Martin Margiela: Persönliche Archivstücke kommen unter den Hammer

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Gruppenaufnahme Miniaturen. Auktion Martin Margiela. Credits: ©Marc Chatelard.
Von Julia Garel

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Diesen Sommer, am 9. Juli um 14:00 Uhr, findet in Paris eine für die Modewelt historische Auktion statt. Zum ersten Mal arbeitet Martin Margiela, Gründer des gleichnamigen Modehauses, mit Auktionator:innen zusammen, um den Verkauf seiner persönlichen Archive zu organisieren. Dieses Datum verspricht schon jetzt ein Ereignis für die zahlreichen Sammler:innen und Liebhaber:innen zu werden.

Die Auktion wird vom Pariser Auktionshaus Maurice Auction in Zusammenarbeit mit dem Londoner Auktionshaus Kerry Taylor Auctions organisiert. Sie umfasst mehr als 200 Lose aus den persönlichen Archiven des Designers Martin Margiela. Die Sammlung deckt den Zeitraum von 1984 bis 2008 ab. Sie reicht von seinen Entwürfen für die Canette d'Or in Antwerpen bis zu seinem Abschied vom Haus Martin Margiela, ergänzt durch einige neuere Stücke, die während der Pandemie entstanden sind.

‚Mehreren Sammler:innen und Institutionen eine Freude machen‘

Das Bemerkenswerteste an dieser Auktion ist die direkte Beteiligung des Designers. Es ist das erste Mal, dass ein Designer von diesem Format zu Lebzeiten mit einem Auktionshaus zusammenarbeitet, um seine eigenen persönlichen Archive anzubieten, zu sortieren und zu authentifizieren.

„Nachdem ich viele Jahre lang Archive von einem Ort zum anderen transportiert und für Ausstellungen verliehen habe, spürte ich, dass es an der Zeit war, mich von einem Teil meiner Mode-Erinnerungen zu trennen“, so Martin Margiela in der Pressemitteilung zur Ankündigung des Events. „Nach langer Überlegung war es die Idee, mehreren Sammler:innen und Institutionen eine Freude zu machen, die mich schließlich dazu bewog, sie der Welt anzuvertrauen.“

Intime Arbeits-Reliquien

Die Bedeutung des Wortes ‚Archiv‘ ist überstrapaziert worden. Es hat sich von einem musealen Begriff zu einem echten Modetrend entwickelt. Man denke nur an das ikonische Kleid von Marilyn Monroe, das Kim Kardashian bei der MET Gala 2022 trug. Der Verkauf der Stücke von Martin Margiela gibt diesem Konzept jedoch seine ursprüngliche Tiefe zurück.

Weit entfernt von Promi-Fetischismus oder der Aneignung zu Kommunikationszwecken führt uns dieses Ereignis zurück zum Wesen der historischen Spur: der rohen Dokumentation eines kreativen Prozesses.

Unter den Stücken des Ausstellungskatalogs finden sich intime Arbeits-Reliquien und Objekte, die von der Geschichte eines Hauses zeugen, das die Modebranche maßgeblich beeinflusst hat. Dazu gehören beispielsweise eine Arbeitsmappe aus dem Jahr 1987, als Martin Margiela einen Hersteller in Italien suchte, geschätzt auf 5.000 bis 8.000 Euro. Auch eine vom Gründer getragene weiße Bluse und einer der berühmten weißen Baumwollkittel der Mitarbeitenden des Hauses, geschätzt auf 3.000 bis 5.000 Euro, werden versteigert. Ebenso Tabi Graffiti aus dem Jahr 1991, deren Wert auf 30.000 bis 50.000 Euro geschätzt wird. Bemerkenswert ist auch der Verkauf des persönlichen Telefons des Designers, das mit Meudon-Weiß übermalt wurde. Dieses unter Kenner:innen bekannte Objekt wird auf 3.000 bis 5.000 Euro geschätzt.

Die Hermès-Garderobe von Léa Bouchet

Die Auktion wird auch rund 60 Outfits, Taschen, Schuhe und Modeaccessoires aus der Garderobe von Léa Bouchet, der Mutter von Martin Margiela, präsentieren. Der Designer stand seiner Mutter, die ihn von klein auf unterstützte, sehr nahe und schenkte ihr zahlreiche Stücke, die seine Arbeit beim Modehaus Hermès zwischen 1997 und 2003 widerspiegeln.

„Präsentiert werden auch die Hermès-Kleidungsstücke meiner verstorbenen Mutter, die nur noch schwer in perfektem Zustand zu erhalten sind“, erklärt Martin Margiela. „Diese Kreationen aus meiner Zeit von 1997 bis 2003 bei dem gleichnamigen Haus erfordern trotz ihrer sehr hohen Verarbeitungs- und Materialqualität besondere Pflege.“

Unter den von Hermès signierten Objekten befinden sich Schuhe aus dem Jahr 1989, über die er sagt: „Für meine erste Herbst/Winter 1998-1999 Kollektion habe ich den Schwerpunkt auf Komfort gelegt. Damals hatte Pierre Hardy einen Sneaker namens ‚Quick‘ entworfen, den ich in meine Silhouetten integrierte. Aber ich wollte auch eine Version mit Absatz für einen anderen Gang. Die Idee war, einen Pumps zu entwerfen, der den Geist des Hermès-Sneakers aufgreift. Ich entschied mich für Kreppsohlen und einen robusten Absatz.“

Die Ausstellung, konzipiert wie ein Auspacken

Vor der Auktion wird eine von Bob Verhelst, einem langjährigen Freund des Designers, organisierte Ausstellung Fachleute und Besucher:innen in eine Szenografie eintauchen lassen, die an eine kleine Manufaktur des frühen 20. Jahrhunderts erinnert. Dieser Ansatz ermöglicht eine direkte Erfahrung mit der Materialität und Zerbrechlichkeit der Objekte, von denen die meisten noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden.

Alex Baddeley, Modespezialist:in und Auktionator:in bei Kerry Taylor Auctions, sagt dazu: „Diese Auktion bietet einen beispiellosen Zugang zu den persönlichen Archiven eines Designers, dessen Ruf ebenso rätselhaft wie tiefgründig ist. Margielas innovative Kreationen und seine Präsentationen auf dem Laufsteg haben die Modelandschaft für immer verändert.“

Auktion Martin Margiela. Credits: Maurice Auction / Kerry Taylor Auctions
Auktion Martin Margiela. Credits: Maurice Auction / Kerry Taylor Auctions

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