geht vielmehr darum, dass man Luxus auch auf der Haut fühlen möchte und sich mit diesem Luxus auch zu Hause wohl fühlen will. Vor der Pandemie hatten wir nicht das Bewusstsein dafür, wie diese luxuriöse Kleidung hergestellt wurde. Ich glaube, dass es dafür jetzt ein neues Bewusstsein bei den Menschen gibt. Und das ist genau das, was Fassbender machen möchte. Wir wollen ein Luxuslabel im High-Fashion Segment sein, welches genau auf diese Bedingungen eingeht. Ein Label, dass den höchsten ethischen Standards entspricht und Iconic Classics produziert, die die Leute für immer in ihrem Kleiderschrank behalten wollen.

Bild: Fassbender SS22

Wie würden Sie Ihre Kundin beschreiben ?

Ich habe versucht die Kundin durch mich selbst zu identifizieren. Denn ich persönlich habe in meinem Bedarf Kleidung zu kaufen, eine Lücke gesehen, die ich mit Fassbender füllen möchte. Dementsprechend würde ich auch die Kundin beschreiben als eine Frau, die absolut im Leben steht, die es souverän schafft Familie, Freunde und Job unter einen Hut zu bekommen. Die sich dabei stilvoll und sehr intelligent kleiden möchte. Eine Frau, die auffallen möchte, aber in der Art und Weise, dass sie Komplimente dafür bekommt, wie stilvoll und gut sie gekleidet ist. Es ist eine sehr internationale Kundin, die sehr kosmopolitisch und weitdenkend ist.

Meine Kundin lebt genau wie ich Slow-Fashion. Sie sorgt sich um ihre Umwelt und kauft mit Bewusstsein ein. Sie liebt es, Klassiker zu kaufen, die sie irgendwann noch an ihre Kinder weitergeben kann. Es wäre mein größter Wunsch, dass unsere Kundin später ein Fassbender Kleidungsstück ihren Kindern weiter vermacht.

Was macht ein Fassbender-Kleidungsstück aus?

Unsere Brand ist stark durch Materialinnovationen geprägt. Unsere Materialien haben eine ganz besondere Haptik. Mein Bruder und ich sind immer auf der Suche nach neuen innovativen Materialien, wie beispielsweise veganem Kaktusleder, das nachhaltig aus der Kaktusfeige gefertigt wird. Auf der Fashion Week zeigen wir auch zum allerersten Mal eine Denim-Kollektion, die nur durch natürliche und mineralische Färbung entstanden ist. Das heißt, es wurden keine Chemikalien eingesetzt, was für Denim absolut unüblich ist. Die Denim wurde aus den unterschiedlichsten Materialien gefärbt. Wir haben eine rote Denim, die mit rote Beete gefärbt wurde, oder eine andere, die mineralisch aus einem Stein gefärbt wurde. Wir verwenden außerdem nur rein organische Baumwolle, die in Portugal direkt verwoben und zu Denim verarbeitet wird.

Kaktusleder ist eine der innovativen Materialien mit denen Fassbender arbeitet. Bild: Fassbender

Sie sagen selbst, dass Sie für Slow-Fashion stehen. Was konnten Sie trotzdem aus Ihrem früheren Job bei Tom Tailor mitnehmen und wo mussten Sie umdenken?

Ich habe im Konzern vieles gelernt, vom strukturiertem Kollektionsaufbau über die Zusammenarbeit mit B2B-Partnern wie auch der marktgerechten Preisgestaltung. Das ist sehr wichtig für eine junge Brand. Ansonsten habe ich gemerkt, dass ich stark umdenken musste um zu lernen, aus diesem Kastendenken herauszukommen.

Was gab Ihnen den Anstoß Ihr Label zu gründen?

In der kommerziellen Modeindustrie habe ich die Arbeitsweise einfach nicht mehr mit mir selber vereinbaren können. Und das war der Grund warum ich gesagt habe: “Okay, ich muss was ändern”. Im Vordergrund bei so einem großen Konzern stehen Deckungsbeitragsziele und nicht mehr das Produkt an sich und mit meinen ethischen Ansätzen konnte ich die Art und Weise der Produktion nicht mehr vereinbaren. Und das war auch der Grund, warum ich gesagt habe, ich möchte der Modeindustrie gerne etwas zurückzugeben. Denn wir sind eine der größten Umweltverpester. Aber ein Label nicht zu gründen, wäre falsch gewesen, denn ich möchte gerne etwas tun, dass wir von dieser Umweltverpestung weg kommen.

Dann haben Sie sich aufgemacht Ihre Produktionsstätten zu suchen. Welche Maßstäbe haben Sie bei der Wahl der Lieferanten angelegt?

Wir sind durch Portugal, Polen und Belgien gefahren und haben dort Produktionsstätten besucht. Dort haben wir schließlich auch unsere drei Produktionen gefunden, die so arbeiten, wie ich es mir vorstelle. Es sind sehr familiäre Betriebe, dort arbeiten nur gelernte Maßschneiderinnen, die aus den jeweiligen Ländern kommen. Die Frauen arbeiten acht Stunden mit geregelten Arbeitszeiten und mit geregelten Pausen.

Was können wir in der Zukunft noch von Fassbender erwarten?

In Berlin wird es zum allerersten mal möglich sein, dass die Endkunden direkt vom Runway kaufen. Im Herbst werden wir auch das erste Mal in Shanghai zeigen, um zu schauen, ob der asiatische Markt offen ist für unsere Brand. Dort haben wir während der Modewoche einen Showroom und wollen gucken, wie das Feedback ist. Außerdem kommt die Herbst/Winter Kollektion erstmals in den stationären Handel in München und Italien.

Das Second-Life-Konzept von Fassbender

    Als Slow-Fashion-Brandl strebt Fassbender langfristig eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft an. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, hat das Label das Second-Life-Konzept eingeführt. Kunden haben die Möglichkeit, ein Kleidungsstück ihrer Wahl aus früheren Kollektionen im Online-Shop individualisieren zu lassen. Über den Shop können sie mit der Brand in Kontakt treten und ihre Wünsche äußern – seien es Schnittänderungen oder neue Details wie Stickereien. Fassbender Second Life ist ein Herzensprojekt des Unternehmens, weshalb die Kundschaft nichts für die Anpassungen bezahlen muss. Es geht darum, der gängigen Praxis des „Wegwerfens” in der Modeindustrie zu entgehen.

Bild: Fassbender SS22

Der Beitrag entstand mithilfe von Weixin Zha.