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Influencerin Vivi König: Tiktok ist ein Hot Topic, stresst mich aber oft

Von Pia Schulz

5. Mai 2022

Personen |Interview

Bild: Vivi König

Mit ihrer natürlichen, ungestellten Art hat sich die Influencerin Vivi König als das „Mädchen von Nebenan” eine große Fangemeinde aufgebaut: Über 130.000 Menschen folgen der 24-Jährigen auf Instagram.

Ganz nach ihrem Motto „go with the flow” nimmt sie ihre Follower:innen mit in ihr Leben zwischen Filmsets und WG-Abenden in Berlin. Neben kurzen Outfit-Videos und analogen Urlaubs-Schnappschüssen postet sie professionelle Mode-Shoots und arbeitet als Schauspielerin. Zuletzt stand sie bei Netflix für die Mini-Serie „Life’s a glitch” vor der Kamera. Auf ihrem Kanal setzt sie sich auch für gesellschaftliche Themen wie Nachhaltigkeit, Body-Positivity und Feminismus ein: Ganz offen und locker spricht sie über Selbstakzeptanz, promotet in Kooperationen Periodenunterwäsche und zeigt sich selbst auf Klimastreiks und „Black Lives Matter”-Demos – Themen, die die Gen Z bewegen.

Wie sie eher zufällig in die Rolle der Influencerin gelang und wie sich die Arbeit mit großen und kleinen Marken unterscheidet, erzählt König im Interview.

Frau König, erzählen Sie von Ihrem Alltag als Influencerin.

Es ist eigentlich kein Alltag. Jeder Tag ist anders, je nachdem welche Projekte gerade anstehen und wie ich darin involviert bin. Aber ich versuche trotzdem eine Art Routine zu haben: Um sieben aufstehen, duschen, frühstücken, Mails checken und mit den jeweiligen Aufgaben starten.

Wenn ich beispielsweise eine ganz normale Kooperation habe, schaue ich mir zuerst das Briefing und den Vertrag an, erstelle ein Board und überlege, wie ich meine Ideen umsetzen will. Dann frage ich Fotograf:innen an, die ich dann für das Shooting buche und organisiere anschließend die ‘Produktion’.

Bild: Vivi König für Prada

Sie arbeiten mit Marken wie Levi’s, Adidas und Reebok zusammen. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Jede Zusammenarbeit ist einzigartig, es gibt kein Musterbeispiel. Mit Adidas hatte ich zum Beispiel eine langfristige Kooperation, die sehr viel beinhaltet hat. Ich war Ambassador für einen bestimmten Schuh, wurde nach Paris zu Events und Shootings eingeladen. Zudem hatte ich einen Kampagagnenshoot in Berlin und gebuchte Postings für meinen Kanal.

Bei großen Kampagnenshoots sind die Konzepte oft schon vorgeschrieben, bei kleinen Shoots hingegen kümmere ich mich um alle Schritte – von der Idee, zur Umsetzung, Abgabe und natürlich dem Posting.

Was ist Ihnen bei einer Kooperation wichtig?

Mir ist es wichtig mit ausgewählten Partner:innen zusammenzuarbeiten, die eine Idee oder eine Vision haben, hinter der ich persönlich auch stehe.

Und wann lehnen Sie eine Zusammenarbeit ab?

Wenn ich nicht hinter dem Produkt oder der Message stehe, ich keine Zeit habe, das Budget für den Umfang zu gering ist oder mir schlichtweg die Produkte nicht gefallen. Oft sage ich einer Zusammenarbeit aber auch zu, obwohl das Budget eigentlich nicht passt. In diesen Fällen handelt es sich dann um eine nachhaltige oder sozial engagierte Brand mit unterstützungswürdigem Vorhaben.

