Wie Adidas und Parley das Plastikproblem lösen wollen

Viele Meilensteine der Menschheitsgeschichte basierten auf neuen Materialien, die durch ihre Nutzung historische Perioden definieren. Die Bronzezeit, die auf die Steinzeit folgte, war eine wichtige Etappe in der sozialen und technologischen Entwicklung der europäischen Gesellschaften und ermöglichte der prähistorischen Metallbearbeitung eine Blütezeit. Dasselbe gilt für die Eisenzeit: Durch die Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge förderte die Nutzung von Eisen die Sesshaftwerdung der Bevölkerung.

Gegenwärtig leben wir in dem, was Historiker der Zukunft vielleicht als das 'Bakelitische Zeitalter' bezeichnen werden. Unter dem Namen Bakelit wurde der erste vollsynthetische, industriell produzierte Kunststoff hergestellt und vermarktet, der 1905 vom belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland entwickelt und nach ihm benannt wurde. Es war eine frohe Form des heute kaum mehr wegzudenkenden Plastiks.

Seit Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts hat der Kunststoff zweifellos beträchtliche Fortschritte ermöglicht, die weit über die Gegenstände hinausgehen, die uns täglich umgeben: Wenn wir länger leben, so ist es dem Kunststoff zu verdanken, der die Medizin revolutioniert hat. Sein Einsatz führte zur Senkung von Materialkosten und Gewicht, zur Verringerung von Infektionskrankheiten und zur Erleichterung chirurgischer Eingriffe. Kunststoffe retten nicht nur Leben, sie erleichtern es auch in zahllosen Bereichen.

Aber sie stellen auch ein riesiges Problem dar. Plastik ist ein Einwegprodukt, das schwer abbaubar ist. Es verschmutzt den Planeten wie kein anderes Material in der Geschichte der Menschheit vor ihm. Wir haben es also mit einem Paradoxon zu tun: Wie kann man mit diesem Material umgehen, das der Menschheit hilft, länger zu leben, während gleichzeitig die Erde und das Ökosystem daran erstickt? Diese (über)lebenswichtige Frage treibt seit einigen Jahren die Modeindustrie um, die diesen kostengünstigen, ergiebigen Kunststoff intensiv nutzt.

So sind eine Reihe von Initiativen von Marken, aber auch von Dienstleistungsunternehmen entstanden, die das Plastikproblem lösen wollen. Eine davon kommt von der Eventagentur Betak, die in einem in diesem Jahr veröffentlichten Manifest verspricht, den Verbrauch von Einwegplastik bei ihren Veranstaltungen wie Modeschauen und Präsentationen, die sie für ihre angesehenen Kunden organisiert, reduzieren zu wollen. Weltweit verspricht die Modeindustrie, ihren Einsatz von Kunststoffen zu verringern. Diese Antwort ist Teil eines globalen Kampfes für eine nachhaltigere Entwicklung. Aber ist das genug?

Die ehrgeizigste Reaktion kam wohl von Sportwarenherstellern. Das ist nicht überraschend: Gerade auf dem Gebiet der Sportswear wird an technologischen Innovationen geforscht - und es kommen besonders viele Kunstfasern zum Einsatz. So auch bei Adidas, das seit mehreren Jahren zusammen mit mit Start-ups, innovativen Labels und Spitzenorganisationen den Kampf gegen die Umweltverschmutzung aufgenommen hat.

So hat die Marke vor kurzem auf das Know-how des kalifornischen Unternehmens Allbirds zurückgegriffen, das unerwartete Materialien auf der Basis von Eukalyptusfasern, Zuckerrohr oder Merinowolle entwickelt. Adidas und Allbirds wollen gemeinsam den Übergang der Branche zur Klimaneutralität beschleunigen: Sie entwickelten einen leistungsstarken und komfortablen Sportschuh, der bald das Licht der Welt erblicken soll.

Schon vor einigen Jahren ging Adidas die Zusammenarbeit mit Parley for the Oceans ein. Diese Organisation unterhält Allianzen mit wichtigen Partnern Anheuser Busch InBev, American Express, der Weltbank, SACEP (South Asian Cooperative Environmental Programme) und Ländern wie Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Außerdem beschäftigt es Mitarbeiter aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Design, Unterhaltung sowie Weltraum- und Meeresforschung. Das Hauptaugenmerk der Organisation liegt auf nichts Geringerem, als der Entwicklung von Projekten, die die Zerstörung der Ozeane stoppen und das globale Plastikproblem lösen sollen.

Das Projekt wurde der UNO 2015 in New York im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel "Oceans. Climate. Life." vorgestellt, auf der Cyrill Gutsch, Gründer und CEO von Parley, seine Strategie zur Beendigung der Meeresverschmutzung durch Plastik darlegte. Diese Strategie basierte auf drei Säulen: Erstens, die Vermeidung der Verwendung von Kunststoffen, wo immer möglich, und zweitens das Recycling von Kunststoffabfällen. Die dritte Säule ist die schwierigste: Die Idee ist, Kunststoffe durch die Forschung neu zu überdenken. Adidas und Parley enthüllten einen Schuh, dessen Obermaterial aus Fasern gefertigt wurde, die aus Kunststoffabfällen und illegalen Fischernetzen gewonnen wurden.

„ Was wir mit Adidas erreicht haben, grenzt an ein Wunder"

Seitdem hat die Partnerschaft die Innovation in der Branche inspiriert und treibt eine globale Anstrengung für die Rettung der Ozeane voran. „Es reicht nicht aus, nur zu ändern, wie wir Dinge tun. Wir müssen das Verhalten der gesamten Branche ändern," sagt James Carnes, Vice President Brand Strategy bei Adidas. „In den vergangenen fünf Jahren hat Adidas in seinen Produkten schrittweise auf neu produziertes Polyester verzichtet, und bis Ende 2020 werden mehr als 50 Prozent des verwendeten Polyesters aus Recycling stammen. Ziel ist es, bis 2024 die Produktion von Polyester für Adidas-Produkte auslaufen zu lassen.

„Angesichts des Ausmaßes der Probleme, die wir in Angriff nehmen, haben wir das Gefühl, dass wir nie genug oder schnell genug sein können. Rückblickend betrachtet grenzt das, was wir mit Adidas erreicht haben, jedoch an ein Wunder. In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Gültigkeit der AIR-Strategie von Parley unter Beweis gestellt. Jetzt brauchen wir mehr denn je die Materialrevolution. Wir haben zehn Jahre vor uns, um das toxische Zeitalter, das wir geschaffen haben, zu beenden. Um zu überleben, müssen wir als Spezies unsere Kräfte vereinen und mit der Natur an einem Strang ziehen", so Cyrill Gutsch.

Foto: Adidas X Parley

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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