Vom Einkäufer zum Dozenten: Wie Wolter Pot seine Modeleidenschaft an die nächste Generation weitergibt

Personen|Interview
Wolter Pot Bild: Tom ten Seldam
Von Wietse van der Veen

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Nachdem er jahrelang als Einkäufer für den Premium-Streetwear Store Four Amsterdam tätig war, zu dessen Sortiment Marken wie Stone Island, Balenciaga, Prada oder Fear of God gehören, tauschte Wolter Pot die Geschäftswelt gegen das Klassenzimmer. Als Dozent für Modedesign am Koning Willem I College begleitet er Studierende in ihrer kreativen Entwicklung und teilt seine Leidenschaft für Mode und Handwerkskunst. Gegenüber FashionUnited spricht er über den Wechsel in den Bildungsbereich, die Lektionen, die er selbst gelernt hat, und warum er seine Entscheidung noch keinen Moment bereut hat.

Eins. Nach jahrelanger Tätigkeit als Einkäufer bei Four Amsterdam haben Sie den Schritt in den Bildungsbereich gewagt. Warum? Was hat Sie am Unterrichten gereizt?

Ich würde mich selbst als echten Mode-Nerd bezeichnen. Wenn ich mich in etwas verliebe, möchte ich wirklich alles darüber wissen. Neben meiner Arbeit als Einkäufer bei Four habe ich auch die saisonalen Schulungen für das Verkaufspersonal durchgeführt. Ich konnte stundenlang über eine bestimmte Passform oder einen Stoff sprechen und erklären, warum diese so besonders sind.

Mode in den Niederlanden ist ziemlich schwierig. Nach einem Jahr bemerkte ich, dass die Arbeit als Einkäufer nicht mehr dem entsprach, was ich an der Mode eigentlich so schön fand. Es begann, an mir zu nagen. Ich hatte einst aus Liebe zum Handwerk und zu wirklich schöner Kleidung angefangen, aber dieses Gefühl verlor ich immer mehr.

Ich habe Modedesign an der ArtEZ [Anm. d. Red.: Kunsthochschule in den Niederlanden] studiert und ein ehemaliger Kommilitone sprach mich auf diese Stelle an. Ich habe darüber nachgedacht und dachte schließlich: Warum eigentlich nicht? Dafür bezahlt zu werden, sein Wissen zu teilen, klang für mich wie Musik in den Ohren.

Gleichzeitig fand ich es unglaublich aufregend. Mein vorheriger Job hatte ein gewisses Ansehen, was ich irgendwie auch angenehm fand. Trotzdem habe ich den Schritt gewagt, weil mir dieser Job einfach nicht mehr die Erfüllung gab, die ich anfangs darin fand.

Zwei. Wie war das vergangene Jahr für Sie im Bildungsbereich? Wie blicken Sie auf Ihr erstes komplettes Schuljahr zurück?

Es war ein sehr besonderes Jahr. Ich dachte schon vorher, dass es mir gefallen würde, aber es ist tatsächlich noch viel schöner, als ich erwartet hatte. Es hat etwas Magisches, junge Menschen zu begleiten, die mitten in ihrer kreativen Entwicklung stecken. Dass man dazu einen Beitrag leisten darf, finde ich sehr besonders.

Vor zwei Wochen hatten wir unsere Abschluss-Show. Dort präsentierten die Studierenden, die ich betreut habe, ihre Kollektionen. Da kann ich nur unglaublich stolz sein. Zeichnungen, an denen wir monatelang gemeinsam gearbeitet haben, stehen plötzlich als echte Kleidung auf dem Laufsteg.

Natürlich fand ich es am Anfang aufregend, jeden Tag vor einer Gruppe zu stehen. Aber ich merke, dass es sehr gut zu mir passt. Ich spreche gerne und bin nicht schnell nervös. Zusätzlich absolviere ich an einem Tag pro Woche die PDG-Ausbildung. Das ist eine Ausbildung für Fachleute, die Dozent:innen im berufsbildenden Sekundarbereich werden möchten.

Diese Ausbildung gibt mir viel Halt bei der Vorbereitung des Unterrichts. Sie lehrt mich, wie man pädagogisch verantwortlich mit Studierenden umgeht. Das finde ich unglaublich interessant, aber auch ziemlich konfrontierend. Ich habe im vergangenen Jahr viel über mich selbst gelernt. Dabei habe ich Muster entdeckt, derer ich mir vorher nicht bewusst war.

Drei. Was genau machen Sie in Ihrer jetzigen Position? Wie sieht ein durchschnittlicher Tag aus?

Ich unterrichte Modedesign im zweiten und dritten Lehrjahr, wobei das dritte Lehrjahr die Abschlussklasse ist. Jedes Schuljahr ist in vier Perioden unterteilt, in denen jeweils ein anderes Thema im Mittelpunkt steht. Denken Sie zum Beispiel an Outerwear.

Für jede Periode erstelle ich eine Aufgabe, die verschiedene Teile des Designprozesses abdeckt. Das reicht von der Inspirationssuche und Stoffauswahl über das Drapieren mit vorhandenen Kleidungsstücken bis hin zu verschiedenen Zeichentechniken. Ich versuche, den Studierenden so viele Techniken wie möglich an die Hand zu geben. So können sie in ihrem letzten Jahr selbst entscheiden, welche Arbeitsweise am besten zu ihnen passt.

Neben dem Unterrichten bin ich für unsere Social-Media-Kanäle und die kreative Leitung der Abschluss-Show verantwortlich. Ich überlege, welche Projekte wir zeigen und wie die Show aussehen soll. Dazu gehören das Intro-Video, das Booklet mit den Texten zu den Abschlusskollektionen und vieles mehr. Das macht mir unglaublich viel Spaß.

