Carola Plöchinger mag Männer - genau genommen mag sie Männerkörper. Deshalb liegt der Modedesignerin auch wenig daran, sie vollständig zu verhüllen. Davon konnte man sich am vergangenen Donnerstag beim Nachwuchswettbewerb "Fashion Debut" des Champagnerhauses Moët & Chandon überzeugen. Da lief ein Model nur mit einer großen Decke um die Schultern und mit einer Unterhose bekleidet über den Laufsteg.

"Ich will nicht die x-te Kollektion entwerfen, über die Männer nicht nachdenken müssen." Natürlich erwartet die Designerin nicht, dass Männer sich demnächst so gewagt auf die Straße trauen - aber am Donnerstag war Showtime für die glamourösen Entwürfe ihres Labels IO.

Schuld daran, dass sie es den Männern nicht zu einfach mit ihrer Kleiderwahl machen will, ist das wohl konservativste Accessoire der Männermode: Die Krawatte. Davon handelte ihre Diplomarbeit in Visueller Kommunikation, ihrem Studienfach an der Universität der Künste in Berlin. "Die Krawatte ist ein Symbol der Arbeit, der Macht, das nach klaren Regeln funktioniert." Sie sprach mit Unternehmen über ihre Kleiderorderung, fotografierte mittags auf dem Gendarmenmarkt Geschäftsleute und stellte fest: "Die sehen alle gleich aus." Und: "Das, was Männer tragen, war mir einfach zu langweilig." Also beschloss die 29-Jährige, die eigentlich als Assistentin des Fotografen André Rival arbeitete, ein paar der Regeln zu brechen.

Sie begann, sich in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg mit Schnitttechnik für Hosen und Hemden zu beschäftigen. Dass es in ihrer dritten Kollektion nur noch eine Krawatte gibt, erstaunt sie selbst. Seltsam findet es Carola Plöchinger, immer wieder gefragt zu werden, warum sie als Frau Männerkleidung macht und auch noch so extreme. "Schließlich sind fast alle großen Designer in Paris und Mailand männlichen Geschlechts - und die bekommen für viel Glamour viel Lob."

Dabei weiß Carola Plöchinger ihr Publikum ebenso zu täuschen wie ein John Galliano mit seinen exaltierten Dior-Roben. Sie entwirft durchaus tragbare schmale Jacketts, Hemden mit liebevollen Details und T-Shirts, die fast bis zum Hals geschlossen sind - eben alltagstaugliche Kleidung für ganz normale Männer.

 

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