Eine Fachmesse von internationaler Bedeutung wie die bevorstehende, um vier Wochen vorverlegte, ispo ist naturgemäß in die Zukunft gerichtet, sie bestimmt die Trends der bevorstehenden Saison und setzt vor allen Dingen aber auch Zeichen für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Branche. Betrachtet man die Ergebnisse des vergangenen Jahres und die aktuelle Situation, so ist in weiten Teilen der Industrie doch ein erhebliches Stimmungstief festzustellen.

In Zahlen ausgedrückt, stellt sich das wie folgt dar:

Gemäß dem Ergebnis der aktuellen Branchenumfrage des BSI (VJ-Zahlen in Klammern) sind immerhin 59% (53%) der Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden und 15% (28%) beschreiben sie mit sehr gut bzw. gut. Doch jedes vierte Unternehmen, nämlich 26% (19%), ist nicht zufrieden. Hier ist aber noch anzumerken, dass es gerade auch in der Sportartikel-, Camping- und Freizeitbranche des BSI erhebliche Firmenkonjunkturen gibt, d.h. Unternehmen, die im selben Sortimentsbereich tätig sind, weisen ganz erhebliche Unterschiede auf.

Die zukünftige Geschäftslage wird von 62% (73%), also von zwei Drittel der Unternehmen, mit gleichbleibend, aber immerhin von 9% (21%) mit günstiger beschrieben und der Anteil derjenigen, die an die Zukunft keine großen Erwartungen stellen, liegt bei 29% (6%). Dies ist, verglichen mit anderen Konsumgüterbranchen, ein relativ gutes Ergebnis.

Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass immerhin 18% der Unternehmen Erweiterungsinvestitionen vornehmen möchten.

Ein Blick zurück auf die Ergebnisse des vergangenen Jahres zeigt, dass alle drei Maßgrößen Produktion, Export und Import leicht zurückgegangen sind, und zwar gemäß nunmehr vorliegender amtlicher Statistiken von rund 3 Milliarden Euro Produktion im Jahre 2001 auf etwa 2,87 Milliarden, die Exporte von rund 0,74 Milliarden Euro in 2001 auf 0,60 Milliarden und die Importe von rund 1,84 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro. Basis dieser Zahlen sind Fabrikabgabe- oder Importpreise.

Das Gesamt-Marktvolumen zu Einzelhandelspreisen dürfte im vergangenen Jahr weiterhin bei über 7 Milliarden Euro gelegen haben.

Erlauben Sie mir hier einen kleinen Exkurs zurück bis ins Jahr 1980, der die Entwicklung der 3 Maßgrößen Produktion, Export und Import in den letzten 20 Jahren aufzeigt.

Die Auswertung der amtlichen Außenhandelsstatistiken, ergänzt durch eigene Berechnungen, ergibt, dass auch im vergangenen Jahr 2002 die Hauptabnehmer- und Lieferländer weiterhin im EU-Raum liegen. Die wichtigsten Exportländer, insgesamt waren und sind es rund 80, sind: Österreich, die Schweiz und die Niederlande, gefolgt von Frankreich, USA, Großbritannien sowie Italien und Belgien. Die wichtigsten Importländer, insgesamt ca. 60, sind China, Italien und Taiwan, gefolgt von Polen, Tschechien, den Niederlanden, Österreich, der Türkei und den USA.

Lassen Sie mich zu den vorgenannten Umfragewerten des BSI doch noch ein paar generelle Anmerkungen machen. Grund für die schlechten Ergebnisse und die rückläufigen Werte bei den Messgrößen Produktion, Import und Export ist in erster Linie die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland und in den wichtigsten Abnehmerländern, die teilweise aus unterschiedlichen Gründen, von Kaufzurückhaltung, Angstsparen und negativen strukturellen Einflüssen geprägt ist. Die Frühsommererhebung der DIHK prognostiziert für 2003 nur noch eine "rote Null" und stellt dieses Geschäftsjahr mit dem Rezessionsjahr 1993 gleich. Die bescheidene Weltkonjunktur und der starke EURO erschweren den Export erheblich.

Die Ursachen liegen aber auch und insbesondere im psychologischen Bereich, wenn man z.B. die Auswirkungen der Irak-Krise und die Diskussionen über die Agenda 2010 (u.a. die Reform der Sozialkassen in Deutschland) betrachtet.

Dabei hätte man gerade in Deutschland und auch in unserer Branche allen Grund zum Optimismus: Trotz teilweise politischer Widerstände und äußerst großer Schwierigkeiten wirtschaftsstruktureller Art ist es seit Beginn der 90iger Jahre in Deutschland gelungen, ein gesamtes Staatsgebiet mit absolut maroder Volkswirtschaft und einer Bevölkerung von rund 16 Millionen Einwohnern zu integrieren und annähernd die gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu bieten, wie in Westdeutschland. Dass dies nicht ohne strukturelle Verwerfungen, zunehmende Arbeitslosenzahlen und "weißer Flecken" auf der Landkarte abläuft, hätte jeder nicht euphorische und vernünftige Volkswirtschaftler auch so vorhersagen können.

