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Cotonea und Kaya&Kato entwickeln Blockchain-Projekt Textile Trust mit IBM

Business

Von Simone Preuss

29. Jan. 2021

Transparenz in der textilen Lieferkette ist nicht immer einfach - es gibt viele Zulieferer und viele Zwischenschritte, die die Geradlinigkeit des Prozesses verzweigen. Deshalb haben sich der nachhaltige Textilanbieter Cotonea und der Anbieter für nachhaltige Arbeitskleidung, Kaya&Kato, mit IBM zusammengeschlossen, dem derzeitigen Marktführer für Open-Source- und Cloud-basierte Blockchain-Konzepte für Business-Anwendungen. Unterstützt vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben sie in einer ersten Phase die Blockchain-basierte Plattform Textile Trust geschaffen, die Sicherheit und Transparenz in der textilen Lieferkette gewährleisten soll.

Mit Blockchain-Technologie können die einzelnen Transaktionen innerhalb eines Prozesses als Datenblöcke (blocks) chronologisch in Form einer Kette (chain) aneinander gehängt und mit entsprechenden Inhalten gefüllt werden. Die neue Plattform Textile Trust speichert Informationen über die jeweiligen Produktionsprozessschritte, die sich weder fälschen noch verändern lassen. Berechtigte können dann die Original-Inhalte abrufen.

„Wir sind für alle Produktionsschritte verantwortlich und kennen sowohl die Sorgen des Farmers von unserem Anbauprojekt in Uganda, als auch die Fallstricke beim Mischen der Baumwollfasern. Wir wissen sowohl um die Wünsche unserer Näherinnen in Tschechien, als auch um Zusatzstoffe beim Färben“, erklärt Cotonea-Geschäftsführer Roland Stelzer in einer Pressemitteilung vom Mittwoch.

„Ein Projekt wie Textile Trust muss alle Stufen der textilen Kette einbeziehen. Das Know-How kommt entweder von mehreren Mitwirkenden, die ihre jeweiligen, bereits komplexen Produktionsschritte vertreten und ein gemeinsames Verständnis aufbauen müssen. Eine ambitionierte Aufgabe. Oder die Inhalte liefert einer der wenigen übergreifend arbeitenden Hersteller von Biobaumwolltextilien wie Cotonea, der auch die Schnittstellen kennt“, fügt Stelzer hinzu.

In der ersten Entwicklungsphase, die einen zweitägigen Workshop und darauffolgend 2-3 Stunden Abstimmung pro Woche umfasste, steuerten Stelzer und sein Team dieses Wissen bei und konnten Ideen als mehr oder minder realistisch einschätzen und optimieren.

Zur endgültigen Version von Textile Trust wird eine Browseroberfläche und eine App gehören, anhand derer die Beteiligten einer Produktion ihre Daten fälschungssicher übermitteln können. Dabei bezieht das System alle wichtigen Parameter wie Produktionsstandards und Zertifikate mit ein, was zu Transparenz im Materialfluss, vereinfachten Verwaltungsprozessen und Zertifizierungen führt. Auch die Endkunden bleiben nicht außen vor: Ohne Zusatzaufwand kann die Blockchain-Anwendung Informationen auch für sie sichtbar machen.

„Mit Hilfe der Blockchain können unsere Kunden dann mittels eines QR-Codes den Weg des Kleidungsstückes innerhalb von Sekunden abrufen und nachverfolgen - von der Bio-Baumwolle aus Uganda bis hin zur fertigen Workwear beim Kunden. Und das nahezu fälschungssicher“, erklärt Kaya&Kato auf seiner Website und verdeutlicht anhand eines grafischen Beispiel, wie diese Schritte aussehen könnten.

Für Stelzer ist Vertrauen der erste Block der textilen Kette: „Wir bei Cotonea sehen Vertrauenswürdigkeit – Trust – als einen der wichtigsten Werte. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten, deren Herstellung auf faire Weise und zum Vorteil aller Beteiligten geschieht, steigt. Das macht eine Fälschung von Zertifikaten, Greenwashing oder einfach nur das Weglassen von Fakten immer attraktiver. Es ist unabdingbar, mit wasserdichten Trackingsystemen wie Textile Trust dem Trend entgegenzuwirken.“

Inzwischen wurde eine Demoversion, ein sogenanntes „Minimum Viable Product“, entwickelt. Dieses hat ausgewählte Grundfunktionen und wird derzeit in einer zweiten Phase verfeinert. Ziel ist die Marktreife von Textile Trust bis Mitte 2022, wozu weitere Partner aus der Textilbranche gewünscht sind. Interessierte Unternehmen können sich bei Kaya&Kato, IBM oder Cotonea melden.

Bilder: Kaya&Kato / Cotonea Klaus Mellenthin