Außerdem bereitet man natürlich den Unterricht vor, korrigiert Aufgaben und ist ständig mit der Weiterentwicklung des Bildungsprogramms beschäftigt.

Kreation der Studentin Lana van der Beek Bild: Lana van der Beek über Wolter Pot

Vier. Was sind für Sie die schönsten Seiten des Berufs?

Am schönsten finde ich, dass man die Studierenden wirklich wachsen sieht. Man sieht, wie sie sich innerhalb eines Jahres enorm entwickeln.

Dieses Jahr werden 16 meiner Studierenden ein Hochschulstudium beginnen, unter anderem an der ArtEZ, dem Amsterdam Fashion Institute (AMFI) und der Willem de Kooning Academie. Ich habe sie bei der Erstellung ihres Bewerbungsportfolios begleitet. Wenn sie dann angenommen werden, bin ich so stolz wie ein Vater.

Außerdem finde ich es fantastisch zu sehen, wenn jemand nicht weiterkommt, wie dann ein paar gute Gespräche die Person langsam wieder aufblühen lassen. Letztendlich kommen die Studierenden oft selbst auf Lösungen, an die man vorher gar nicht gedacht hätte. Diesen Prozess finde ich vielleicht am allerschönsten.

Fünf. Worin können Sie sich in Ihrer neuen Rolle voll und ganz entfalten?

Vor allem in der Wissensvermittlung. In meinem vorherigen Job wurde ich manchmal ein wenig belächelt, weil ich endlos über einen bestimmten Stoff oder eine spezielle Konstruktion reden konnte. Hier werden genau diese Eigenheiten geschätzt. Das finde ich wirklich besonders.

Unsere Bildungsmanagerin, Kelly Geurts, gibt uns außerdem viel Freiheit bei der Entwicklung unseres Unterrichts und der kreativen Gestaltung der Abschluss-Show. Dieses Vertrauen ist unglaublich angenehm und sorgt dafür, dass man wirklich das Beste aus sich herausholen kann.

Sechs. Was nehmen Sie aus Ihrer Erfahrung als Einkäufer bei Four in Ihre jetzige Position mit?

Als Einkäufer habe ich sehr gut gelernt, Kollektionen zusammenzustellen. Damit meine ich, dass ich immer das große Ganze betrachte. Gibt es genug Abwechslung bei den Silhouetten? Stimmen die Farben und Materialien? Ist die Balance zwischen kommerziellen und ausgefalleneren Entwürfen gut?

Diese Sichtweise wende ich jetzt auch bei den Studierenden an. Dabei steht jedoch immer im Mittelpunkt, was der:die Studierende selbst mit seiner:ihrer Kollektion erzählen möchte. Außerdem habe ich mit fast allen großen Modemarken zusammengearbeitet. Das führt im Unterricht zu vielen interessanten Gesprächen und Praxisbeispielen.

Es macht den Stoff für die Studierenden greifbar. Ich merke, dass sie dadurch schneller annehmen, was ich erzähle. Ich bin eigentlich eine wandelnde Enzyklopädie, wenn es um Mode geht.

Arbeit des Studenten Denzell La Cruz Bild: Denzell La Cruz über Wolter Pot

Sieben. Was haben Sie von Ihren Studierenden und Kolleg:innen gelernt?

Dass das Unterrichten vor einer Klasse wie ein großer Spiegel ist. Wenn eine Klasse wirklich unruhig ist, hat das oft auch etwas mit einem selbst zu tun. Das ist manchmal ziemlich schwer zuzugeben.

Deshalb versuche ich, meinen Unterricht sehr abwechslungsreich zu gestalten. Studierende haben heutzutage eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Es liegt also an uns Dozent:innen, sie neugierig und engagiert zu halten. Das finde ich auch eine schöne Herausforderung.

Acht. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Ich finde es sehr angenehm, dass ich jetzt ein komplettes Schuljahr hinter mir habe. Dadurch werde ich nächstes Jahr mit viel mehr Selbstvertrauen vor der Klasse stehen.

Meine Klasse aus dem zweiten Jahr wird nächstes Jahr ihren Abschluss machen. Es ist eine unglaublich talentierte Gruppe, mit der ich im vergangenen April auch auf einer Inspirationsreise in Mailand war. Es ist eine besondere Klasse und ich freue mich riesig darauf, sie in ihrem Abschlussjahr zu begleiten.

Neun. Haben Sie Tipps für andere Modefachleute, die einen Wechsel in den Bildungsbereich in Erwägung ziehen?

Haben Sie keine Angst, einen neuen Weg einzuschlagen.

Ich versuche meinen Studierenden auch immer zu vermitteln, dass sie letztendlich die Einzigen sind, die etwas ändern können, wenn sie in ihrer Arbeit oder in ihrem Leben unglücklich sind. Das ist aufregend und oft auch unangenehm, aber notwendig.

Ich selbst fand es unglaublich beängstigend, diese Entscheidung zu treffen. Ich habe mir ständig Gedanken darüber gemacht, was andere davon halten würden, dass ich an einer Berufsschule in Den Bosch unterrichte. Letztendlich stellte sich heraus, dass sich überhaupt niemand damit beschäftigt.

Ich arbeite Teilzeit im Bildungsbereich und bin daneben weiterhin als Selbstständiger tätig. Ich übernehme Styling-Aufträge, schreibe über Mode und produziere einen Podcast. Dadurch bleibe ich nah an der Praxis, entwickle mich weiter und kann dieses aktuelle Wissen wieder in den Unterricht einbringen. Das ist nicht nur für mich wertvoll, sondern auch für die Ausbildung und meine Studierenden.

Kreation der Studentin Juul Timmers Bild: Juul Timmers über Wolter Pot

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

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