Rendel-Store Manager: 'Gute Berater:innen verkaufen nicht, sondern schaffen ein Erlebnis und eine dauerhafte Beziehung'
Wenn es einen Beruf in der Mode gibt, in dem emotionale Intelligenz an erster Stelle steht, dann ist es dieser. Verkaufsberater:innen verkörpern weit entfernt von Klischees das lebendigste und vielleicht menschlichste Gesicht dieser riesigen Branche. Um ein vielschichtiges Porträt dieses praxisnahen Berufs zu zeichnen, hat FashionUnited mit denjenigen gesprochen, die den Verkauf als einen Ort für persönliches Wachstum und spezialisierte Expertise betrachten.
Nach unserem Gespräch mit Léa Siboni, Verkaufsberaterin für die Luxusmarke The Row, und Mathilde Robard vom Concept-Store Centre Commercial, treffen wir Ruven Taieb, Manager der Boutique Rendel Records in Paris.
Wie beschreiben Sie Ihren Beruf?
Wenn man bei Rendel arbeitet, ist man sowohl Berater:in für unsere Kund:innen als auch Markenbotschafter:in. Man hört ihnen zu, um Lösungen anzubieten, die auf ihre Wünsche und ihre Persönlichkeit zugeschnitten sind. Die Gründer:innen verlassen sich darauf, dass wir dieses familiengeführte Haus repräsentieren und sein gesamtes Fachwissen vermitteln.
Wie war Ihre erste Stelle im Verkauf?
Mein erster Job im Verkauf war im Bekleidungsbereich. Ich besuchte eine Modeschule und arbeitete Teilzeit als Berater für eine französische Anzugmarke.
Haben Sie gute Erinnerungen an Ihr erstes Vorstellungsgespräch im Verkauf?
Immer ein bisschen stressig! Nichts ersetzt die praktische Erfahrung für die Ausbildung und Weiterentwicklung.
Was ist der beste Ratschlag, den Ihnen ein:e Manager:in oder Mentor:in zu Beginn Ihrer Karriere gegeben hat?
Mein Vater sagte mir einmal: „Das Nein hast du schon. Wir wollen das Ja.“ Das ist ein Satz, der mich bis heute begleitet: wagen, vorankommen und sich abheben.
Was treibt Sie morgens an?
Die Herausforderung. Jeder Tag ist eine neue Gelegenheit, mit meinem Team besser zu werden und diese Energie an die Kund:innen weiterzugeben. Eine gute Atmosphäre in der Boutique spürt man sofort.
Wie sieht die ‚Freude am Verkaufen‘ aus?
Der menschliche Kontakt. Ideen austauschen, gemeinsame Leidenschaften entdecken, eine echte Verbindung schaffen. Wenn ein:e Kund:in sich wohlfühlt, uns vertraut und zufrieden geht, dann ergibt alles einen Sinn.
Was ist der denkwürdigste Verkauf, den Sie je abgeschlossen haben?
Während des Rendel Café Pop-ups kaufte ein Kunde Paare für alle in der Boutique – wie eine Runde an der Bar – obwohl er niemanden kannte. Es waren mehr als 15 Artikel. Ein unglaublicher Moment.
Haben Sie Lieblingskund:innen?
Ja, natürlich. Die Stammkund:innen, mit denen wir eine echte Beziehung aufbauen, aber auch einfach die respektvollen Kund:innen. Ein Hallo und ein Auf Wiedersehen bedeuten sehr viel.
Welche technische Fähigkeit haben Sie im Laufe der Jahre am meisten verfeinert?
Produktkenntnisse: Herstellung, Materialien, Schrauben... Das ist unerlässlich, um echte Glaubwürdigkeit aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.
Auf welche Eigenschaften sind Sie am meisten stolz?
Zwischenmenschliche Fähigkeiten und Organisation. Es ist entscheidend, Verbindungen aufbauen zu können und gleichzeitig eine strukturierte Boutique zu führen.
Wie schulen Sie Ihr Auge?
Ständig beobachten: Gesichter, Teints, Stile. Es ist auch wichtig, mit Mode und Kultur in Verbindung zu bleiben, um immer etwas Passendes und Aktuelles anbieten zu können.
Was ist das Unerwartete an diesem Beruf?
Die Leute denken oft, dass es beim Verkaufen nur darum geht, ein Produkt zu verkaufen. In Wirklichkeit geht es hauptsächlich darum, eine Person zu verstehen. Hinter jedem Ratschlag steckt echte Arbeit des Zuhörens, der Psychologie und der Präzision. Ein:e gute:r Berater:in verkauft nicht, er:sie schafft ein Erlebnis und eine dauerhafte Beziehung.
Dieses Interview wurde schriftlich geführt.
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