Adidas und C&A sind Deutschlands modische „Superbrands"

Wer dachte, Deutschland sei in den vergangenen Jahren modisch progressiver und in der Markenpräferenz ein wenig frischer geworden, lebt entweder in der Berliner Blase oder hat schlichtweg die Markenrankings der letzten Monate nicht gelesen. Die zeugen nämlich von genau jener Biederkeit, für die Deutschland seit Jahrzehnten international bekannt ist, und die in den „jungen, frechen Medienformaten“ der Republik gerne ausgeblendet wird.

Deutschland steht eben für C&A, nicht für Chanel. Hier wird nunmal Bacardi statt Havana Club getrunken und die „Apotheken Umschau“ verehrt. Dosen-Erbsen von „Bonduelle“ sind ebenso beliebt wie die „Deutsche Vermögensberatung“ oder die schnelle Hilfe von „Carglass“. Auch Adidas mögen die Deutschen. Der Sportartikel-Hersteller ist nun mal wie der FC Bayern München eine weltläufige Marke mit etwas biederem Kern. Solide eben.

Nein, Experimente machen die Deutschen in ihrer Markenpräferenz ungern. Das zeigt sich auch bei der unlängst präsentierten Auswahl von Deutschlands „Superbrands“.

Deutsche Marken: Nur nicht auffallen!

Ausgehend von Kriterien wie „Markendominanz“, „Kundenbindung“, „Goodwill“ sowie „Langlebigkeit“ und „gesamte Markenakzeptanz“, haben Marktforscher, Wirtschaftsberater, Werber und Medienvertreter diejenigen Marken herausgefunden, die Deutschland am besten repräsentieren: die deutschen „Superbrands“.

Dass sich bei deutschen Markenrankings selten Modemarken wiederfinden, ist mittlerweile keine große Überraschung. Dass sich das deutsche Fashion-Verständnis jedoch ausschließlich auf Adidas und C&A beschränkt, ist aber doch ein wenig ernüchternd. Die Schuld dafür allein am biederen Geschmack des deutschen Durchschnittsverbrauchers festzumachen, wäre jedoch voreilig. Die Frage ist vielmehr: Welche Alternativen hätte es gegeben? Welche deutsche Modemarke hat sich in letzter Zeit durch ein besonders innovatives Design, ein richtungsweisendes Vertriebskonzept oder eine international relevante Kommunikationsstrategie ausgezeichnet? Hier müssen selbst Branchenkenner überlegen, und das oftmals ergebnislos.

Wer künftig in den „besten und stärksten Marken Deutschlands“ gelistet werden möchte, muss vielleicht genau das Gegenteil tun, von denen, die das Ranking derzeit bestimmen – nur eben genauso erfolgreich. In Deutschlands Modeindustrie herrscht oftmals noch immer das Lagerdenken der 90er Jahre vor, das progressiven Anspruch und Erfolg als gegenseitige Ausschlusskriterien definierte. Entweder man machte Kunst oder man verdiente Geld – ein Grundsatz, der die Branche noch heute zu bestimmen scheint. Gefordert sind daher mehr Mut und mehr Risikobereitschaft, gepaart mit einem gesunden Wachstumswillen. Vielleicht wird aus Deutschland so doch noch ein Modeland.

Foto: Adidas