Wer sonst? Iris van Herpen erfindet das weltweit erste „Plasma“-Kleid
In Paris zeigt die niederländische Designerin Iris van Herpen einmal mehr, dass die Natur ein guter Ausgangspunkt für das luxuriöseste Modesegment ist. Sie debütiert mit „Plasma“-Kleidern in ihrer Kollektion „Sonic Starquakes“. Diese ist von den Strukturen von „Starquakes“, also explodierenden Supernovae, inspiriert.
Ähnlich wie bei Erdbeben vibrieren Sterne durch Energiewellen, die sie durchqueren, obwohl sie Lichtjahre entfernt sind. Die Schönheit ist ein Nebeneffekt, was in der Kollektion jedoch nicht so erscheint.
Fractual Universe
Das „Fractal Universe“-Kleid ist der Blickfang der Kollektion. Es erinnert an das Läuten der Glocken um Mitternacht in der Silvesternacht, aber auch an eine unheilvolle Apokalypse. Blitze zeichnen sich auf dem Kleid ab – und sie sind verblüffend real. Für diesen Effekt ließ van Herpen ihren Entwurf elektrisch aufladen, anschließend wurde er kryogen konserviert, um die Energie von Milliarden gefangener Elektronen zu speichern.
In den Nächten vor der Show begann sich diese Spannung selbständig zu entladen. Ursprünglich war geplant, dass dies erst auf dem Laufsteg geschehen sollte. Verzweigte Blitze schossen durch die dreidimensionale Struktur. Die dabei freigesetzte Energie wird als Plasma bezeichnet, der Hauptbestandteil von Sternen, Sonnenwinden und Nebeln.
Der Effekt sorgte in Paris für Staunen. So auch bei Prinzessin Maria Chiara de Bourbon-Sizilien und der Schauspielerin Daphne Guinness. Beide sind Musen und Kundinnen der Designerin.
Inspiration für die Kollektion war unter anderem ein Experiment der walisischen Forscherin Margaret Watts Hughes (1842-1907). Sie versuchte, ihre eigene Stimme in Kunst zu materialisieren. Sie erfand das Eidophon, eine Art Megaphon mit einer Membran aus Farbpulver. Durch die Schwingungen ihres Gesangs begann sich das Pulver auf der Oberfläche zu bewegen – und es entstand ein Kunstwerk.
Helix Nebula
Neben diesem Blitz-Kleid zeigte van Herpen in Paris auch das „Helix Nebula“-Kleid, benannt nach dem planetarischen Nebel. Das Oberteil besteht aus zwei skulpturalen, mundgeblasenen Glasmonden, die mit Plasma gefüllt sind und auf Berührung reagieren. Auf dem dunkel beleuchteten Laufsteg leuchtete die Konstruktion in einem mystischen, tiefroten Glanz.
Für das Mieder verwendete van Herpen feines, mundgeblasenes Glas. Diese Technik nutzte sie bereits für das „Airo Dress“, das in diesem Jahr bei der Met Gala für Aufsehen sorgte. Die Spitzensportlerin Eileen Gu trug die Konstruktion aus 15.000 schillernden Blasen, die auf fast unsichtbarem Tüll befestigt und mit UV-Licht zum Leben erweckt wurden.
Keinen Tag nach der Präsentation ging die Kollektion bereits auf TikTok und Instagram viral. Der Designerin aus Wamel ist es erneut gelungen, die Mode mit einem intellektuellen Glanz zu versehen. Durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die Natur, die ihr so am Herzen liegt.
Durch die Aneinanderreihung von Naturwundern als Ausgangspunkt für ihre Mode könnte der falsche Eindruck entstehen, dass van Herpen versucht, uns das Universum zu erklären. Das möchte sie nicht, wie sie in den Shownotes erläutert: „Um uns herum und in uns selbst bleiben gewaltige Dimensionen der Realität unentdeckt. (...) Ich versuche nicht, diese Kräfte zu erklären; stattdessen schärfen sie unser Bewusstsein für das Unbekannte und erinnern uns an die Mysterien, die in diesem Multiversum liegen.“
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