Maison Margiela feiert 20 Jahre Store in Tokio mit neuem Kapitel von ‘MaisonMargiela/folders’
Das französische Modehaus Maison Margiela feiert das 20-jährige Bestehen seines Stores in 2-8-13 Ebisu Minami in Tokio mit einem neuen Kapitel seines Forschungs- und Dokumentationsprojekts ‘MaisonMargiela/folders’. Das Jubiläumsprogramm umfasst die Geschichte des Geschäfts, ein limitiertes Zine sowie eine Installation vor Ort.
Der Store in Tokio markiert zugleich den Beginn der Einzelhandelsgeschichte des Modehauses. Im September 2000 eröffnete Maison Margiela zwölf Jahre nach der Unternehmensgründung sein allererstes Geschäft. Die Wahl fiel damals nicht auf Paris, Antwerpen oder Brüssel, sondern auf ein traditionelles Holzhaus aus den 1940er-Jahren, ein sogenanntes Minka. Dieses befand sich unter der Adresse 3-3-3 Ebisu Minami in einem Wohngebiet des Tokioter Bezirks Shibuya.
Zu dieser Zeit zog es Luxusmarken eher in Viertel wie Omotesando oder Ginza. Das Haus in Ebisu lag hingegen rund 20 Autominuten vom nächsten Luxuseinkaufsviertel entfernt.
Japan als langjährige Inspirationsquelle
Laut der Marke spiegelt diese Standortwahl die langjährige Verbundenheit mit Japan wider. Gründer Martin Margiela und das belgische Designkollektiv Antwerp Six reisten in den 1980er- und 1990er-Jahren regelmäßig dorthin. Dabei tauschten sie sich mit Designer:innen wie Rei Kawakubo aus.
Auf einer dieser Reisen entdeckte Margiela den Jika-Tabi. Dieser Arbeitsschuh mit Gummisohle geht auf die traditionelle Tabi-Socke mit geteilter Zehenpartie zurück und wurde von ihm als Absatzstiefel neu interpretiert. Bei der ersten Show des Hauses im Jahr 1988 für die Saison Frühjahr/Sommer 1989 trugen Models den Tabi. Bis heute ist das Design ein fester Bestandteil der Kollektionen.
Als das Geschäft 2006 umziehen musste, entschied sich Maison Margiela gegen einen kommerzielleren Standort und blieb in Ebisu. Die Marke bezog eine ehemalige Fabrik für Elektroprodukte in 2-8-13 Ebisu Minami. Diese liegt nur fünf Gehminuten vom ursprünglichen Standort entfernt.
Nach Angaben der Marke sind mehrere Mitarbeitende bereits seit der ersten Stunde in dem Store tätig. Im Laufe der Jahre fanden dort zahlreiche Ausstellungen und Events zu Schlüsselmomenten der kreativen Geschichte des Hauses statt. Dazu gehörte 2019 eine Schau zur ‘Artisanal Co-Ed’-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2019. Zudem wurde dort 2024 die letzte ‘Artisanal’-Kollektion des ehemaligen Kreativdirektors John Galliano präsentiert.
Zine und ‘Line 2’-Installation
Mit der Plattform ‘MaisonMargiela/folders’ teilt das Modehaus Archivmaterial sowie seine prägenden Markencodes. Das erste Kapitel wurde im April veröffentlicht und beleuchtete die Ursprünge von vier zentralen Codes: Artisanal, Bianchetto, Tabi und Anonymität.
Das neue Kapitel dokumentiert die Entstehungsgeschichte des Geschäfts. Es umfasst Erinnerungen des Store-Teams sowie einen genaueren Blick auf den Tabi. Hinzu kommen Interviews mit Tabi-Sammler:innen und Anwohner:innen aus Ebisu sowie ein Porträt des Viertels. Die ersten Dokumente zur Geschichte von Maison Margiela in Tokio wurden am Dienstag veröffentlicht.
Anfang November erscheint zudem ein limitiertes Zine exklusiv im Store sowie im Viertel Ebisu und wird auch online verfügbar gemacht. Es enthält eine ‘Line 2’-Beilage mit einem Dialog zwischen der in Tokio lebenden Künstlerin Mio Suzuki und der historischen französischen Tapisserie-Manufaktur Les Manufactures Nationales, Sèvres & Mobilier National.
Beide arbeiteten gemeinsam an einer ‘Line 2’-Installation, die am selben Tag im Store eröffnet wird. Das Modehaus lud die Kunsthistorikerin Yuko Hasegawa ein, das Projekt zu kuratieren. Die Installation ist bis Mitte November öffentlich zugänglich.
Das Zine wird ebenfalls in das Archiv aufgenommen. Die Dateien aller Kapitel sind über die Website von Maison Margiela öffentlich zugänglich.