• Startseite
  • Nachrichten
  • Mode
  • Wirbel um Zara und Galliano: „Das ist ein Power-Move von Inditex“’

Wirbel um Zara und Galliano: „Das ist ein Power-Move von Inditex“’

Wenn ein Modeunternehmen eine Kooperation mit großen Designer:innen eingeht, sind Reaktionen vorprogrammiert.
Mode
Designer John Galliano aus Gibraltar. Bild: Zara
Von Anna Roos van Wijngaarden

Wird geladen...

Automatische Übersetzung

Original lesen nl oder da es fr ja pl tr zh
Scroll down to read more

Einen Tag nach der Ankündigung der Zusammenarbeit von John Galliano mit dem spanischen Modekonzern Zara gibt es eine Flut von Reaktionen von Modeexpert:innen. Dass sich eine Modeikone, deren Arbeit die Haute Couture definiert hat, nun hinter eines der größten Fast-Fashion-Unternehmen der Welt stellt, trifft in der Branche einen wunden Punkt. Woran liegt das genau?

Von Empörung bis Verständnis

In einer kurzen Erklärung bestätigte Zara am Dienstag die zweijährige kreative Zusammenarbeit mit Galliano. Er wird in die Archive der Marke eintauchen, um Kleidungsstücke aus früheren Kollektionen zu dekonstruieren und in einer Reihe von saisonalen Kollektionen neu zu interpretieren. Die erste davon wird im September 2026 erscheinen.

Dem Luxusmodeexperten Hakan Karaosman zufolge ist der Deal ein „Power-Move“ von Inditex. Der Experte meint, das Unternehmen versuche, eine Marktlücke zu füllen: Produkte, die den Konsument:innen Status zu einem vernünftigen Preis bieten. Auf LinkedIn erklärt er, wie diese Lücke entstanden ist: „Luxusmarken verzeichnen einen Rückgang der Impulskäufe, da jüngere Generationen Luxus für immer weniger relevant halten. Sie erkennen allmählich, dass der Besitz von ein oder zwei Luxusartikeln nicht automatisch bedeutet, zur Elite zu gehören. Das ist eine Illusion, die Marken jahrelang durch Influencer:innen-Marketing ausgenutzt haben.“ Indem man eine Zara-Jacke von Galliano für den Bruchteil eines Gehalts kauft, kann man dennoch vom Markennamen und der kreativen Identität des Designers profitieren.

Die unabhängige Designerin und Beraterin Silvia Pellegrino aus Barcelona ist kritisch. „Zara ist bereit, Galliano für seinen Namen zu bezahlen – aber nicht genug. Wir sprechen heute hauptsächlich über Gewinn und Strategie. Dabei vergessen wir, dass es in der Mode primär um etwas Stärkeres geht, etwas, das man nicht kontrollieren oder in einer Tabelle erfassen kann: Kreativität, Kunst.“ Sie stellt auch die Originalität von Zara selbst in Frage: „Ist Zara vielleicht deshalb so gut mit Zahlen, weil es selbst nichts kreiert und alles von anderen kopiert?“ Gallianos Entscheidung für diese Rolle nennt sie daher „eine echte ethische Überraschung“.

Oana Leonte, ehemalige Marketingdirektorin bei Puma, fügte der LinkedIn-Diskussion hinzu, dass Zara kaum über ein Archiv verfüge, aus dem man schöpfen könne – das meiste sei von anderen Designer:innen inspiriert oder kopiert. Wenn jemand tote Dinge wieder zum Leben erwecken könne, dann Galliano. Dennoch sei es fraglich, ob das ausreiche, meinte sie, da der Erfolg auf einer „geliehenen Bedeutung“ beruhe – einem Ruf, der aus externen Kooperationen stammt.

Jüngst hatte Zara auch kurzfristige Kooperationen mit den Designern Narciso Rodriguez und Ludovic de Saint Sernin bekannt gegeben. Ebenso mit Steven Meisel, der die Fotografie für Zaras 50. Geburtstag verantwortete, und Vincent Van Duysen, der Zaras neuen Design-Store in Barcelona entwarf. Nichts davon – auch Galliano nicht – gehört Inditex selbst.

Maison Margiela Haute Couture SS24. Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Der schwedischen Schneidermeisterin Linda Carlen zufolge ist die große Frage nicht, was Zara von dem Deal hat, sondern was er mit Gallianos eigenem Ruf machen wird. Auf LinkedIn analysiert sie seine letzte Couture-Kollektion für Maison Margiela (SS24), mit der er symbolisch mit seiner Vergangenheit bei Dior brach. Diese endete trotz seiner unglaublich künstlerischen Arbeit in einer Kontroverse – rassistische und antisemitische Äußerungen führten zu seinem Abschied vom Modehaus. Indem er sich nun mit Zara zusammentut, „verpasst er der Haute Couture eine Ohrfeige, und das tut er laut und deutlich.“

