Affäre um Hermès-Aktien: Zwei Schweizer Anwält:innen und ein Notar angeklagt

Zwei Schweizer Anwälte und ein Notar sind in Paris in der Affäre um Hermès-Aktien angeklagt worden. Ein Erbe des französischen Luxuswarenhauses gibt an, zugunsten von LVMH enteignet worden zu sein. Das erfuhr die AFP am Freitag von der Pariser Staatsanwaltschaft, die damit eine Information der Tageszeitung Libération bestätigte.

Der 83-jährige, in der Schweiz lebende Nicolas Puech beschuldigt seinen ehemaligen Vermögensverwalter Eric Freymond, ihn seiner Aktien beraubt zu haben. Dies sei zugunsten von LVMH und dem Milliardär Bernard Arnault geschehen.

Im Dezember 2023 trat er als Nebenkläger wegen Untreue auf. Er verdächtigt den Verwalter, „seit 1998 über von ihm verwaltete Schweizer Gesellschaften Vermögenswerte veruntreut zu haben“. Außerdem soll er „seine Aktien ohne seine Zustimmung und ohne ihn darüber zu informieren verkauft haben“, so die Staatsanwaltschaft.

Laut Staatsanwaltschaft wurde bereits am 19. November 2015 ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Dies geschah nach einer Klage von Hermès International im Vormonat. Der Vorwurf lautete auf Fälschung und Verwendung von Fälschungen, wobei Freymond unter Verdacht stand.

Freymond, der bereits im Dezember 2019 wegen Fälschung belangt wurde, wurde am 9. Juli 2025 erneut angeklagt. Die Anklagepunkte lauteten schwere Untreue zwischen 1998 und 2023 sowie Fälschung und Verwendung von Fälschungen in Frankreich und der Schweiz in den Jahren 2024 und 2025. Er wurde daraufhin unter richterliche Aufsicht gestellt und musste eine Kaution von fünf Millionen Euro hinterlegen.

Doch der 67-jährige Vermögensverwalter „beendete sein Leben“ kurz darauf am 21. Juli 2025, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das öffentliche Verfahren gegen ihn wurde daher eingestellt. Mehrere seiner mutmaßlichen Kompliz:innen wurden in den letzten zwei Monaten angeklagt.

Am 9. April wurde die Schweizer Anwältin Vanjia Megevand wegen versuchten bandenmäßigen Betrugs 2025 zum Nachteil von Puech angeklagt. Am 18. Mai wurde der Schweizer Anwalt François Besse wegen Beihilfe zur schweren Untreue; Hehlerei; Urkundenfälschung in den Jahren 2024 und 2025; versuchten bandenmäßigen Betrugs in den Jahren 2024-2025 und eines gefälschten Darlehensvertrags angeklagt.

Am 27. Mai wurde auch Alexandre Montavon angeklagt. Der Schweizer Anwalt, der die Firma Dilico verwaltet, wird der Beihilfe zur schweren Untreue von 2001 bis 2014 verdächtigt. Er soll an der Veruntreuung der Hermès-Aktien von Puech zugunsten von LVMH beteiligt gewesen sein und wird zudem der Hehlerei beschuldigt.

„Die angeklagten Personen bestreiten die ihnen zur Last gelegten Taten“, betonte die Staatsanwaltschaft und fügte hinzu, dass die Ermittlungen andauern.

Im Dezember bekräftigten LVMH und sein Aktionär, „mit Nachdruck, zu keinem Zeitpunkt Aktien der Gesellschaft Hermès International veruntreut zu haben“.

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