Redress Design Award 2026: Deutscher Designer Jon Liesenfeld gewinnt
Der deutsche Designer Jon Liesenfeld hat den ersten Preis des Redress Design Award 2026 gewonnen. Die Verleihung fand am 7. September auf der Messe Centrestage in Hongkong statt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb von der in Hongkong ansässigen Umwelt-Nichtregierungsorganisation (NGO) Redress. Liesenfeld wurde aus einem Finale von acht internationalen Designer:innen ausgewählt, die neben Deutschland Hongkong, das chinesische Festland, Großbritannien, Österreich und Israel vertraten.
Schätzungen zufolge werden rund 80 Prozent der Umweltwirkung eines Produkts in der ersten Entwurfsphase festgelegt. Vor diesem Hintergrund bewertet die Plattform Nachwuchsdesigner:innen danach, wie konsequent sie Zirkularität, Reparierbarkeit und Strategien zur Abfallvermeidung in ihre Arbeit einbinden.
Die Finalist:innen entwickelten ihre Kollektionen nach den Methoden des zirkulären Designs und bezogen die Materialien aus Fabrikationsüberschüssen, Überbeständen und ausgesonderten Kleidungsstücken. Über den Laufsteg hinaus hatte der Wettbewerb mit dem Projekt „Remake to Retail" auch eine kommerzielle Komponente. Dabei arbeiteten die Finalist:innen mit dem Bekleidungshersteller TAL Apparel zusammen, um Alttextilien aus dem Endverbrauch in verkaufsfertige Teile umzuarbeiten. Vertrieben werden sollen diese über den Einzelhändler D-mop.
Für seine Siegerkollektion erhält Liesenfeld eine Mentoring-Reise nach Großbritannien, bei der er britische Modeunternehmen kennenlernt, darunter den Großserienlieferanten Simple Approach und das Luxushaus Roksanda. Den zweiten Platz belegte die Hongkonger Designerin Jasmine Cheuk, die ein Mentoring mit der Branchenaktivistin Orsola de Castro erhält. Der Publikumspreis ging an Tal Zohar aus Israel.
Die Ergebnisse verweisen auf eine anhaltende Qualifikationslücke an den Hochschulen. Untersuchungen zeigen, dass die gängigen Studiengänge für Modedesign nachhaltige Prinzipien nur selten in die Pflichtlehre integrieren. Weltweit fallen jährlich 120 Millionen Tonnen Textilabfall an, die globale Kreislaufquote für Textilien liegt bei 0,3 Prozent. Gleichzeitig erhöhen regulatorische Vorgaben den Druck auf die Marken, ihre Geschäftsmodelle anzupassen, darunter die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) der Europäischen Union und Gesetze zur erweiterten Herstellerverantwortung.
Programme wie der Redress Design Award, der bereits mehr als 36.500 Designer:innen und Lehrende geschult hat, zeigen, wie gezielte Brancheninitiativen die Designausbildung an die sich wandelnden regulatorischen und lieferkettenbezogenen Anforderungen heranführen.