Manche Konsumgüterbranchen haben in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich größere strukturelle Veränderungen, insbesondere im Hinblick auf den Mittelstand, erlebt, als es in der Sportartikel-, Camping- und Freizeitbranche zu beobachten war. Es gibt aber noch einen, zwar gefährdeten, Mittelstand sowohl auf Anbieter- als auch auf Abnehmerseite.

Darüberhinaus konnten sich auch die großen international tätigen deutschen Firmen und Marken auf dem deutschen und auch internationalen Markt mit Erfolg behaupten.

Ebenfalls erfolgreich behauptet hat sich die Messe München mit der ispo, die als einzige große internationale Messe mit zwei Veranstaltungen im Jahr sich gegenüber der internationalen Messe-Konkurrenz durchsetzen konnte und heute alleinige Messe- und Informations-Plattform für den internationalen Sportartikelmarkt ist. Mit Freude und großer Genugtuung haben wir im Vorfeld der Messe zur Kenntnis genommen, dass es wiederum gelungen ist, neue international wichtige Aussteller zu akquirieren bzw. andere bedeutende Marken zurück zu holen.

Ich möchte hier auch einmal unseren Dank an die Projektverantwortlichen aussprechen, die hier hervorragende Arbeit geleistet haben.

Zur Messevorverlegung sei hier nur noch am Rande angemerkt, dass für die Aussteller die hohe Kompetenz und Internationalität wichtiger als der Zeitpunkt ist.

Wir, die Anbieter bzw. Aussteller auf der bevorstehenden ispo, aber vor allen Dingen auch der Handel sollten trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Schieflage optimistisch in die Zukunft schauen:

Die Fitneß-, Wellness- und Runningwelle wird auch in Zukunft, ggf. mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Bestand haben und die Grundrichtung des Breitensports bestimmen. Dazu zählen in erster Linie Running, Nordic Walking, nach wie vor Inline Skating, alle Arten von Skateboarding und die boomende Outdoorbewegung und natürlich der Teamsport und hier im speziellen das Segment Fußball.

Neben der sportlichen Ausrüstung wird auch der funktionelle Bekleidungs- und innovative Ernährungssektor hiervon profitieren und einzelne Fachleute prognostizieren bereits wieder einen zunehmenden Trend des Sports in der Gruppe und auch in der Familie, aber nicht nur im Urlaub, sondern gerade in der urlaubsfreien Zeit eines laufenden Jahres. Der Aktivurlaub scheint sich etwas zu verschieben.

Die zunehmende Zahl von Vereinsmitgliedern, aber vor allen Dingen auch die Teilnahme an vereinsungebundenen Sporttreffs scheinen dies zu bestätigen. Der Urlaub zu Hause, aus welchen Gründen auch immer, verstärkt natürlich noch diesen Trend der sportlichen Betätigung in der näheren Umgebung. Dies wird mittel- und langfristig nicht ohne Einfluss auf das Angebot von Sport- und Freizeitstätten bzw. Sportstudios bleiben.

Die zukünftigen Veränderungen in der Altersstruktur bzw. Alterspyramide unserer Bevölkerung (bis 2050 soll die Bevölkerung in Deutschland um ca. 15 Mio. schrumpfen) wird erheblich gemindert durch die "sportlich-jungen Alten", eine Marktgröße, die in dieser Form bisher nur von wenigen Anbietern, in den USA z.B., dort aber von Spezialisten im Handel und Industrie und Versendern seit langem ganz speziell angesprochen wird. Hier haben Industrie und Handel in Europa teilweise noch Nachholbedarf und müssen zielgruppengerechte Konzepte entwickeln.

Es ist sicherlich nicht zu übersehen, dass wieder einmal, wie bei jedem konjunkturellen Rückgang, der teilweise auch strukturell bedingt ist, Konzentrationstendenzen sowohl auf der Anbieter- als auch auf der Abnehmerseite zu beobachten sind. Es ist aber auch nicht zu übersehen, dass insbesondere jene Industrie- und Handelsfirmen besonders dann Erfolg haben, wenn sie nicht nur im Marketingbereich, sondern auch in der Produktentwicklung und Marktbeobachtung zusammenarbeiten und die Wünsche des Handels bzw. des Verbrauchers konsequent und schnell umsetzen können.

Es gilt daher für die nahe und mittelfristige Zukunft unbedingt, und hier spielt die bevorstehende ispo eine ganz besondere Rolle, gemeinsam herauszufinden, welche Produkte, welche Materialien und welche Tendenzen sich durchsetzen werden, wo Schwerpunkte im Vertrieb zu setzen sind und insbesondere auch, welche Sportarten und Freizeitaktivitäten zu Selbstläufern werden können oder welche noch besonders oder wieder gefördert werden sollen, um eine möglichst große Angebotsbreite für den Konsumenten zu finden.

Abschließend möchte ich noch einmal auf die Headline zurückkommen, die da heißt "gesamte Branche ist gefordert" und an alle Marktteilnehmer von Industrie, Handel und Messe bis hin zu den Einkaufs- und Sportverbänden appellieren, ihren Beitrag zur positiven Entwicklung unserer Branche zu leisten.

 

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