LVMH-Preisträger Soshiotsuki verkörpert Japan im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne
Die japanische Marke Soshiotsuki, Gewinnerin des diesjährigen LVMH-Peises, wird im Januar 2026 auf der internationalen italienischen Messe Pitti Uomo ihre globale Präsenz weiter ausbauen.
Während klassische japanische Kulturelemente wie Kimono, Wabi-Sabi und Zen Aufmerksamkeit erregen, geht der Ansatz von Designer Soshi Otsuki über bloße Nostalgie hinaus.
Seine Entwürfe transformieren Elemente wie die Militäruniformen der alten japanischen Armee, Trauerkleidung und den „Salaryman“-Stil der Bubble-Ära in moderne Anzüge westlichen Stils. Dies ist ein Symbol des „Wayō setchū“ oder des japanisch-westlichen Eklektizismus, einer Verschmelzung verschiedener Kulturen, die sich von einer einfachen Gegenüberstellung von „japanischem“ und „westlichem“ Stil abhebt. An der Schnittstelle der heutigen vielfältigen Werte stellt er durch seine Kleidung die Frage, was die japanische Kultur ausmacht.
Diese Fragestellung ist keineswegs neu. Historisch gesehen hat Japan mehrfach Identitätskrisen durchlebt. Von der Meiji-Restauration über die Niederlage im Zweiten Weltkrieg bis hin zur heutigen Globalisierung stand das Land immer wieder im Spannungsfeld zwischen Verwestlichung und eigenen Traditionen. Dieser Konflikt prägt bis heute die Werte und das ästhetische Empfinden moderner Japaner:innen.
Otsuki ist vermutlich einer von ihnen. „Ich habe einen Komplex gegenüber dem Ausland“, sagte er in einem Gespräch mit dem Online-Modemedium Fashionsnap. Diesen Widerstand hat er in seine Kollektionen einfließen lassen.
Ein Blick auf Otsukis multikulturelle Interpretation der japanischen Geschichte und die Entwicklung der Marke zeigt, was in Zukunft von ihr zu erwarten ist.
„Ein Vorschlag für einen Dandyismus, der aus japanischer Geisteshaltung und Schneiderkunst entsteht.“
Hohe Handwerkskunst und narrativer Anspruch
Soshi Otsuki, dessen Kernphilosophie „ein Vorschlag für einen Dandyismus, der aus japanischer Geisteshaltung und Schneiderkunst entsteht“ ist, integriert japanische Tradition und Religiosität in seine Werke. Die Originalität der Marke liegt darin, dass sie Nischen japanischer Bräuche aufgreift. Diese sind zwar bekannt, werden aber oft als selbstverständlich angesehen. Die Erfahrungen in zwei unterschiedlichen Lernumgebungen prägen die heutige Marke: Einerseits eine Ausbildung zur Verfeinerung technischer Fähigkeiten, andererseits eine zur konzeptionellen Gestaltung.
Bis 2011 besuchte Otsuki den Kurs für Herrendesign am Bunka Fashion College in Tokio. Dort erlernte er die Grundlagen der Bekleidungsherstellung, von der Schneiderei bis zur Schnittkonstruktion. Die in dieser Zeit erworbenen hohen technischen Fähigkeiten bilden das Fundament für die Schneiderkunst, die später zum Kern seiner Marke wurde. In seinem dritten Jahr am Bunka Fashion College begann Otsuki, die private Modeschule Coconogacco in Tokio zu besuchen. Dort lernte er, Kleidung als Ausdruck von Philosophie, Geschichten und Identität zu gestalten und begann, Motive aus dem klassischen japanischen Theater und Philosophie in seine Mode zu integrieren.
Nach dieser technischen und konzeptionellen Ausbildung gründete er 2015 offiziell sein eigenes Label Soshiotsuki. Kurz nach der Gründung wurde die Marke 2016 für die Shortlist des LVMH Prize 2016 nominiert.
Frühere Kollektionen von Otsuki integrierten oft buddhistische Elemente. Dazu zählten beispielsweise Gebetsketten, wie man sie bei japanischen Beerdigungen sieht. Auch die disziplinierte Struktur der Uniformen der kaiserlichen Armee wurde in einen modernen Anzugstil übertragen.
Seit der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2025 widmet sich die Marke dem Thema des „Salaryman“ der 80er-Jahre, also der „Uniform“ der Büroangestellten aus dunklem Anzug, weißem Hemd und neutraler Krawatte, und gewann im selben Jahr den LVMH Prize. Obwohl diese Kollektion manchmal als Nachahmung bestehender Stile kritisiert wird, verbirgt sich dahinter die einzigartige Perspektive des Designers.
