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Greenpeace-Umfrage: 340 Millionen Kleidungstücke weniger in deutschen Schränken

Von FashionUnited

27. Juli 2022

Mode

Bild: Lumn3n via Pexels

Das Bewusstsein für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode ist “signifikant” in Deutschland gewachsen, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt.

Im Vergleich zur letzten Erhebung vor sieben Jahren liegen weniger Kleidungsstücke im Schrank und die Menschen sind auch bereit sie länger zu tragen.

Menschen sind bereit weniger zu Mode zu kaufen

Heute sind zwei Drittel der deutschen Bevölkerung bereit, weniger neue Kleidung zu kaufen - und die überwiegende Mehrheit von 85 Prozent hat vor, vorhandene Kleidung länger zu tragen. Zudem sei der Klima- und Umweltschutz für deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung ein wichtiger Beweggrund für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode geworden.

„Dieses neue Bewusstsein hat bereits Eingang im deutschen Alltagsverhalten gefunden”, schreibt Greenpeace.

Das spiegelt sich in der steigenden Nachfrage nach Secondhand-Mode wider. Fast die Hälfte der Deutschen kauft Secondhand-Kleidung. Mehr Kleidung gebraucht statt neu zu kaufen, können sich 40 Prozent der Menschen vorstellen.

Das Ausleihen von Kleidung von einer Privatperson ist für ein Viertel der Befragten denkbar, und das Ausleihen bei Unternehmen können sich ein Fünftel vorstellen.

Reparieren bleibt Ausnahme

Aber Vorhaben und Realität klaffen weiterhin auseinander.

Mehr als die Hälfte der Menschen geben an, noch nie gebrauchte Kleidung gekauft zu haben. Das Wegwerfen oder Weitergeben bleibt der Standard – mehr als 85 Prozent der Deutschen geben an, in den vergangenen sechs Monaten Kleidung in den Müll geworden zu haben. Textilien machen 3,5 Prozent des deutschen Hausmülls aus.

Weniger Menschen entsorgen getragene Kleidung über Altkleidercontainer, gegenüber 2015 etwa 8 Prozent weniger. Dagegen verkaufen fast die Hälfte (49 Prozent) regelmäßig gebrauchte Kleidung – 5 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Auch beim Reparieren von Kleidung und Schuhen tun sich die Menschen noch schwer. Vor drei Jahren gaben 63 Prozent der von Greenpeace Befragten an, Kleidung reparieren lassen zu wollen, 2022 hatten es nur 50 Prozent einmal getan. Bei der eigenen Reparatur nahmen es sich 55 Prozent vor drei Jahren vor, einmal getan haben es 51 Prozent bis jetzt.

Weniger Kleidung im Schrank

Die Anzahl der Kleidungsstücke im Schrank der Deutschen nimmt ab: 2015 waren es noch 95 Stück pro Person, 2022 sind es 6,5 Prozent weniger und durchschnittlich 87 Stück. Frauen besitzen 2022 mit 107 Items weiterhin mehr als Männer mit 68. Insgesamt sind es rund 340 Millionen Kleidungstücke weniger in den Schränken. Insbesondere hat die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen Frauen ihren Bestand reduziert – von 92 auf 74 Stück innerhalb von sieben Jahren.

Kleider werden auch deutlich länger getragen, bevor sie aussortiert werden. Knapp zwei Drittel gibt an, Oberteile und Hosen länger als drei Jahre zu tragen. Jacken und Mäntel behalten mehr als 79 Prozent der Befragten länger als drei Jahre im Schrank. Nur Schuhe bleiben weiter Wegwerfware: Jeder Achte trägt sie nicht einmal ein ganzes Jahr, 43 Prozent der Menschen sortieren sie nach einem bis drei Jahren aus.

Wie viel kann konsumiert werden?

„Es ist eine gute Entwicklung, dass das deutsche Konsumverhalten dem Industrietrend entgegen läuft», sagte die Ressourcenschutzexpertin von Greenpeace, Viola Wohlgemuth, in der Mitteilung. Die Umweltorganisation hatte das Konsumverhalten in Deutschland angesichts des Erdüberlastungstages am Donnerstag unter die Lupe genommen.

Der Tag markiert den Punkt innerhalb des Jahres, von dem an die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht als in dem Jahr eigentlich zur Verfügung stehen. Der Tag liegt damit früher als noch im vergangenen Jahr, wie Berechnungen des Global Footprint Networks mit Sitz in den USA und der Schweiz ergaben.

„Für einen nachhaltigen Konsum von Kleidung sollten im deutschen Kleiderschrank ab 2035 nur noch 40 Prozent neu produzierte und 60 Prozent wiederverwertete Mode hängen», sagte Wohlgemuth. „Dafür müssen Textilhändler konsequent zu Textildienstleistern werden. Wir brauchen die passenden Gesetze, damit Leihen, Teilen, Reparieren und Secondhand das neue Normal werden.”

Für die Umfrage hat das Institut Nuggets Market Research & Consulting GmbH im Juni 2022 im Auftrag von Greenpeace durchgeführt. 1002 Personen zwischen 18 und 69 Jahren wurden in Deutschland befragt. „Die repräsentativen Umfragen aus den Jahren 2015 und 2019 wurden ebenfalls von Nuggets durchgeführt", hieß es bei Greenpeace. (FashionUnited/dpa)

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