Algenfaser-Pionier Keel Labs meldet Insolvenz an

Keel Labs, das US-amerikanische Start-up hinter den ersten aus Algen hergestellten Fasern, hat am 5. Juni bei einem Gericht in North Carolina Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Das Unternehmen verfügt demnach über geschätzte Vermögenswerte von bis zu zehn Millionen US-Dollar und Schulden in Höhe von einer Million US-Dollar.

Für die Herstellung der von Keel Labs entwickelten Faser Kelsun werden Biopolymere aus Algen gewonnen und in einem chemischen Verfahren zu Fäden verarbeitet. Diese Fäden werden anschließend zu Fasern gesponnen. Keel Labs bezeichnet Kelsun selbst als „Plug-and-Play-Integration“: Das Material kann gestrickt, gewebt und mit anderen Fasern wie Baumwolle oder Hanf gemischt werden. Im Jahr 2024 erhielt das Unternehmen für diese Innovation den „Innovation Project of the Year“-Preis bei den Textile Exchange Climate & Nature Impact Awards.

Die Gründerinnen Tessa Callaghan und Aleksandra Gosiewski begannen 2017 in einem kleinen Labor in Brooklyn, damals noch unter dem Namen AlgiKnit. Ihre Mission war es, Fasern aus dem Ozean in die umweltschädliche Modebranche zu bringen. Im Jahr 2022 folgte ein bedeutender Wachstumsschub dank einer Series-A-Finanzierung von 13 Millionen US-Dollar, an der sich unter anderem Collaborative Fund, H&M Co:Lab und Horizons Ventures beteiligten.

Nach fast zehn Jahren schienen die Gründerinnen bewiesen zu haben, dass Algen ein hervorragender Rohstoff für Kleidung sein können. Nach der Corona-Pandemie wuchs die Bekanntheit von Kelsun durch Kooperationen mit großen Namen schnell. So fertigte Kelsun für Stella McCartney ein gestricktes Tanktop (2023). Ein Baumwollshirt der kalifornischen Marke Outerknown (2025) bestand zu einem Drittel aus Kelsun. Schließlich brachten H&M und & Other Stories 2025 eine Capsule-Kollektion mit dem Material heraus.

Noch 2024 zeigte sich das Unternehmen im Gespräch mit FashionUnited zuversichtlich, die schwierigsten Wachstumsphasen eines Scale-ups überstanden zu haben. Kleidungsstücke mit Kelsun kamen in Auflagen von mehr als 100 Stück zu einem wettbewerbsfähigen Preis auf den Markt. Das nachhaltige „Next-Gen“-Material schien bereit für das große Modesystem.

Obwohl der aktuelle Insolvenzantrag nicht zwangsläufig das Ende für Keel Labs bedeutet, wirft er doch Fragen auf. Was ist also nötig, um ein lebensfähiges Unternehmen im Segment der alternativen Fasern zu führen? Wie kann ein kleines Unternehmen skalierbare, hochwertige Fasern mit geringerer Umweltbelastung produzieren und gleichzeitig einen gesunden Cashflow aufrechterhalten?

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