American Apparel: Investorengruppe bietet 300 Millionen Dollar – und plant die Rückkehr von Dov Charney

Die turbulente Geschichte von American Apparel könnte eine neue Wende nehmen. Am Montag gab eine Bietergruppe ein Kaufangebot für das US-amerikanische Bekleidungsunternehmen ab, das im vergangenen Herbst Insolvenz angemeldet hatte. Das Pikante daran: Der Übernahmeplan wird von Dov Charney unterstützt, der offenbar zusammen mit den Bietern schon einen neuen Businessplan für das Unternehmen entwickelt hat.

Der Gründer von American Apparel war im Sommer 2014 als CEO suspendiert und später formell entlassen worden – nicht zuletzt deswegen, weil ehemalige Mitarbeiterinnen ihn wegen angeblicher sexueller Belästigung verklagt hatten. Seither liefern sich das wirtschaftlich schwer angeschlagene Unternehmen und sein ehemaliger Chef erbitterte juristische Auseinandersetzungen. Charney hatte seit seiner Entlassung das neue Management wiederholt heftig kritisiert und schon mehrfach versucht, mithilfe von Investoren eine führende Rolle im Unternehmen zurückzugewinnen.

Die an der Übernahme interessierte Investorengruppe besteht aus den Finanzhäusern Hagan Capital Group und Silver Creek Capital Partners. Am Montag verkündeten sie in einer gemeinsamen Mitteilung, 300 Millionen US-Dollar für American Apparel zahlen zu wollen. Das Angebot sei dem im vergangenen Jahr vorgelegten Restrukturierungsplan der Gläubiger „überlegen“, heißt es in der Nachricht. Es biete eine „Win-win-Lösung für das Unternehmen und alle seine Stakeholder“.

Dem aktuellen Sanierungsprogramm billigen die Bieter keine echten Erfolgschancen zu. Es sei „nicht plausibel“, eröffne den Betroffenen nur geringe Chancen, ihre Ansprüche langfristig geltend zu machen, und setze „Tausende von Industriearbeitsplätzen in Los Angeles auf Spiel“. Das neue Angebot würde demgegenüber dem Unternehmen größeren finanziellen Spielraum und den Gläubigern mehr Sicherheit bieten.

Charney hat zusammen mit den Bietern bereits einen Businessplan für das insolvente Unternehmen erarbeitet

Als besonderen Trumpf sehen die Bieter ausgerechnet die Rückkehr des umstrittenen Unternehmensgründers an. Das Angebot habe „die Unterstützung von Dov Charney“, erklärte die Bietergruppe. Seine „Führungsstärke und Vision“ sei „entscheidend für das langfristige Überleben“ von American Apparel.

Charneys „Kreativität, Unternehmergeist und Hingabe“ bildeten „das Fundament“ des Unternehmens, erklärte Chad Hagan, Managing Partner der Hagan Capital Group. Der Rauswurf des Gründers sei „ein kurzsichtiger Fehler“ gewesen, so Hagan, „und jetzt sehen wir die Folgen dieses Fehlers in der sinkenden Leistung des Unternehmens“. Umsatz und Bruttoergebnis seien seit seinem unfreiwilligen Abschied unter der neuen Führung massiv gesunken. Charney habe bereits zusammen mit der Bietergruppe einen Businessplan erarbeitet, der die Resultate „massiv verbessern“ würde. Dass American Apparel auch in den letzten Jahren unter Charneys Führung permanent Verluste geschrieben hatte, erwähnte Hagan nicht.

Das Unternehmen reagierte umgehend auf die feindlichen Übernahmepläne. Mit den Gläubigern wurden Berichten zufolge neue Bedingungen ausgehandelt, die auch die finanzielle Lage der Firma verbessern sollen. Demnach wollen die beteiligten Gläubiger nun zusätzliche vierzig Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen, sobald das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist. Das Management hatte das Verfahren nicht zuletzt deswegen eröffnen lassen, um durch eine Reduzierung der bestehenden Verbindlichkeiten und Zahlungsverpflichtungen die Basis für sein Sanierungskonzept zu legen.

Foto: American Apparel
 

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