In der ZDF-Sendung vom gestrigen Dienstag wird der schwedische Konzern als "menschenverachtend" und "unsozial" bezeichnet. Recherchen hätten gezeigt, dass Hennes & Mauritz in Deutschland Betriebsräte "massiv unter Druck" setze und Mitarbeiter gezielt einschüchtere. In dem Beitrag berichteten Betriebsräte, dass sie Gespräche mit Mitarbeitern lückenlos dokumentieren und rechtfertigen mussten, um drohenden Lohnkürzungen zu entgehen. Eine Betroffene, die aus Angst vor Repressionen anonym bleiben wollte, sprach von unglaublichen Zuständen, wonach sie ihren gesamten Tagesablauf minutiös darlegen musste, inklusive aller Telefonate, Besprechungen und Sitzungen. Kollegen, welche die Nähe des Betriebsrates suchten, seien dermaßen eingeschüchtert worden, dass sie sich "gar nicht mehr zu uns trauten" so eine Arbeitnehmer-Vertreterin. Marlene Volkers von der Gewerkschaft Ver.di nannte die Zustände bei H&M sogar "menschenverachtend". Ihrer Meinung nach verstoßen die Arbeitsbedingungen bei der Modekette gegen das Bettriebsverfassungsgesetz, denn es herrsche ein Klima der Angst in vielen Filialen. Vor allem, wenn kranke Mitarbeiter zu Einzelgesprächen gebeten würden, verfolge der Konzern eine üble Zermürbungstaktik: "Dann kann es passieren, dass man da sehr wohl über Stunden bearbeitet wird: Warum bist du krank, wann gedenkst du wieder zu kommen? Bist du einsatzfähig, bist du verfügbar?"

Selbst die anerkannte Hans-Böckler-Stiftung bestätigt in einer Untersuchung die Diskriminierung von Interessensvertretern der Arbeitnehmer. Jeder, der sich nicht in die engen, geradezu familiären Strukturen des Unternehmens einfüge, habe dort auch nichts zu suchen. H&M wies die Vorwürfe aus dem "Frontal 21"-Beitrag indes vehement zurück. In einem Schreiben an die Redaktion heißt es: "Wir pflegen eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Gesamtbetriebsrat und den einzelnen Betriebsräten". In Schweden, dem Sitz des Mutterkonzerns, blieben derartige Vorwürfe bisher aus. Das ausgeprägte soziale Bewusstsein im Land scheint die dortigen Mitarbeiter bei H&M vor größeren Missständen bewahrt zu haben.

 

Themenverwandte Nachrichten

WEITERE NACHRICHTEN

 

AKTUELLSTE STELLENANGEBOTE

 

MEISTGELESEN