Nicht zum Herausputzen da: Der Überlebensleitfaden für junge PR-Profis während der Fashion Week

Mobilität, Engagement und Reaktionsschnelligkeit – die Schlüsselkompetenzen für junge PR-Fachleute in der Pariser Fashion Week.
Mode
Die Teams im Backstage-Bereich der Show von Zadig & Voltaire HW26. Credits: ©Launchmetrics/spotlight
Von Julia Garel

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Fernab von Strass und Front Row ist die Fashion Week vor allem ein Marathon für die PR-Teams. Am 28. September beginnt in Paris die Modewoche für die Frühjahr/Sommer-Kollektionen 2027, sie läuft bis zum 6. Oktober. Für viele Praktikant:innen und junge Assistent:innen ist es der erste große Event-Ansturm. Zwischen Stilettos, die man schon nach der ersten Stunde bereut, und VIPs, die durch die Küche geschleust werden müssen, erzählt Caroline Charles, Gründerin der gleichnamigen Presseagentur, wie es hinter den Kulissen wirklich zugeht.

Das Gala-Outfit ist eine Illusion: Mobilität zählt

Der größte Mythos rund um die ersten Schritte in einer Agentur? Zu glauben, eine Show als Mitarbeiter:in zu erleben sei dasselbe wie als Gast. Die Aussicht auf das Spektakel verleitet Nachwuchskräfte dazu, sich herauszuputzen. „Oft tragen die jungen Frauen zu hohe Absätze und müssen sich nach einer Stunde umziehen, denn in unserem Beruf bewegen wir uns, wir stehen nicht still“, sagt Charles. Kleidung, die professionell wirkt und zugleich auf Ausdauer ausgelegt ist, ist die erste goldene Regel für eine gelungene Veranstaltung.

Mangelndes Engagement, ein unverzeihlicher Fauxpas

Schon der Zugang zum Veranstaltungsort ist ein Filter für sich. „Wenn sie es nicht draufhaben, nehmen wir sie gar nicht erst mit zu den Shows“, erklärt Charles. Zuverlässigkeit muss sich also im Vorfeld beweisen. Vor Ort folgt dann kein technischer, sondern ein verhaltensbezogener Belastungstest. Der größte Fehler, der der neuen Generation besonders häufig unterläuft, ist der Eindruck, sich nicht zuständig zu fühlen. Das Chaos einer Veranstaltung verlangt vollen Einsatz. Wer passiv auf Anweisungen wartet, ohne den Ernst der Lage oder die gemeinsame Aufgabe zu erkennen, verbaut sich sofort die Chance auf eine spätere Anstellung.

Was den Beruf ausmacht: Reaktionsschnelligkeit und Rollenverständnis

Wer aus der Masse heraussticht, fällt nicht durch große Glanzleistungen auf, sondern durch eine präzise Haltung. Das Profil, das es weit bringen wird, vereint zwei Eigenschaften – extrem reaktionsschnell zu sein und zugleich die eigene Rolle im Gesamtgefüge zu kennen. Gefragt ist, in der Sekunde einzugreifen, in der das Team jemanden braucht, ohne sich je in den Vordergrund zu spielen oder im Weg zu stehen.

Das Netzwerk entsteht an der Tür, durch Beobachtung

Gute PR-Profis sind am entscheidenden Tag unsichtbar, heißt es. Wie also soll eine Nachwuchskraft ein Adressbuch aufbauen, ohne opportunistisch zu wirken oder die eigenen Vorgesetzten zu übergehen? Der Schlüssel liegt in strategischen Aufgaben wie der Verwaltung des Einlasses. Empfang und Seating sind eine hervorragende Schule der Beobachtung und die perfekte Gelegenheit, sich Gesichter einzuprägen und Namen mit Titeln zu verknüpfen. So lernt man, wie sich das einflussreiche Publikum zusammensetzt, und legt die ersten Grundsteine für ein berufliches Netzwerk, ohne je Kontakte zu erzwingen.

Improvisationstalent

„Bei einer meiner ersten Shows bei Béatrice Keller für Versace mussten wir gemeinsam mit dem Sicherheitspersonal die VIPs ausfindig machen, damit alles rundläuft“, erinnert sich Charles. Gäste habe sie auch schon durch die Küche hinausbegleitet, um die Lage zu entspannen. Denn wenn das Unerwartete eintritt, retten Improvisationstalent und ein kühler Kopf die Veranstaltung, manchmal auch mit unkonventionellen Entscheidungen. Gute PR-Profis finden immer den Notausgang.

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