Über Vivi König:

  • Alter: 24 Jahre
  • Aktuelle Tätigkeiten: Schauspiel, Modeln, Instagram
  • Vergangene Kooperationen: Prada, Maria Black, Calvin Klein, Levis
  • Lieblingstrend: Oversized & Baggy

Ihr Berufsfeld hat sich zusammen mit Social Media entwickelt und ist dementsprechend noch relativ neu. Wie kam es zu der Berufswahl?

Ich habe mich gar nicht aktiv dafür entschieden. Als ich damals angefangen habe, Fotos zu posten, wusste ich nicht einmal, dass man damit Geld verdienen kann. Erst als die ersten Gifting-Anfragen und kurz darauf die Kooperationsanfragen kamen, habe ich gemerkt, dass das auch ein Beruf sein kann.

Wie hat sich Ihr Beruf dann entwickelt?

Anfangs war alles ein reines Chaos. Ich hatte keine Ahnung von dem Beruf, ich war gerade mit der Schule fertig und hatte eigentlich ganz andere Pläne. Zu Beginn habe ich viel auf Barter-Deal-Basis gearbeitet, also Content im Tausch für Produkte. Mit der Zeit kamen immer mehr Anfragen und irgendwann auch Budget.

Wie wichtig ist die Präsenz auf Tiktok in Ihrem Berufsfeld?

Je nachdem was man erreichen will. Aber Tiktok ist auf jeden Fall ‘Hot Topic’. Ich habe zwar auch einen Account, aber noch nicht viel gepostet. Die App stresst mich zu oft.

Welchen Content und Mehrwert wollen Sie Ihren Follower:innen vermitteln?

Mir sind Ehrlichkeit, Transparenz und Authentizität sehr wichtig. Mir geht es nicht darum ein ‘schein-perfektes Leben’ zu zeigen. Ich zeige echte Momente aus dem Leben, teile Erfahrungen, Tipps und Inspirationen. Ich liebe den Austausch und sehe mich auch nicht als professionelle ‘Influencerin’, sondern eher als ein ‘Girl’, das einen Safe Space bietet und freundschaftlich alles Mögliche mit ihren Leuten teilt. Dabei behalte ich mir aber immer einen großen Teil Privatsphäre für mich.

Sehen Sie sich selbst als Vorbild für Ihre Follower:innen?

So gerne ich es verneinen und diese Aufgabe auch eigentlich nicht tragen will, ist mir schon bewusst, dass ich von einigen als Vorbild gesehen werde. Ich glaube, darüber hat man leider keine Kontrolle. Deswegen will ich mich aber auch nicht verbiegen oder verstellen.

Bild: Vivi König

Sind Sie manchmal mit Klischees oder Vorurteilen Ihrem Job gegenüber konfrontiert?

Ja, schon. Aber ich denke, das ist in allen Berufen der Fall. Viele Vorurteile und Klischees sind im Hinblick auf den Beruf „Influencer:in“ auch gerechtfertigt. Im Vergleich zu meinen früheren Jobs merke ich, dass das Verhältnis von Arbeitsaufwand und Stress zum Verdienst viel angenehmer ist.

Und wie gehen Sie mit solchen Konfrontationen um?

Wenn mich jemand mit haltlosen Argumenten provozieren will, versuche ich aufzuklären, was wirklich dahinter steckt und verteidige damit auch den Beruf. Aber im Großen und Ganzen gehen die meisten Leute sehr cool damit um.

Ein Ratschlag für Menschen, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen.

Vergleich dich nicht zu sehr mit anderen! Jede:r geht einen anderen Weg und nicht jeder Weg passt zu dir. Das wichtigste ist, dass du Spaß an der Sache hast, denn wenn das nicht der Fall ist, kannst du es gleich wieder lassen, da es ansonsten zu anstrengend wird.

Aber wenn du überzeugt bist, dann ‘go for it’! Sei mutig, ‘connecte’ dich mit anderen Menschen, die dich inspirieren und mach was du willst. Das Internet ist ein schöner Ort um sich auszutoben und Normen zu sprengen.

Dieses Interview wurde in schriftlicher Form durchgeführt.

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