Interview: Lavinia Muth über ihre Stelle als CR Manager bei ARMEDANGELS

Karriere in der Mode ist ein wichtiges Thema auf FashionUnited. Mit dieser Interview-Serie zeigen wir, wie vielseitig die Branche ist und stellen Personen vor, die in der Modeindustrie arbeiten. Aktuell sprachen wir mit Lavinia Muth von ARMEDANGELS, die FashionUnited mehr zu ihrer Rolle als CR Manager erzählt hat.

Sie sind CR Manager bei ARMEDANGELS, wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Ich habe mich nach knapp acht Wochen schon ganz gut eingespielt und mein Büroalltag ist im wahrsten Sinne des Wortes kunterbunt: ich kommuniziere viel mit unseren Lieferanten, bereite die Betriebsprüfungen nach, erstelle kooperative Korrekturmaßnahmenpläne; intern kommuniziere ich ebenfalls viel und halte Mitarbeiterschulungen, denn Nachhaltigkeit wird bei uns integrativ gelebt, also müssen immer alle auf dem neuesten Stand sein und auch mitreden können; und zudem bin ich immer auf der Suche nach innovativen Verfahren und Projekten, die mit den unterschiedlichen Abteilungen im Unternehmen abgesprochen werden müssen und dann mit unseren Partnern angegangen werden.

Nachdem ich Anfang November gestartet habe, bin ich nach zwei Tagen „Willkommen, los geht`s!“ mit Christian, unserem COO, nach Indien gereist um uns vor Ort, bei unseren Bio-Baumwollbauern in Gujarat, ein aktuelles und detailiertes Bild zum Biobaumwollanbau zu verschaffen. Dazu haben wir einen neuen Spinnbetrieb auditiert und Lösungsansätze diskutiert. Diese Reisen zu den unterschiedlichen Stufen unserer Lieferkette, sind essentiell und wichtig regelmäßig durchzuführen. Wir haben den Anspruch den Dingen auf den Grund zu gehen und Zusammenhänge vollständig zu verstehen. Dazu braucht man immer Informationen aus erster Hand. So bauen wir langfristige Beziehungen auf Augenhöhe zu unseren Partnern auf. Man muss dann auch immer wieder nachhaken und validieren, ob das was wir machen und gemeinsam aufbauen auch den Impact und Nutzen hält, den die Projekte zu einem bestimmten Status Quo hatten. Dranbleiben und weitermachen ist die Devise.

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrem Beruf?

Es wird halt nie langweilig und man ist ständig gefordert. Das was heute als „nachhaltig“ proklamiert wird oder als „ökologisch und sozial optimiert“, kann morgen schon wieder Schnee von gestern sein. Zudem ist man als CR-Manager Bindeglied zwischen Industrie und Handel, als auch Treiber und Mediator im eigenen Unternehmen. Es ist im Grunde eine Arbeit mit Widerständen und damit die Basis für die Weiterentwicklung und Erneuerung der nachhaltigen Unternehmensaktivitäten.

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

Ich versuche einen papierlosen Arbeitsplatz zu führen. Ansonsten stehen auf meinem Schreibtisch Kalender, PC, Bildschirm und meine Teetasse. Ich sitze in einem fancy, lichtdurchfluteten Großraumbüro in unserem neuen Hauptsitz in Köln, was vormals die alten Produktionshallen von Kölnisch Wasser waren. Die Zentrale wird natürlich mit Ökostrom versorgt und stromsparende Leuchten, Verbrauchsmaterialien wo möglich aus Recyclingmaterialien und Bio- oder Fairtradeprodukte sind bei uns im Einsatz. Auch beim Umbau des Bürogebäudes stand Nachhaltigkeit natürlich an oberster Stelle. Sourcing, Einkauf und Nachhaltigkeit sind beisammen, nebenan sitzen die Produktentwicklerinnen und -entwickler Entwicklerinnen und die DesigneriInnen und Designer. So ist ein reger Austausch zwischen Strategie, Operative und Produkt sichergestellt. Ansonsten haben wir noch diverse, gemütliche und individuelle Meetingräume in denen wir uns regelmäßig treffen und an neuen Ideen tüfteln können.

Was ist besonders wichtig, um CR Manager bei ARMEDANGELS zu werden?

Neugierde. Du musst neugierig sein und dich nicht mit dem Status Quo abgeben wollen. Du musst aus 100%iger Überzeugung handeln, die Kolleginnen und Kollegen auf die Reise mitnehmen wollen, vernetzen, integrieren und nie aufhören strategisch weiterzudenken. Und einfach Bock auf den Job haben.

Wollten Sie schon immer in der Modeindustrie arbeiten?

Nein. Ich bin über die Nachhaltigkeitsberatung in den Sektor gerutscht und habe darüber die Industrie kennengelernt. Mich hat das komplexe System gepackt, ich sage bewusst komplex, da es komplex ist, und nicht zwangsläufig kompliziert. Die Modeindustrie ist ein Sektor, in dem aufgrund von schnellem Wachstum und extremer Dynamik ganz viel passiert ist: weltweite Handelsvernetzungen, globale Wertschöpfungsketten, internationale Arbeitsteilung – alles super-spannende Thematiken. Das hat natürlich erstmal mein Interesse gepackt und ich wollte herausfinden, was und warum es diese Vielzahl an Missständen überhaupt gibt. Es führen nicht überall auf der Welt die gleichen Umstände zu den gleichen Problemen und es gibt keine einheitliche „best practice“-Lösung, um das ganze „nachhaltig“ zu schmücken. Die Chancen und Risiken der Zukunft für die Branche sind vielfältig und ich habe Bock darauf daran zu arbeiten.

