Bangladesch: 319 Bekleidungsfabriken müssen schließen

Eine Bekleidungsfabrik zu betreiben ist nicht einfach, selbst wenn man - oder gerade deshalb - dies in einem Land tut, in dem 80 Prozent aller Exporte auf Bekleidung entfallen. Und selbst wenn alle Sicherheitsvorschriften erfüllt wurden, gibt es noch genügend Faktoren wie den Wettbewerb weltweit und vor Ort, den ständigen Zeitdruck, Ressourcenmangel wie Strom-, Wasser- und Gasknappheit, hohe Zinsraten für Bankkredite und Währungsabwertungen in Importländern, die das Überleben erschweren.

In Bangladesch werden in diesem Jahr aus einem oder mehreren dieser Gründe 319 Bekleidungsfabriken aufgeben müssen und ihre Pforten schließen, hauptsächlich aufgrund des intensiven weltweiten Wettbewerbs und der Abwertung des US-Dollars. “Es ist ein Grund zur Sorge, dass in den letzten drei Jahren 618 Fabriken geschlossen wurden, nachdem ihre Produktivität aus verschiedenen Gründen drastisch zurückging. 319 weitere Fabriken werden schließen müssen”, bestätigte Siddiqur Rahman, Präsident des Verbands der Bekleidungshersteller und -exporteure in Bangladesch (BGMEA) bei einer Pressekonferenz am Samstag in seinem Büro in Dhaka.

Er schlug vor, die Quellensteuer für den Bekleidungssektor wieder auf 0,3 Prozent zu halbieren, wie es im Vorjahr der Fall war. Auch die Reduzierung der Körperschaftssteuer für die Bekleidungsbranche von 2005 bis 2013 wurde im Finanzjahr 2014-15 aufgehoben, so dass Bekleidungshersteller wieder den normalen Steuersatz von 35 Prozent zahlen. Zudem schlug Rahman vor, dass auf Bekleidungsaccessoires keine Mehrwertsteuer erhoben werden sollte und dass die Einfuhr von Feuerlöschern zollfrei sein sollte, um Unternehmern beim Brandschutz zu unterstützen.

“Jedes Jahr treten rund zwei Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt. Der Bekleidungssektor gibt ihnen Arbeit. Deshalb sollte die Regierung sich im nächsten Haushaltsplan auf diesen Sektor konzentrieren, um seine Kapazitäten zu erhöhen, damit er mehr Arbeitsplätze bereitstellen kann”, verlangte Rahman.

Bekleidungssektor beschäftigt Millionen von Menschen

Und dann ist da noch das ehrgeizige Ziel, das die Bekleidungsindustrie Bangladeschs sich selbst gesetzt hat: bis 2021 ein Exportvolumen von 50 Milliarden US-Dollar zu erreichen - 2015 erreichten Bekleidungsexporte gut die Hälfte davon, nämlich 26,6 Milliarden US-Dollar. Rahman wies darauf hin, dass der Bekleidungssektor in den letzten Jahren im Schnitt um 10 Prozent jährlich gewachsen ist und dies auch beibehalten beziehungsweise übertreffen muss, um das 2021 Ziel zu erreichen.

“Wir brauchen ein Jahreswachstum von 12 Prozent, um das Exportziel von 50 Milliarden US-Dollar bis 2021 zu erreichen. In den letzten 22 Monaten lag das Wachstum jedoch nur bei 6,81 Prozent, also liegen wir 3,19 Prozentpunkte zurück vom erwarteten Durchschnittswachstum und 5.19 Prozentpunkte vom 2021 Ziel”, fasste er zusammen.

Nach China ist Bangladesch der zweitgrößte Bekleidungsexporteur der Welt. Laut den Zahlen des BGMEA besteht die Industrie derzeit aus rund 4300 Bekleidungsfabriken (2014-15) und beschäftigt erstaunliche 4 Millionen Menschen. Nach einem Höhepunkt von fast 5900 Fabriken im Jahr 2012-13 hat sich die Zahl der Fabriken drastisch verringert, nachdem einige von ihnen aus Sicherheitsgründen nach dem Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes im April 2013 und den darauffolgenden Inspektionen schließen mussten.

Möchten Sie mehr dazu wissen, was vor drei Jahren bei dem schlimmsten Unglück der Branche und danach passiert ist? Entdecken Sie unsere Timeline Rana Plaza - 3 Jahre danach hier .

Foto: bgmea.com.bd

 

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