Der in Bochum ansässige Textilhersteller Steilmann GmbH & Co. KG steht offenbar doch nicht vor dem Aus. Wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Donnerstag meldete, hätten die Verhandlungen zwischen dem potentiellen Investor, der in Bergkamen ansässigen Miro Radici AG und den betroffenen Banken zu einer Lösung geführt. Miro Radici werde demnach die akut von der Insolvenz bedrohte Steilmann GmbH & Co. KG übernehmen. Das Unternehmen, eine Tochtergesellschaft der italienischen Miro Radici Gruppe, hatte bereits vor drei Jahren etwa die Hälfte der Steilmann-Gruppe übernommen.

Noch kurz zuvor hatte vieles auf eine Insolvenz des traditionsreichen Familienunternehmens hingedeutet. Ute Steilmann, die Geschäftsführerin der Gruppe, hatte auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch angekündigt, Insolvenzanträge für die Muttergesellschaft und alle Tochterunternehmen zu stellen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Chefin des Steilmann-Betriebsrates, Annegret Pose, meldete. Das Unternehmen selbst äußerte sich zu den Vorgängen bisher nicht, kündigte aber inzwischen eine Stellungnahme für den späteren Donnerstag an.

In letzter Minute waren daraufhin die zwischenzeitlich unterbrochenen Verhandlungen über eine Übernahme der Steilmann GmbH & Co. KG mit dem Textilunternehmen Miro Radici AG wieder aufgenommen worden, die jetzt offenbar zum Erfolg führten. Michele Puller, der Geschäftsführer des potentiellen Investors, hatte im Vorfeld selbst im Falle erfolgreicher Verhandlungen mit den betroffenen Gläubigerbanken empfindliche Einschnitte für die 500 verbliebenen Steilmann-Beschäftigten am Standort Bochum-Wattenscheid angekündigt: "Wir müssten auf jeden Fall rationalisieren und können nur retten, was wirklich zu retten ist", betonte er am Mittwoch gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Der Steilmann-Konzern befindet sich schon seit einigen Jahren in der Krise. Auf wiederholte wirtschaftliche Rückschläge reagierte das Unternehmen mit Werksschließungen, Firmenverkäufen und Entlassungen. Noch im vergangenen Sommer mussten die verbliebenen Beschäftigten einer Tarifvereinbarung zustimmen, die eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich vorsah.

 

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