Interview: Lavinia Muth über ihre Stelle als CR Manager bei ARMEDANGELS

Welches Stück ist ein Muss in jedem Schrank?

Eine gutsitzende Denim-Jeans ist ein Muss in jedem Schrank. Ich finde, dass eine Jeans ein Kleidungsstück ist, das individuell und super loyal ist und einen fast ein Leben lang begleiten kann. Jede Jeans und ihre Form entwickeln sich an jedem Träger anders. Abdrücke von Portemonnaie, Schlüssel oder Handy, all das macht die Jeans zu einem besonders persönlichen Kleidungsstück. Zumal Jeansstoff ursprünglich dafür gemacht wurde, Schmutz auszuhalten, somit kann man bei klassischen Baumwolljeans auf das Waschen fast verzichten, denn bei der Herstellung kommen schon genug Wasser und Chemikalien zum Einsatz. Da müssen wir gemeinsam mit Forschung und Technik eine baldige Lösung zu finden, was den kompletten Kreislauf der Denim Produktion, und nicht nur einzelne Stufen, angeht. Mein Lieblingskleidungsstück ist natürlich eine meiner Denim-Jeans, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Haben Sie Tipps für alle, die Interesse haben bei ARMEDANGELS zu arbeiten? Gibt es ein No-Go?

Wir finden es klasse, wenn Mitarbeiter den Mut haben, die Dinge nicht stehenzulassen, nur „weil man es halt immer so gemacht hat“ oder weil das Thema zu groß erscheint, als dass man es beeinflussen könnte. Wir glauben, dass wo ein Wille ist, immer auch ein Weg ist. Und wenn Bewerber diesen Drive mitbringen, dann sind sie auf jeden Fall total willkommen.

No Gos habe ich bis dato noch nicht kennengelernt.

Wenn Sie nicht bei ARMEDANGELS als CR Manager arbeiten würden, welchen Karriereweg hätten Sie sonst eingeschlagen?

Ich wäre auf jeden Fall in einem ähnlichen Bereich oder einer ähnlichen Unternehmung tätig. Nachdem ich acht Jahre in der Nachhaltigkeitsberatung gearbeitet habe und die Möglichkeit hatte in diverse Konzernstrukturen, als auch klein- und mittelständische Produktionsbetriebe weltweit, mich „hineinzufühlen“, war für mich klar, dass der nächste Schritt für mich klare Strukturen der Ganzheitlichkeit gepaart mit etwas Rebellentum aufweisen sollte. Die Message und die Arbeit von ARMEDANGELS verkörpern dies für mich.

Wie ist die Idee zu ARMEDANGELS entstanden und wodurch zeichnet sich ARMEDANGELS besonders aus?

Das Label wurde vor 10 Jahren von Martin Höfeler und Anton Jurina gegründet. Angefangen hat alles mit fair produzierten T-Shirts, woraus sich in den folgenden Jahren eines der größten Eco & Fair Fashion Labels Europas entwickelt hat. In dem Prozess ist dann der Wille entstanden, mit bisherigen Regeln und Prozessen der Industrie brechen zu müssen. Diese Entschlossenheit einen Unterschied machen so wollen, verbindet heute bei ARMEDANGELS alle. Ich denke, dass ARMEDANGELS sich auch durch die hohe Transparenz in der Kommunikation auszeichnet. Wir versuchen so transparent wie möglich zu sein und wollen die positive Wahrnehmung von Mitgestaltungsmöglichkeiten und nachhaltigen Lösungen aufweisen. Wir labern nicht rum und schieben das Thema Nachhaltigkeit nicht als Werbung nach vorn.

Für was steht ARMEDANGELS? Was ist Die Mission?

Wir wollen zeigen, dass Mode auch anders geht – Eco + Fair. Unsere Firmenphilosophie und Strategie ist Nachhaltigkeit. Wir leben Nachhaltigkeit und haben Nachhaltigkeit in all unsere Prozesse integriert. Das fängt schon bei der Produktentwicklung an. Nachhaltige Materialien, faire Arbeitsbedingungen und gutes Produktdesign schließen sich in unseren Augen nämlich nicht aus. Wir wollen aufrütteln, möglichst viele Menschen mit unserer Message erreichen und zeigen, dass jeder eine Wahl hat.

Was war der beste Rat, den Sie bekommen haben?

Da gibt es eine Handvoll Tipps, Empfehlungen und Weckrufe, beziehungsweise Arschtritte, die man im Laufe seines jungen Lebens bekommt und die einem weiterhelfen. Ich denke, dass diese in der Regel situationsabhängig und situationswirkend sind. Ich persönlich bin noch nicht an dem Punkt im Leben angekommen, an dem ich sagen kann, das war der Motivationsspruch „non-plus-ultra“. Was auch immer passiert: Aufstehen, In-sich-hinein-Horchen, Zuhören, Reflektieren, Weitermachen. Da geht noch mehr oder es geht anders.

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Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit ARMEDANGELS erstellt.

 

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