Aus geschäftlicher Sicht gibt es mehr Verständnis. Die E-Commerce-Expertin Elisabetta Borghi beschreibt den Deal auf LinkedIn als einen unvermeidlichen Schritt, da die Marktposition von Zara fragiler sei, als die Jahreszahlen vermuten ließen – der Umsatz wuchs 2025 um nur ein Prozent. „In den letzten Saisonen hat Zara versucht, sich in das höhere Segment zu bewegen“, schreibt sie und verweist auf luxuriösere Stoffe, klare Silhouetten und weniger laute Kampagnen. „Aber die Inspiration war zu offensichtlich. Die Referenzen zu Ralph Lauren waren kaum verhüllt und Chanel-Codes wurden auf Blazer für 49 Euro übertragen. Selbst Konsument:innen ohne Hintergrundwissen spürten, dass etwas nicht stimmte.“ In einer direkten, mehrjährigen Zusammenarbeit mit einem Couturier wie Galliano kann Zara vielleicht zu einer eigenen Identität finden.

Die Kette und der Künstler

In den Reaktionen wurde zu Recht auch auf die Designkooperationen mit H&M hingewiesen, eine Tradition, die 2004 mit Karl Lagerfeld, dem damaligen Kreativdirektor von Chanel, begann. In der Reihe folgten auch Stella McCartney (2005); Viktor & Rolf (2006); Rabanne (Herbst 2023); und zuletzt Glenn Martens (2025). Bei jeder Ausgabe waren die Kollektionen innerhalb weniger Stunden ausverkauft und wurden von den Medien begeistert aufgenommen. Um 20 Jahre Gastdesigner:innen zu feiern, brachte H&M sogar eine limitierte Neuauflage von Artikeln heraus, die inzwischen zu Sammler:innenstücken geworden sind.

Dass H&M weniger Kritik erntete, hat möglicherweise mit dem Zeitgeist zu tun. In den letzten Jahren wurde erst deutlich, dass der unaufhörliche Strom an „Collabs“ unabhängige Marken teuer zu stehen kommen kann, schrieb der Modekommentator Twinn Brett auf seinem Substack. Außerdem hat H&M seinen langjährigen Ruf als „skandinavische, ‘cleane’, freundliche, umweltbewusste und qualitative Marke“, so Brett. „H&M ist weicher und zugänglicher als das kantige Zara und damit für ein breiteres Publikum attraktiv. Sie sind vielleicht die besten Vermarkter:innen und die besten Greenwasher der Welt.“

Die Zara-Kooperation unterscheide sich auch durch ihre langfristige Ausrichtung von den Kapselkollektionen von H&M, erklärt Ana Vareva, Inhaberin der deutschen Fashion Consulting Group. „Anders als diese kurzen Collabs wirkt dies strategisch kohärent und langfristig“, schreibt sie. „Zara hat die Qualität und Eigenständigkeit im mittleren Preissegment in den letzten Jahren bereits verbessert. Eine Zusammenarbeit mit Galliano rechtfertigt künftig höhere Preise, betont das kreative Talent und stärkt die Positionierung der Marke.“

Galliano: Ein Mann mit vielen Gesichtern

John Galliano wurde am 28. November 1960 in Gibraltar geboren und zog im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern nach London. Die Schule schloss er nicht ab – ein Vorbote seines eigenwilligen Charakters als Modedesigner und Unternehmer. Stattdessen absolvierte er eine Ausbildung im Textilbereich und wechselte an das renommierte Modeinstitut Central Saint Martins. Die Faszination für historische Kostüme, die er dort entwickelte, spiegelt sich in seinem gesamten Werk wider.

1995 wurde Galliano als erster Brite zum Chef eines französischen Modehauses ernannt, bei Givenchy; ein Jahr später versetzte LVMH ihn zu Christian Dior. Seine 15 Jahre bei dem Modehaus (1996–2011) mit theatralischen Themen wie ägyptischen Prinzessinnen, Zigeunerinnen und Showgirls gelten als eine der extravagantesten Perioden der modernen Modegeschichte.

Es bleibt die Frage, ob Galliano seine Vision in einem Unternehmen umsetzen kann, das sich grundlegend von Haute Couture oder Ready-to-wear unterscheidet. In seiner 42-jährigen Karriere hat er immer wieder die Schönheit in angestaubten Marken und in der Hässlichkeit gefunden — so scheint nun auch der Auftrag von Marta Ortega Pérez zu lauten.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

FashionUnited nutzt Künstliche Intelligenz, um die Übersetzung von Artikeln zu beschleunigen und das Endergebnis zu verbessern. Sie helfen uns, die internationale Berichterstattung von FashionUnited einer deutschsprachigen Leserschaft schnell und umfassend zugänglich zu machen. Artikel, die mithilfe von KI-basierten Tools übersetzt wurden, werden von unseren Redakteur:innen Korrektur gelesen und sorgfältig bearbeitet, bevor sie veröffentlicht werden. Bei Fragen oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@fashionunited.com

Inditex
John Galliano
Kollaboration
Maison Margiela
Zara