In einem Interview mit i-D äußerte sich Otsuki zynisch über die Trends der Bubble-Ära. Im Japan der 80er-Jahre galten Anzüge von Armani aus italienischer Herstellung als Statussymbol. Gleichzeitig wurden massenhaft Kopien produziert, die die ursprüngliche Form falsch interpretierten. Otsuki empfand Unbehagen bei dieser einseitigen Bewunderung für fremde Kulturen, was ihn zu seiner aktuellen Kollektion inspirierte. Soshiotsuki visualisiert also nicht nur die traditionelle japanische Kultur; die Marke macht auch die spezifisch japanischen Komplexe und Sehnsüchte sichtbar, die im Prozess der kulturellen Aneignung zum Vorschein kommen.
Für die Kollektion wurden Muster italienischer Anzugstoffe aus den 80er-Jahren analysiert. Diese wurden dann mit Webtechniken aus der japanischen Präfektur Iwate reproduziert. Zudem wurden Hemden aus Vintage-Seide von ungenutzten Kimonos und Anzüge aus Restgarnen japanischer Fabriken gefertigt. Dieser Herstellungsprozess ist jedoch nicht nur eine Hommage an japanische Handwerkskunst oder Nachhaltigkeit. Die bewusste Neuinterpretation von Kleidung aus italienischer Herstellung – einst ein Symbol der Verehrung fremder Kulturen – als „Made in Japan“ ist ein starkes satirisches Statement, das die Struktur eben jener Sehnsucht hinterfragt.
Produktpalette
Zu den Kernprodukten von Soshiotsuki gehören vor allem Schneiderwaren wie Hemden, Sakkos und Hosen. Darüber hinaus führt die Marke auch Accessoires wie Armbänder und Halsketten.
Die Preise für Hemden liegen zwischen 37.000 und 60.000 Japanischen Yen (rund 222 bis 360 Euro). Hosen kosten zwischen 39.000 und 68.000 Japanischen Yen (rund 234 bis 408 Euro). Jacken und Mäntel sind im Preissegment von 85.000 bis 165.000 Japanischen Yen (rund 510 bis 990 Euro) angesiedelt. Damit positioniert sich die Marke preislich leicht über dem japanischen Mittelpreissegment.
Die Produkte sind im offiziellen Onlineshop und bei E-Commerce-Plattformen wie Ssense erhältlich. Durch die später erwähnte Partnerschaft mit Tomorrow soll die globale Expansion weiter vorangetrieben werden.
Marktentwicklung und internationale Strategie
Der Gewinn des LVMH Prize Grand Prix 2025 war ein wichtiger Wendepunkt für Soshiotsuki, woraufhin weitere internationale Partnerschaften bekannt gegeben wurden. Die Modeentwicklungsplattform Tomorrow schloss nach dem Gewinn des Preises eine globale Partnerschaft mit der Marke ab. Ziel ist es, den Großhandel und die internationale Expansion zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit Zara bot zudem die Möglichkeit, das Design der Marke einem breiteren Publikum zu einem erschwinglichen Preis zugänglich zu machen.
Die Konzentration auf den Anzug als universelles Kleidungsstück ist ein Grund, warum Soshiotsuki ein globales Publikum anspricht. Der Anzug überwindet kulturelle und marktbezogene Grenzen und stellt für internationale Einkäufer:innen und Konsument:innen eine niedrige Eintrittsbarriere dar. Damit ist er ein effektiver Ausgangspunkt für die globale Expansion.
Gleichzeitig differenziert sich die Marke durch Materialien aus japanischer Herstellung und präzise Schneiderkunst. Dadurch verleiht sie ihren Produkten einen klaren Herkunftswert und handwerkliche Qualität. Diese Kombination ermöglicht es, über einfache Herrenmode hinauszugehen und Produkte anzubieten, die in Bezug auf Qualität, Preis und Positionierung überzeugen.
Das Thema „Japan der 1980er-Jahre“ funktioniert zudem als Nostalgie-Marketing. Für ältere Kund:innen weckt es kulturelle Erinnerungen und Vertrautheit. Für die jüngere Generation wirkt es als wiederentdeckte, erstrebenswerte Ästhetik. Durch diese doppelte Anziehungskraft gelingt es, mehrere Generationen gleichzeitig anzusprechen.
Durch die Kombination einer universell verständlichen Produktkategorie mit japanischer Handwerkskunst und emotionalem Storytelling verfolgt Soshiotsuki eine kommerziell sehr schlüssige Markenstrategie.
Messeauftritte und Events
Seit dem Gewinn des LVMH Prize hat Soshiotsuki die Präsenz nicht nur in Japan, sondern auch auf der internationalen Bühne verstärkt. Insbesondere wurde die Marke als Gastdesignerin für die Pitti Uomo im Januar 2026 ausgewählt, wo eine spezielle Präsentation in Florenz geplant ist. Das Line-up wurde noch nicht bekannt gegeben. Es wird jedoch erwartet, dass die neue Kollektion auf der Tokyo Fashion Week 2026 vorgestellt werden könnte.
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